kalaydo.de Anzeigen

Lufthansa-Catering-Tochter: LSG will Belegschaft mit schwammigem Konzept abspeisen

Die Belegschaft der Lufthansa-Catering-Tochter LSG ist aufgebracht. Mit der Aufteilung des Unternehmens in zwölf rechtlich selbstständige Einheiten verfolge das Management das Ziel, aus den geltenden Tarifverträgen zu flüchten, lautet der Vorwurf. Die Unternehmensleitung wiegelt ab.

Die Beschäftigung der Lufthansa-Catering-Tochter LSG fürchten eine Zerschlagung.
Die Beschäftigung der Lufthansa-Catering-Tochter LSG fürchten eine Zerschlagung.
Foto: dapd
Frankfurt –  

„Unsere Mitarbeiter bilden die Basis für unseren Erfolg“, heißt es im jüngsten Geschäftsbericht der Lufthansa. Die aktuellen Ereignisse bei der Tochtergesellschaft LSG Sky Chefs lassen die Aussage in einem besonderen Licht erscheinen. Der Caterer, der zahlreiche Airlines mit Bordverpflegung beliefert, sucht den „Erfolg“ offenbar auf Kosten der Beschäftigten. Das Management schwinge „die Brechstange gegen die Arbeitnehmer“, wettert Gerold Schaub von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Und Frank Hartstein, Chef des Gesamtbetriebsrats der LSG Deutschland, spricht von einem „unverantwortlichen Vorgehen“ der Führungsriege sowie gar von „Nötigung“.

„Die Leute“, beschreibt Hartstein die Stimmung in der Belegschaft, „sind aufgebracht.“ Der Grund: Die LSG Deutschland mit ihren rund 6000 Beschäftigten soll in zwölf rechtlich selbstständige Einheiten aufgeteilt werden. Für Verdi handelt es sich um eine „Zerschlagung“: Das Management wolle aus den geltenden Tarifverträgen flüchten, um die Kosten zu drücken und die Rendite zu steigern.

Was Hartstein und Schaub zusätzlich erbost, ist die Art und Weise, in der der Umbau vorangetrieben wird. Der Betriebsrat habe erstmals am 7. April im Wirtschaftsausschuss von den Plänen erfahren, die der Aufsichtsrat der LSG-Mutter Lufthansa am 2. Mai, also binnen weniger Wochen, endgültig absegnen soll. Doch die Belegschaftsvertreter fühlen sich nicht nur unter enormen Zeitdruck gesetzt, sondern auch „absolut unzureichend“ informiert. Das Geschäftsmodell sei „unklar“, „ein Konzept fehlt“, moniert Hartstein und wirft dem Vorstand eine „Missachtung“ der gesetzlich vorgeschriebenen Informationspflicht vor.

Sachverständige prüfen

Die Unternehmensleitung wiegelt ab. Noch sei „nicht final entschieden“, zudem würden die bisherigen tarifvertraglichen Regelungen „weiterhin Bestand haben“, sagte eine Sprecherin.

„Es ist alles entschieden“, kontert Hartstein. Das Management habe deutlich gemacht, dass es weder über Inhalt noch Zeitplan mit sich reden lasse. Gleichwohl haben Betriebsrat und Gewerkschaft externe Sachverständige eingeschaltet, die das jüngste Konzept der Geschäftsleitung überprüfen sollen.

Für Hartstein und Schaub ist die Stoßrichtung klar: Die LSG wolle die Lohnkosten weiter drücken, um die operative Gewinnmarge von zuletzt 3,4 Prozent auf neun Prozent zu steigern. Dabei habe die Belegschaft schon erhebliche Opfer gebracht und auf Einkommen verzichtet. Die Zahl der Beschäftigten in Deutschland sei in den vergangenen zehn Jahren von 10000 auf 6000 gesunken, die Produktivität gleichzeitig um 80 Prozent gestiegen. Nun würden sie mit dem Hinweis, die Catering-Angebote der LSG seien nicht wettbewerbsfähig, erneut unter Druck gesetzt. Dies zeige das Beispiel Stuttgart. Dort solle ein neuer Auftrag nicht von der Stammbelegschaft, die sich noch in Kurzarbeit befinde, sondern mit „Fremdpersonal“ erledigt werden. Nahe des Frankfurter Flughafens hat die LSG kürzlich eine neue Einheit geschaffen, deren Belegschaft sich mit niedrigeren Tarifen der Gewerkschaft NGG begnügen muss.

Von der Aufspaltung der LSG fürchten die Belegschaftsvertreter noch härtere Einschnitte. Denn die neuen Gesellschaften könnten, um die Renditevorgaben zu erfüllen, ebenfalls aus dem Verdi-Tarif flüchten. Auch ein endgültiges Aus kleinerer Einheiten kann sich Hartstein vorstellen. Derartige Ängste sind nicht unbegründet. Die LSG gehöre nicht zum Kerngeschäft der Lufthansa, hatte Finanzchef Stephan Gemkow kürzlich betont und einen Verkauf nicht ausgeschlossen.

Autor:  Mario Müller
Datum:  20 | 4 | 2011
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.


Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Fotostrecke
Forum Entwicklung
Das Forum Entwicklung ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"

Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

Ressort

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Anzeige

Tops und Flops in der Wirtschaft

Anzeige

 

Video

  • 6.339,94 Pkt. +24,05 (+0,38%)
  • 10.196,44 Pkt. -35,08 (-0,34%)
  • 752,47 Pkt. +0,62 (+0,08%)
  • 8.580,39 Pkt. +17,01 (+0,20%)
  • 1,2512 USD -0,0003 (-0,02%)
in Zusammenarbeit mit Finanzen100.de
Atommüll-Endlager
Schacht Konrad - Das ehemalige Erzlager soll 2019 den Betrieb als Endlager für Atommüll aufnehmen. Geplant ist, 90 Prozent des gesamten Volumens der radioaktiven Abfälle in Deutschland zu lagern.

Der Bau des Endlagers für Atommüll wird voraussichtlich erst 2019 fertig. Es drohen Zusatzkosten von bis zu einer Milliarde Euro. Zur Grafik...

 Mehr...

Brutto / Netto Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige

Finden Sie jetzt gezielt den richtigen Partner für eine glückliche Beziehung. So wird Ihre Partnersuche ganz einfach.

ANZEIGE
- Business
- sonstiges
- Kauftipps!