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04. Juli 2012

Lufthansa: Leih-Stewardessen erlaubt

 Von Peter Dietz
Flugbegleiterin zweiter Klasse: Lufthansa will 240 Leiharbeiter in der Kabine einsetzen.  Foto: dapd

Bei Flügen der Lufthansa sollen künftig 240 sogenannte Leih-Stewardessen eingesetzt werden. Der Betriebsrat wehrt sich gegen die Einstellungen über eine Zeitarbeitsfirma. Der Streit um Leiharbeit könnte noch schärfer werden.

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Lufthansa darf in Berlin weiterhin Leih-Stewardessen einsetzen. Der Betriebsrat des Konzerns hatte dies per Eilverfahren verhindern wollen – ohne Erfolg. Das Landesarbeitsgericht Hessen wies am Dienstag in zweiter Instanz eine einstweilige Verfügung gegen die Beschäftigung von Leiharbeitern in der Kabine zurück.

Der Betriebsrat könne die Personalpraxis der Lufthansa zwar rügen, nicht aber vor Gericht dagegen klagen, begründete das Gericht seinen Spruch. Ob der Konzern gegen geltende Tarifverträge verstoße, müsse in einem Prozess zwischen den Tarifparteien entschieden werden. Zudem gebe es keine Hinweise darauf, dass das bisherige Beteiligungsverfahren bei Einstellung der Leiharbeiter nicht rechtens gewesen sei.

170 bereits eingestellt

Lufthansa fliegt seit einem Monat vom Berliner Flughafen Tegel mit Kabinenpersonal, das über die Zeitarbeitsfirma Aviation Power eingestellt wurde. An dieser Gesellschaft ist Deutschlands größte Fluglinie selbst mit 49 Prozent beteiligt. In sechs Maschinen sollen künftig rund 240 Leih-Stewardessen zum Einsatz kommen; 170 seien bereits eingestellt worden.

Lufthansa will so die Personalkosten drücken. In Berlin sei die Kranich-Linie besonders stark der Konkurrenz von Billigfliegern wie Air Berlin, Ryanair und Easyjet ausgesetzt, argumentiert der Arbeitgeber. Betriebsrat sowie die Gewerkschaften UFO und Verdi machen Front gegen das Modell. Sie fürchten, dass Berlin erst der Anfang sein könnte.

Zwar haben die Leiharbeiter dieselbe Ausbildung und dasselbe Einstiegsgehalt wie regulär im Konzern beschäftigte Flugbegleiter. Weitere Lohnsprünge indes seien nicht vorgesehen. Zudem müssten die Beschäftigten in Zeitarbeit länger arbeiten und auf Zulagen etwa zur Altersversorgung verzichten, kritisiert Betriebsratschef Alexander Behrens.

Der Betriebsrat beruft sich auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 2005. Damals hätten Management und Arbeitnehmervertreter vereinbart, dass in der Kabine der Konzern-Flotte kein Fremdpersonal zum Einsatz kommen darf. Dafür habe die Belegschaft auf Lohn verzichtet, sagte Behrens. Der Betriebsrat geht davon aus, dass dieser Vertrag noch wirksam ist, da man sich zuletzt nicht auf einen Tarifabschluss hatte einigen können.

Streik nicht ausgeschlossen

Der Streit um Leiharbeit in der Kabine könnte schnell an Schärfe gewinnen. Denn das gestrige Eilverfahren war erst der Auftakt. Laut Behrens hängen mehr als 30 weitere Verfahren in der Sache sowie eine Verbandsklage der Gewerkschaft UFO an. Mit der Vielzahl von Einzelklagen versucht der Betriebsrat die Leiharbeit so teuer zu machen, dass sie sich am Ende für Lufthansa nicht mehr lohnt. Gerichtlich habe der Betriebsrat bereits durchgesetzt, dass den Leiharbeitern dieselben Ruhezeiten gewährt werden müssen wie den anderen Flugbegleitern im Konzern. Auch der Einsatz kostengünstiger Kabinenchefs anstelle der höher eingruppierten Purser sei nicht mehr möglich, sagte Behrens. Sogar ein Streik wird nicht ausgeschlossen.

Zurzeit laufen Tarifgespräche zwischen Lufthansa und UFO. Die 17.000 Flugbegleiter der Kranich-Linie wollen nach einer drei Jahre währenden Nullrunde endlich wieder mehr Geld. Der Konzern indes will sparen und hat sich eine Rosskur verschrieben: 1,5 Milliarden Euro sollen bis Ende 2014 in allen Bereichen gespart werden.

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