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04. Februar 2013

Made in France: Frankreich will zur Marke werden

 Von 
Frankreich möchte mehr sein als nur die Heimat des Eiffelturms.  Foto: AFP

Eiffelturm, Baguette und Käse: Das ist der Grande Nation zu wenig. Frankreich will weg vom Romantikimage und als Wirtschaftsmacht wahrgenommen werden. Ein neues Label soll dabei helfen.

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Paris –  

Als Außenhandelsministerin Nicole Bricq letzthin aus China zurückkehrte, stellte sie ernüchtert fest: "Im internationalen Weltbild ist Frankreich das Land der Baguette, des Eiffelturms, des Käses und der Verliebten." Dabei exportiere ihr Land Airbus-Flugzeuge und TGV-Züge, Renaults und Peugeots; Großkonzerne wie Electricité de France (EDF) oder der Luxusgüterkonzern LVMH seien Branchenleader. Aber auch eine deutsch-französische Umfrage zeigte in diesem Januar: Deutsche verbinden mit Frankreich zuerst Paris, die Stadt der Liebe, dann Eiffelturm, Wein und die obligate Baguette.

Das "romantische" Image sei, so die französische Regierung, mit ein Grund für die Exportschwäche der französischen Firmen. Deshalb hat sie diese Woche ein neues Label geschaffen, das die französischen Produkte weltweit besser vermarkten soll. Der mit der Ausarbeitung betraute Werber Philippe Lentschener denkt an eine Art "made in Germany" à la française: "Wir müssen eine gemeinsame nationale Referenz schaffen, ähnlich wie der amerikanische Traum oder das Made in Germany", meint der Vorsteher des Werbebüros MacCann.

Das neue Siegel beruht nicht zufällig auf einer Idee von Industrieminister Arnaud Montebourg, der die großen Produktionsstandorte der Nation retten soll. 700.000 industrielle Arbeitsplätze sind in Frankreich seit der Jahrtausendwende verloren gegangen. Nach PSA Peugeot in Paris und dem Stahlkonzern ArcelorMittal in Lothringen hat am Donnerstag auch der amerikanische Pneuhersteller Goodyear die Schließung einer Fabrik in Nordfrankreich angekündigt; 1 173 Stellen gehen auf einen Schlag verloren.

Patriot im Seemannspulli

Die Regierung hat 2012 als Antwort auf den so genannten Gallois-Bericht eine Reihe von wettbewerbsfördernden Maßnahmen beschlossen; die Sozialpartner haben sich ihrerseits auf eine Lockerung des Arbeitsrechtes geeinigt. Doch das genügt laut Montebourg nicht, um die Produktion und die Exporte anzukurbeln. Er fordert, jeder Franzose müssen "ein Sprachrohr Frankreichs" werden. "Wir müssen von uns im Ausland mit Freude, Ehre, Stolz und Patriotismus sprechen", meint der Minister, der mit dem guten Beispiel vorausgeht und sich auf dem Titelbild einer Zeitschrift mit einem Küchenmixer der (französischen) Marke Moulinex abbildet; gekleidet ist er mit einem Seemannspulli der (französischen) Marke Armor Lux und einer Uhr des (französischen) Herstellers Michel Herbelin.

Das neue Frankreich-Label soll im Mai stehen. Worin es genau bestehen soll, weiß aber niemand so recht. Montebourg nennt auch nur andere Beispiele des "Nation-Branding", des Vermarktens des Landesnamens: die amerikanische Innovation, die japanische Technologie oder eben die deutsche Qualität. Der positive Inhalt des neuen Labels, das auch das alte Produktionssiegel "made in France" ablösen soll, steht noch in den Sternen. Und genau dort liegt wohl das Problem, welches das Label beheben soll.

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