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04. Mai 2010

Lohndumping: Miese Noten für Leiharbeit

 Von Eva Roth
Kein Anspruch auf Mindestlohn.  Foto: ddp

Leiharbeiter verdienen im Schnitt rund 15 Prozent weniger als vergleichbare regulär Beschäftigte. Leihjobs sind auch unsicher. Fast 72 Prozent der Arbeitsverhältnisse sind kürzer als sechs Monate. Aber ist Zeitarbeit wirklich so schlimm? Von Eva Roth

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Zuschussgeschäft

Minijobs und Niedriglöhne sind für den Staat und damit die Steuerzahler sehr teuer. Im vorigen Jahr hat der Staat rund elf Milliarden Euro aufgewendet, um Erwerbstätige zu unterstützen. Das ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Links-Fraktion. Demnach erhielten 2009 knapp 1,2 Millionen Haushalte mit Erwerbstätigen Hartz-IV-Zahlungen und Zuschüsse zur Sozialversicherung. Diese Menschen können also nicht allein vom Einkommen der Beschäftigten leben - weil die Löhne so niedrig sind, oder weil die Jobs keine Vollzeitstellen und deshalb nicht ausreichend sind.

Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland stark. Laut Bundesregierung waren im Jahr 2006 rund 20 Prozent der Beschäftigten Geringverdiener, die weniger als 9,85 Euro pro Stunde erhielten. In Frankreich, Dänemark und Belgien lag der Anteil unter neun Prozent.

Ein gesetzlicher Mindestlohn würde sich rechnen, wie sich aus Angaben des Arbeitsministeriums für das Jahr 2008 ergibt. Demnach müsste der Bund eine Milliarde bis 1,5 Milliarden Euro weniger Sozialleistungen zahlen, wenn es einen flächendeckenden Satz von 7,50 Euro gäbe. Die Linkspartei fordert zehn Euro. "So wird endlich Schluss gemacht mit der staatlichen Subventionierung von Armutslöhnen", erklärt Linkspartei-Abgeordnete Sabine Zimmermann. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil sagte der Frankfurter Rundschau, ein Mindestlohn würde für fairen Wettbewerb zwischen Firmen sorgen. (msv/rt)

Leiharbeit hat unter Bundesbürgern einen extrem schlechten Ruf - auch unter CDU- und FDP-Wählern. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der IG Metall. Aber ist Zeitarbeit wirklich so schlimm? Die Frankfurter Rundschau hat bei Forschern nachgefragt.

Leiharbeit führt zu Lohndumping - das glauben insgesamt 84 Prozent der Befragten. Bei den Anhängern der FDP sind es immerhin 71 Prozent, und bei Unionswählern 79 Prozent. Ein Großteil der im April Befragten - nämlich 78 Prozent - fürchten auch, dass dadurch reguläre Jobs verdrängt werden.

Frankfurter Rundschau vom 28. November 2007.
Frankfurter Rundschau vom 28. November 2007.
 Foto: Thomas Plaßmann

Dass viele Zeitarbeiter oft sehr schlecht bezahlt werden, bestreitet wohl niemand. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wollte es genauer wissen und hat dazu eigene Berechnungen gemacht. Demnach verdienen Zeitarbeiter rund 15 Prozent weniger als vergleichbare regulär Beschäftigte, sagt die IAB-Wissenschaftlerin Elke Jahn der FR. Viele Leiharbeiter seien zuvor arbeitslos gewesen, manche Unternehmen begegneten ihnen deshalb mit Vorbehalten, so die Volkswirtin. Der Lohnabschlag sei deswegen eine Art Vermittlungsprämie.

Ob Zeitarbeit tatsächlich reguläre Stammarbeitsplätze verdrängt, ist bislang noch nicht sicher zu sagen. Es gibt aber starke Indizien, meint Gerhard Bosch, Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Uni Duisburg-Essen: Eine wachsende Zahl von Leihkräften sei über viele Monate in einem Betrieb beschäftigt. Sie würden oft befristet Beschäftigte verdrängen, die zwar einen unsicheren Job haben, aber genauso entlohnt werden wie Festangestellte, betont Bosch.

Fest steht: Leihjobs sind unsicher. Fast 72 Prozent der Arbeitsverhältnisse sind kürzer als sechs Monate. Das hat IAB-Volkswirt Lehmer aufgrund von Daten aus 2006 errechnet. Für diese Menschen gilt der Kündigungsschutz nicht, denn der greift laut Gesetz erst nach einem halben Jahr.

Die Zahl der Leihkräfte ist in jüngster Zeit wieder gestiegen, im Februar waren rund 560.000 Menschen bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt. Die IG Metall fürchtet, dass es im Zuge der wirtschaftlichen Erholung 2,5 Millionen werden könnten - wenn die Politik nichts tut.

Um dies zu verhindern, haben Gewerkschaftschef Berthold Huber und sein Vize Detlef Wetzel eine Initiative gegründet, die sich dafür einsetzt, dass Leihkräfte ebenso bezahlt werden wie das Stammpersonal.

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