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18. Februar 2016

Lufthansa: Abgelehnte Pilotin erhält 15.000 Euro

 Von Anna Driftschröer
Eine Pilotin: Frauen sind in dem Beruf unterrepräsentiert.  Foto: imago stock&people

Die Lufthansa verlangt von angehenden Piloten eine Mindestgröße von 1.65 Metern. Ist das "geschlechtsbezogene Diskriminierung"? Im letzten Moment kann das Unternehmen ein Urteil zu dem Fall abwenden.

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Eines Tages in einem Cockpit sitzen und die Boeing 747 der großen deutschen Fluggesellschaften fliegen und landen – diesen Traum hatte auch eine Frau, die sich für die Pilotenausbildung bei der Lufthansa bewarb. Mit Erfolg meisterte die 19-Jährige die ersten beiden Runden des harten Auswahlverfahrens und wartete schließlich auf einen Schulungsvertrag der Fluggesellschaft.

Und dann, die Ernüchterung: Von ihren Flugschülern, unabhängig davon, ob Mann oder Frau, verlangt Europas größte Fluggesellschaft eine Mindestgröße von 1,65 Metern. Damit fehlten der Bewerberin satte 3,5 Zentimeter, um die Ausbildung zu ihrem Traumberuf bei der Lufthansa antreten zu dürfen. Daraufhin zog die junge Frau vor Gericht und verklagte Lufthansa und das Tochterunternehmen, die für Auswahl und Auswahlverfahren zuständig sind. Die Absage sah die Klägerin als geschlechtsbezogene Diskriminierung und forderte 120 000 Euro Schadensersatz sowie 15 000 Euro Entschädigung für erlittene Diskriminierung.

Es sei statistisch bewiesen, dass Frauen im Schnitt kleiner sind als Männer, argumentierte die abgewiesene 19-Jährige und berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Am Donnerstag beschäftigte sich das Bundesarbeitsgericht in Erfurt mit dem Fall und beriet über die Rechtsmäßigkeit der Absage. Und doch kam es nicht zu einer grundsätzlichen Entscheidung. Denn ein Urteil in der Sache konnte das Unternehmen abwenden, indem es einen Vergleich mit der Klägerin schloss. Diese erhält nun von der Lufthansa eine Entschädigung von 14 175 Euro.

Tatsache ist: Wird von angehenden Piloten eine Mindestgröße verlangt, ergibt sich daraus eine Ungleichbehandlung von Frauen gegenüber Männern. Nur wenn die Lufthansa belege, dass diese Mindestgröße sachlich gerechtfertigt sei, könne die Vorschrift erlaubt sein, deutete der Senat des Bundesarbeitsgerichts an. Zudem schlossen die Erfurter Richter in der Verhandlung nicht aus, dass die Größen-Vorschrift vom Europäischen Gerichtshof geprüft werden muss. Es sei unklar, inwieweit die Mindestgröße der Lufthansa mit der EU-Diskriminierungsrichtlinie im Einklang sei.

Um Pilot bei der Lufthansa werden zu können, müssen Bewerber nicht nur fließend Deutsch und Englisch sprechen, sehtüchtig, körperlich fit und zudem noch psychisch belastbar sein. Im Tarifvertrag sowie in der abgeschlossenen Betriebsvereinbarung ist auch eine Körpergröße von mindestens 1,65 und höchstens 1,98 Meter vorgeschrieben. „So soll sichergestellt werden, dass ein Pilot oder eine Pilotin problemlos und in jeder Situation in der Lage ist, alle Bedienelemente im Cockpit zu erreichen“, sagte Lufthansa-Sprecher Helmut Tolksdorf.

Bei der Konzern-Tochter Swiss Air reicht allerdings eine Mindestgröße von 1,60 Meter aus, KLM verlangt nur 1,57 Meter und Air Berlin verzichtet ganz auf die Vorschrift.

Im Bewerbungsverfahren hatte die Frau eine Größe von 1,65 Metern angegeben und bestand sowohl die Berufsgrunduntersuchung als auch sonstige Qualifikationen. Erst nach der medizinischen Untersuchung erfuhr sie, dass sie untauglich sei.

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