Frankfurt/Main. Die Lufthansa und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit haben sich am Donnerstag nach monatelangem Ringen auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Beide Seiten hätten die Schlichtungsempfehlung des früheren Hamburger Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi akzeptiert, teilten Lufthansa-Sprecher Andreas Barthels und Gewerkschafts-Sprecher Jörg Handwerg mit. Reisende müssen sich damit nicht mehr fürchten, dass neuerliche Pilotenstreiks mitten in der Feriensaison den Verkehr der Lufthansa lahmlegen.
Nach Angaben der Gewerkschaft sieht der Kompromiss eine Nullrunde bis einschließlich März 2011 vor. Zudem seien die "Interessen der Piloten hinsichtlich der Vermeidung von Arbeitsplatz-Auslagerungen ins Ausland" berücksichtigt worden, hieß es in einer Mitteilung. Mit dem Ergebnis sei die Balance der Interessen im Unternehmen als Grundlage für die Sicherung deutscher Arbeitsplätze wiederhergestellt worden. Die Piloten hatten befürchtet, dass billigere Lufthansa- Töchter ihnen im eigenen Haus zunehmend Konkurrenz machen könnten.
Im Februar war der Tarifstreit eskaliert. Damals führte ein eintägiger Pilotenstreik zu massiven Behinderungen im Luftverkehr. Eigentlich hatten die Piloten damals sogar für vier Tage streiken wollen. Erst vor dem Arbeitsgericht einigte man sich auf neue Gespräche. Diese verliefen allerdings ohne Ergebnis und im April drohte die Gewerkschaft erneut mit vier Tage Streik. Der konnte erst verhindert werden, nachdem sich beide Seiten auf die Einsetzung des Schlichters einigten. Insgesamt handelte es sich um eine der längsten Tarifauseinandersetzungen in der Geschichte der Lufthansa.
Ein tragfähiges Ergebnis
"Ich glaube nicht, dass wir in den nächsten zehn Jahren nochmals so streiken müssen wie im Februar", sagte ein Sprecher der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Freitag. "Wir haben in den langen und intensiven Gesprächen ein tragfähiges Ergebnis erzielt, das uns zwar einiges abverlangt, uns aber auf der anderen Seite ein hohes Maß an Verlässlichkeit bietet", erklärte die Lufthansa. Die VC betonte, vor allem Jobverlagerungen ins Ausland hätten vermieden werden können. Sie hatte befürchtet, dass die Lufthansa auf ihren Strecken zunehmend Piloten ihrer Auslandstöchter einsetzt, die weniger verdienen als ihre deutschen Kollegen.
Nun hätten sich beiden Parteien auf eine genaue Aufteilung geeinigt, wer wie viele Flüge durchführen dürfe, sagte der VC-Sprecher. Die neue Vereinbarung sei langfristig angelegt, nur über die Gehälter müsse im März 2011 gesprochen werden. Bis dahin haben sich die Piloten mit der Airline auf eine Nullrunde geeinigt. Allerdings müssen die VC-Mitglieder die Einigung noch absegnen.
Die Einigung bringt nach Angaben des Unternehmens eine spürbare Kostenentlastung. Das gelte besonders für den Verkehr zwischen kleineren Flughäfen außerhalb der Drehkreuze, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Konkrete Zahlen nannte es nicht. Zudem seien seit Jahren strittige Fragen zum Konzerntarifvertrag gelöst worden. Die Einigung bezieht sich auch auf die Frage, inwieweit kleinere Maschinen bei Lufthansa-Töchtern eingesetzt werden können, die nicht nach dem Konzerntarif bezahlen. Hier wurde die 70-Sitzer-Regelung von einer neuen 95-Sitzer-Regelung abgelöst, so dass auch etwas größere Maschinen bei den Töchtern eingesetzt werden können, wie Lufthansa weiter mitteilte.
Eínmischung verboten
Die Gewerkschaft war mit einer Forderung nach mehr Geld für die rund 4500 Piloten und mehr Einfluss auf die Konzernpolitik in die Verhandlungen gegangen. Die Lufthansa wollte hingegen einen finanziellen Beitrag auch der Piloten zum aktuellen Sparprogramm und verbat sich eine Einmischung in das Management.
Von der Einigung sind neben dem Cockpitpersonal der Deutschen Lufthansa AG auch die Piloten der Lufthansa Cargo AG und des Billigfliegers Germanwings betroffen. Die Verhandlungskommission der Vereinigung Cockpit nahm den Kompromiss einstimmig an, allerdings ist noch eine Urabstimmung notwendig, die aber als Formsache gilt.
Zudem einigten sich beide Seiten, dass künftig mehr als ein Fünftel der Konzernflotte bei den Töchtern fliegen darf. Dabei muss es sich nur um die kleinsten Maschinen der Flotte handeln, egal wieviele Sitze sie haben. Für Strecken zwischen Deutschland und der Schweiz oder Österreich, wo die Lufthansa Töchter wie Swiss und AUA hat, gibt es eine Quote, nach der Lufthansa-Piloten mindestens im Einsatz sein müssen. (dpa/rtr)
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