Andrea Kocsis, Aufsichtsratsvizechefin der Post, wirft dem Post-Vorstand vor, die Krise als Vorwand für Lohndrückerei zu nutzen. Sie könne nicht verstehen, "warum die Konzernspitze erst vor einem Jahr getroffene Tarifvereinbarungen schon wieder in Frage stellt", sagte Kocsis, Vize-Chefin des Verdi-Bundesvorstands.
Auf Ablehnung stößt bei Kocsis auch das Ansinnen der Unternehmensführung, dass die 180.000 Beschäftigten der Briefsparte 1,5 Stunden pro Woche mehr arbeiten, insgesamt 40 statt 38,5 Stunden. Bei einer Gewerkschaftskonferenz in Frankfurt plädierte sie für die Beibehaltung der Tarifstandards. An der vereinbarten Lohnerhöhung von drei Prozent lasse sich in keinem Fall rütteln.
Anders als beim Sanierungsfall Arcandor sieht Kocsis bei der Post bei einem Halbjahresgewinn von 557 Millionen Euro keine Notwendigkeit, die Bedingungen für Beschäftigte zu ändern. Dass aufgrund von verstärkter E-Mail-Nutzung der Briefverkehr kaum noch wachse, sei in Bonn bereits lange bekannt und kein Grund, nun Mehrarbeit oder Lohnverzicht einzufordern. 2008 stellte die Post rund 6,5 Milliarden Briefe in Deutschland zu - rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr.
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres ist das Briefgeschäft laut Postchef Frank Appel um 30 Prozent geschrumpft. Und es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich das Briefaufkommen nach der Krise wieder auf dem vorherigen Niveau einpendelt, sagte Appel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er wolle nötige Anpassungen zwar sozialverträglich gestalten, schloss auf Dauer jedoch Auslagerung von Dienstleistungen nicht aus. "Das lehnen wir absolut ab und werden alles tun, um das zu verhindern", betonte Kocsis.
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