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15. März 2012

Lokführer appellieren an Deutsche Bahn: GDL warnt vor dramatischem Lokführermangel

 Von Peter Kirnich
Die Lokführer verhandeln derzeit auch über bessere Arbeitsbedingungen.  Foto: dapd

Die Lokführergewerkschaft GDL fordert von der Deutschen Bahn, mehr in die Ausbildung von Lokführern zu investieren. Weil schon jetzt 1000 Lokführer fehlten, sei ein regelrechter Kampf unter Bahnanbietern ausgebrochen, sagt GDL-Chef Weselsky. Bahn und GDL verhandeln heute.

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Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Deutsche Bahn (DB) aufgefordert, schnell konkrete Maßnahmen gegen den dramatischen Mangel an Lokführern zu unternehmen. „Bundesweit fehlen rund 1000 Lokführer, allein bei der Deutschen Bahn sind es 800“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky dieser Zeitung. „Unsere Kollegen müssen immer mehr Überstunden schruppen, aber die Bahn tut nur wenig, um die Lücke zu schließen“, kritisierte Weselsky.

Zwar hat die Bahn im September vergangenen Jahres 420 Azubi eingestellt, die eine Lokführerausbildung erhalten, „doch dies dauert zu lange, um die aktuelle Lücke zu schließen.“ Die GDL hat die Bahn deshalb aufgefordert, die Ausbildung junger Lokführer sowie die Weiterbildung von geeigneten Eisenbahnern zu Lokführern zu forcieren und in einem Zukunftstarifvertrag festzuschreiben. Ändere sich nichts an der derzeitigen Situation, werde die Lücke noch größer.

„Unter den Bahnanbietern ist ein regelrechter Kampf um Lokführer ausgebrochen“, sagte Weselsky. Daran beteilige sich auch die DB. „Dabei werden Kopfprämien zwischen 2000 und 5000 Euro gezahlt. Das ist ein unhaltbarer Zustand.“ Zwar hätten die Privatbahnen damit begonnen, doch inzwischen beteiligten sich alle daran. „Wir erwarten von der DB, die ein familienfreundlicher Arbeitgeber sein will, dass sie anderen nicht die Lokführer abjagt, sondern durch Aus- und Weiterbildung selbst für ausreichend Facharbeiternachwuchs sorgt“, so der GDL-Chef.

Verhandlungen mit Bahn stocken

An diesem Donnerstag läuft eine weitere Verhandlungsrunde über einen Zukunftstarifvertrag für die Lokführer bei der DB. Neben der Aus- und Weiterbildung von Lokführern will die GDL in dem Vertrag vor allem die Arbeitsbedingungen der gut 20.000 Lokführer des Konzerns genauer an die Lebensphasen der Mitarbeiter anpassen.

Das schließt die Themen Kinderbetreuung, besseren Schutz von Lokführern, die durch Unfälle gelitten haben, Pflege von Angehörigen und Altersteilzeit ein. „Ich sehe nicht den Lokführer, der bis 67 Jahre auf Lok unterwegs ist“, sagte Weselsky. „Da brauchen wir Regeln, die es uns ermöglichen, zum Beispiel unsere Kollegen vorher auf anderen Arbeitsplätzen unterzubringen.“

Allerdings kämen die Verhandlungen nicht voran. „Was derzeit auf dem Tisch liegt, ist nicht geeignet, unterschrieben zu werden“, kritisierte der GDL-Chef. So woll die DB alle Regeln, die einen bundesweite Versetzung ihrer Mitarbeiter regulieren, dauerhaft festschreiben. „Wenn an einer Stelle keine Arbeit mehr ist, will sie Mitarbeiter per Tarif verpflichten, irgendwo anders in Deutschland für die Bahn zu arbeiten.“

Warnstreik für Lokführer derzeit kein Thema

Die GDL verlangt dagegen, dass Mitarbeiter etwa im Regionalverkehr, wo durch Ausschreibungen alle zehn Jahre der Anbieter wechseln, von dem neuen Unternehmen übernommen werden. So könnten sie in der Heimatregion weiter arbeiten. Weselsky: „Wir finden es nicht in Ordnung, wenn per Gesetz die Arbeitsplätze von Nord nach Süd oder Ost nach West jederzeit verlagert werden können. Die Bahn muss vielmehr dafür sorgen, dass der Beruf des Eisenbahners attraktiv ist. Dann wird sie weniger Sorgen haben, Nachwuchs zu gewinnen.“

Wenn die Bahn keine konkreten Vorschläge auf den Tisch legt, bestehe die Gefahr, dass die GDL den 31. 3. als Unterschriftstermin nicht halten könne. Weselsky kündigte an, den Druck auf die Arbeitgeber deutlich zu erhöhen. Ein möglicher Warnstreik werde aber derzeit noch nicht in Erwägung gezogen.

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