Hannover. Die Chemie-Gewerkschaft IG BCE hat sich scharf von den Abschlüssen in der Metallindustrie und im öffentlichen Dienst distanziert. Ihr neuer Verhandlungsführer Peter Hausmann signalisierte, dass seine Gewerkschaft für die Chemiebranche einen höheren Lohnzuschlag durchsetzen will. Zudem will die IG BCE in florierenden Betrieben mehr Geld für die Beschäftigten rausholen als in der Fläche. Die Tarifverhandlungen für die 550000 Chemie-Beschäftigten beginnen nächste Woche.
Die Chemie-Gewerkschaft müsse "inhaltlich einen anderen Weg gehen" als Verdi im öffentlichen Dienst und die IG Metall, sagte Hausmann bei einem Pressegespräch in Hannover. Die IG BCE strebe eine "deutliche Entgelt-Erhöhung" an und eine sehr kurze Laufzeit des Tarifvertrags von "höchstens zwölf Monaten".
Die Metaller haben dagegen die Einkommen für 23 Monate geregelt. In diesem Jahr gibt es nur eine Einmalzahlung von 320 Euro, erst im kommenden Jahr steigen die Gehälter dauerhaft um 2,7 Prozent. Im Zentrum des Metall-Tarifabschlusses stehen Instrumente zur Jobsicherung.
"Wir werden dem Vorbild der Metaller nicht folgen", stellte Hausmann klar. Er begründete dies mit der unterschiedlichen Lage der Branchen: In der Metallindustrie sei die Lage "eher grau in schwarz". In der Chemiebranche sei das Bild "bunter", dort gebe es auch Firmen, die gut laufen und "deutliche Gewinne" erzielen. Als Beispiele nannte er Bayer, BASF, Novartis, Henkel und Merck.
Für Betriebe, denen es sehr gut geht, will die Gewerkschaft einen Extra-Zuschlag durchsetzen. Gesucht würden Instrumente, mit denen man in solchen Firmen "etwas nach oben entwickeln kann", sagte Hausmann. Die Beschäftigten in solchen Unternehmen machten Druck und sagten, sie wollten mehr Geld sehen.
Dies sei keineswegs ein Abschied vom Flächentarifvertrag, betonte Hausmann. So solle es weiterhin eine einheitliche Entgelt-Tabelle für alle geben. Was er sich konkret vorstellt, verriet er nicht.
Grundsätzlich wäre denkbar, dass Belegschaften in florierenden Firmen eine zusätzliche Einmalzahlung erhalten. Die spannenden Fragen lauten: Kann man in einem Tarifvertrag verbindlich festlegen, unter welchen Bedingungen es einen solchen Bonus gibt? Und von welchen Kennziffern hängt der Bonus ab? Eine solche Regelung sei ihm bislang nicht bekannt, sagte Reinhard Bispinck vom Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung der FR.
Arbeitgeber fordern Nullrunde
Der Chemie-Arbeitgeberverband BAVC fordert bislang eine Nullrunde: Sein Verband sehe "keinen Spielraum für Entgeltsteigerungen", sagte ein Sprecher.
Neben der Lohnerhöhung verlangt die IG BCE, das Ausbildungsniveau zu halten und Anreize für die Übernahme von Azubis zu schaffen. Um Jobs zu sichern, könne darüber diskutiert werden, ob die Arbeitszeit in einzelnen Betrieben stärker als bisher gesenkt werden kann, und zwar auf 30 Wochenstunden. Bisher ist eine Absenkung von 37,5 auf 35 Stunden möglich. Dann sei aber ein Teillohnausgleich von 50 Prozent fällig.
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