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02. Februar 2016

Lohnentwicklung: Deutsche Löhne holen auf

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Zwei Mal fünf Finger: 5,5 Prozent wollten die IG Metaller bei der letzten Tarifrunde.  Foto: Monika Müller

Die IG Metall fordert in ihrer Tarif-Empfehlung weniger Zuwachs als im Vorjahr. Wie wettbewerbsfähig sind die Firmen überhaupt noch?

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Es ist soweit: Die IG Metal hat ihre Lohnempfehlung für die deutsche Metall- und Elektroindustrie vorgelegt. Gefordert wird eine geringere Lohnsteigerung als im zuvor. Nach den Regionen hat sich nun auch der Bundesvorstand der Gewerkschaft für eine Forderung zwischen 4,5 und 5 Prozent mehr Geld ausgesprochen.

Im vorigen Jahr hatte die IG Metall 5,5 Prozent mehr Gehalt gefordert, bekommen hatte sie 3,4 Prozent. Dieses Jahr will sie ein weiteres Plus: Die mächtigen IG-Metall-Bezirke Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben vorgeschlagen, mit einer Lohnforderung von 4,5 bis fünf Prozent in die Verhandlungen zu gehen.

Schützenhilfe bekommen die Gewerkschafter von der Politik: „Deutschland ist ein verdammt starkes Land“, sagte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorige Woche und prognostizierte für dieses Jahr weitere Beschäftigungsrekorde und eine Steigerung der Bruttogehälter je Arbeitnehmer um 2,6 Prozent nach 2,9 Prozent im vergangenen Jahr. Der Beschäftigungsaufbau sei zusammen mit Gehaltssteigerungen Grundlage der binnenwirtschaftlichen Dynamik. Auch in diesem Jahr, da sind sich Ökonomen einig, wird der private Konsum das Wirtschaftswachstum tragen.

Zwar sprechen Ökonomen der Deutschen Bank von einer „relativ moderate Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Löhne“ im vorigen Jahr. Dennoch klagen Unternehmer-Vertreter über steigende Kosten und sehen die Wettbewerbsfähigkeit bedroht. Die expansive Lohnpolitik der vergangenen Jahre habe Deutschlands Kostenvorteil teilweise wieder aufgezehrt, mahnte das arbeitgebernahe Institut IW.

Tatsächlich ist Arbeit in Deutschland absolut gesehen nicht billig. So kostete die Arbeitnehmerstunde 2014 im Schnitt rund 32 Euro, damit lag Deutschland über dem Durchschnitt der Euro-Zone von fast 29 Euro, allerdings deutlich hinter Ländern wie Dänemark, Belgien und Schweden, die über 40 Euro kommen. Seit 2008 legten die Arbeitskosten je Stunde in Deutschland um 2,1 Prozent zu und damit etwas stärker als im Durchschnitt der Währungsunion (2,0 Prozent) – und deutlich stärker als in Krisenländern wie Portugal oder Griechenland, wo die Kosten sanken.

Im verarbeitenden Gewerbe lagen die Arbeitskosten 2014 bereits bei 37 Euro je Stunde und damit an dritter Stelle in der EU. Im vergangenen Jahr ging es weiter bergauf. Dennoch hat die hiesige Wirtschaft noch immer einen starken Preisvorteil. Denn von der Euro-Einführung bis zur Finanzkrise 2008 stiegen die Löhne hier zu Lande so schwach wie in keinem anderen Land der Währungsunion.

Der entscheidende Indikator für die preisliche Wettbewerbsfähigkeit ist jedoch nicht die absolute Lohnhöhe, sondern die Lohnstückkosten, die den Zuwachs der Produktivität mit einberechnen – deutsche Arbeitnehmer verdienen mehr, sie produzieren aber auch mehr. Durchschnittlich sind Norwegen, die USA, Japan, Kanada und die wichtigsten EU-Länder zwölf Prozent weniger produktiv als die deutsche Industrie, errechnete das IW.

Auch bei den Lohnstückkosten zeigt sich der Vorsprung: Zwischen 2000 und 2008 gingen sie in Deutschland zurück, in der Industrie um neun Prozent, im Rest der EU legten sie zu. Das bedeutet, Deutschland „hat stetig an preislicher Wettbewerbsfähigkeit gewonnen“, so das gewerkschaftsnahe Institut IMK.

Deutschlands Lohnstückkosten-Vorsprung ist zwar abgeschmolzen, auch wegen Lohnsenkungen in Krisenländern. Aber er ist immer noch vorhanden. So sind die Lohnstückkosten in Deutschland seit 2000 um 17 Prozent gestiegen, im Euroraum (ohne Deutschland) dagegen um 31 Prozent.

Ein Ausweis der starken Wettbewerbsfähigkeit sind die wachsenden Überschüsse im Außenhandel. Im vergangenen Jahr wuchsen die Ausfuhren um über sechs Prozent, der Exportüberschuss erreichte 236 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 erzielte Deutschland einen Außenhandelsüberschuss von knapp sechs Milliarden. Stärker steigende Löhne in Deutschland würden „helfen, wirtschaftliche Ungleichgewichte in Europa abzubauen“, so die Deutsche Bank.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger empfiehlt, dass sich die Lohnzuwächse in Deutschland an der Zielinflation der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp zwei Prozent und dem Produktivitätszuwachs von rund einem Prozent orientieren. In diesem Jahr könne das Plus sogar einen halben Prozentpunkt darüber liegen: „Die Löhne sollten im Durchschnitt um gut drei Prozent steigen und  in der Industrie mindestens genauso stark“, sagte Bofinger der Berliner Zeitung.

Ein solcher Gehaltszuwachs würde dazu beitragen, dass sich die Deflationsgefahr verringert und dass sich der derzeit sehr geringe Preisanstieg dem Inflationsziel der EZB annähert. Dies würde die gesamte Eurozone stabilisieren, und die Notenbank könnte ihre extreme Niedrigzinspolitik beenden, so Bofinger. (mit dpa)

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