„Unsere Mitarbeiter bilden die Basis für unseren Erfolg“, heißt es im jüngsten Geschäftsbericht der Lufthansa. Die aktuellen Ereignisse bei der Tochtergesellschaft LSG Sky Chefs lassen die Aussage in einem besonderen Licht erscheinen. Der Caterer, der zahlreiche Airlines mit Bordverpflegung beliefert, sucht den „Erfolg“ offenbar auf Kosten der Beschäftigten. Das Management schwinge „die Brechstange gegen die Arbeitnehmer“, wettert Gerold Schaub von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Und Frank Hartstein, Chef des Gesamtbetriebsrats der LSG Deutschland, spricht von einem „unverantwortlichen Vorgehen“ der Führungsriege sowie gar von „Nötigung“.
„Die Leute“, beschreibt Hartstein die Stimmung in der Belegschaft, „sind aufgebracht.“ Der Grund: Die LSG Deutschland mit ihren rund 6000 Beschäftigten soll in zwölf rechtlich selbstständige Einheiten aufgeteilt werden. Für Verdi handelt es sich um eine „Zerschlagung“: Das Management wolle aus den geltenden Tarifverträgen flüchten, um die Kosten zu drücken und die Rendite zu steigern.
Was Hartstein und Schaub zusätzlich erbost, ist die Art und Weise, in der der Umbau vorangetrieben wird. Der Betriebsrat habe erstmals am 7. April im Wirtschaftsausschuss von den Plänen erfahren, die der Aufsichtsrat der LSG-Mutter Lufthansa am 2. Mai, also binnen weniger Wochen, endgültig absegnen soll. Doch die Belegschaftsvertreter fühlen sich nicht nur unter enormen Zeitdruck gesetzt, sondern auch „absolut unzureichend“ informiert. Das Geschäftsmodell sei „unklar“, „ein Konzept fehlt“, moniert Hartstein und wirft dem Vorstand eine „Missachtung“ der gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflicht vor.
Sachverständige prüfen
Die Unternehmensleitung wiegelt ab. Noch sei „nicht final entschieden“, zudem würden die bisherigen tarifvertraglichen Regelungen „weiterhin Bestand haben“, sagte eine Sprecherin.
„Es ist alles entschieden“, kontert Hartstein. Das Management habe deutlich gemacht, dass es weder über Inhalt noch Zeitplan mit sich reden lasse. Gleichwohl haben Betriebsrat und Gewerkschaft externe Sachverständige eingeschaltet, die das jüngste Konzept der Geschäftsleitung überprüfen sollen.
Für Hartstein und Schaub ist die Stoßrichtung klar: Die LSG wolle die Lohnkosten weiter drücken, um die operative Gewinnmarge von zuletzt 3,4 Prozent auf neun Prozent zu steigern. Dabei habe die Belegschaft schon erhebliche Opfer gebracht und auf Einkommen verzichtet. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland sei in den vergangenen zehn Jahren von 10000 auf 6000 gesunken, die Produktivität gleichzeitig um 80 Prozent gestiegen. Nun würden sie mit dem Hinweis, die Catering-Angebote der LSG seien nicht wettbewerbsfähig, erneut unter Druck gesetzt. Dies zeige das Beispiel Stuttgart. Dort solle ein neuer Auftrag nicht von der Stammbelegschaft, die sich noch in Kurzarbeit befinde, sondern mit „Fremdpersonal“ erledigt werden. Nahe des Frankfurter Flughafens hat die LSG kürzlich eine neue Einheit geschaffen, deren Belegschaft sich mit niedrigeren Tarifen der Gewerkschaft NGG begnügen muss.
Von der Aufspaltung der LSG fürchten die Belegschaftsvertreter noch härtere Einschnitte. Denn die neuen Gesellschaften könnten, um die Renditevorgaben zu erfüllen, ebenfalls aus dem Verdi-Tarif flüchten. Auch ein endgültiges Aus kleinerer Einheiten kann sich Hartstein vorstellen. Derartige Ängste sind nicht unbegründet. Die LSG gehöre nicht zum Kerngeschäft der Lufthansa, hatte Finanzchef Stephan Gemkow kürzlich betont und einen Verkauf nicht ausgeschlossen.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.