Die jüngste Pressemitteilung des Deutschen Lottoverbandes – eine Vereinigung privater Vermittler – liest sich wie ein verzweifelter Hilferuf: Seit 2007 seien die Umsätze um 25 Prozent eingebrochen, die Klassenlotterien SKL und NKL hätten gar 50 Prozent eingebüßt. Am schlimmsten aber habe es gewerbliche Spielervermittler wie Faber, Jaxx und Tipp24 mit Rückgängen von rund 90 Prozent erwischt.
Schuld am Desaster sei der 2008 in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag und die damit verbundenen „massiven Werbe- und Vertriebsbeschränkungen“. In der Tat darf für Lotto und andere Glücksspiele seitdem nur noch sehr dezent geworben werden. Grund ist eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts: 2006 hatte es verlangt, entweder den Glücksspielmarkt völlig zu liberalisieren oder die Werbung drastisch einzuschränken.
Die staatlichen Lottogesellschaften wählten den zweiten Weg: Sie erklärten alle privaten Angebote von Glücksspielen und Sportwetten für illegal, stoppten ihr eigenes Lottoangebot im Internet und fuhren die Werbung drastisch zurück. Doch unter der Werberestriktion leiden sie viel weniger als die Klassenlotterien sowie Lottovermittler wie Faber oder Jaxx, die früher das Gros ihrer Kunden über Postwurfsendungen gewinnen konnten.
Doch dieses Werbemittel bleibt ihnen jetzt verwehrt. Sie sehen dadurch ihre Existenz gefährdet. Deshalb haben sie sich zum Deutschen Lottoverband zusammengeschlossen, um sich gemeinsam gegen das staatliche Monopol zu wehren. Dagegen sehen sich die Bundesländer, denen die Lottogesellschaften gehören, durch die aktuelle Entwicklung in ihrer Entscheidung für das Monopol bestärkt und wollen es erhalten.
Der Lottoverband argumentiert: „Wenn ein Monopol mit der Suchtprävention begründet wird, dann müssen alle Glücksspiele reguliert werden“. Zwingende Folge wäre die Verstaatlichung der Spielhallen, Pferdewetten und privaten Spielbanken, die deutlich gefährlicher, jedoch erheblich liberaler reguliert seien als Lotterien, bei denen faktisch keine Spielsuchtgefahren bestehen.
Auch Anbieter von Sportwetten wie Bwin, Wetten.de oder Betfair wehren sich gegen das staatliche Glücksspielmonopol. Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages agieren sie in einer rechtlichen Grauzone. Kritiker werfen Firmen wie Bwin vor, die Spielsucht massiv zu fördern – etwa durch Live-Wetten, bei denen der Kunde während eines Fußballspiels auf den aktuellen Spielverlauf reagieren und alle paar Sekunden neu wetten kann.
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