Rundum zufriedene Gesichter bei Opel in Rüsselsheim. Siegfried Wolf, Deutschland-Chef des geplanten Investors Magna, hat einen Mordseindruck bei seinem ersten Auftritt auf der Betriebsversammlung hinterlassen. "Ohne Schlips, ganz lässig und ruhig", meint ein Arbeitnehmer. "Total souverän und überzeugend", sagt ein anderer. Er habe großes Vertrauen gefasst in die Zukunft seines Arbeitgebers.
Vor allem eines hat Wolf offenbar rübergebracht: Die künftige Eigenständigkeit von Adam Opel. "Opel ist gelb", habe Wolf auf entsprechende Fragen versichert, die Firmenfarbe. "Das war das erste Mal, dass ein Management standing ovations auf einer Betriebsversammlung bekam", sagt der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz, um schelmisch hinzuzufügen, "das lag aber auch daran, dass wir keine Stühle hatten".
Chrysler ist insolvent. GM wankt und droht Opel mit in die Tiefe zu reißen. Porsche und VW kämpfen gegeneinander. Die Zulieferer leiden. Jobs sind bedroht. Spezial: Krise der Autobauer
Wolf umgekehrt ist des Lobes voll für die Belegschaft. Von ihr gehe eine Kraft und ein Zukunftswille aus. "Ich weiß, dass es sich lohnt, uns in die Pflicht nehmen zu lassen." In den nächsten Wochen stehe aber allen "harte Arbeit" bevor. Spätestens Ende September soll der Vertrag über den Einstieg des kanadisch-österreichischen Autozulieferers unterschrieben sein. Einige Punkte müssten bis dahin noch geklärt werden, aber zügig. Mit der näheren Durchsicht will Wolf innerhalb von vier bis fünf Wochen durch sein.
Er versucht auch Zweifel zu zerstreuen, dass Magna es sich eventuell noch anders überlegen könnte. Bei seinem Besuch am Dienstag habe er eine Einlasskarte für das Unternehmen mit seinem gedruckten Namen darauf bekommen. Er werde sie behalten, auch wenn der Deal erst in ein paar Wochen festgezurrt werde. Auf eines muss sich Opel einstellen. Der US-Markt und zunächst auch China bleiben dem Unternehmen vorerst versperrt. Magna-Chef Frank Stronach sagte der Agentur Bloomberg, dies habe er GM zusagen müssen. Ansonsten soll Opel aber eine globale Marke werden.
Ein Opelaner aus dem Einkauf ist optimistisch für die weitere Zukunft. "Die kennen unseren Laden doch genau. Magna ist einer der größten Zulieferer von Opel." Dass die russische Sberbank mit von der Partie und mit 35 Prozent beteiligt sein soll, stört seinen Kollegen nicht. Laut Franz wird Magna die Federführung unter den Investoren haben, auch wenn das Unternehmen sich nur mit 20 Prozent beteiligen will. Die Stimmrechte der Sberbank würden aber wohl auf Magna übertragen. "Sonst macht das ja keinen Sinn", sagt Franz. Und ob die Noch-Mutter General Motors tatsächlich 35 Prozent behält, darüber sei auch noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Vielleicht erhielten die Beschäftigten mehr als zehn Prozent und die Opel-Händler ebenfalls Aktien.
Am Freitag werde bei einer Sitzung des Europäischen Arbeitnehmerforums über die Form der Mitarbeiterbeteiligung gesprochen. Ob er schon Kontakt zur Sberbank aufgenommen habe, wird Franz gefragt. "Ich habe mein Konto nach wie vor bei der Kreissparkasse Groß-Gerau", antwortet er verschmitzt.
Carl-Peter Forster wird die neue Opel-Gesellschaft führen
Franz stehen wohl die schwersten Monate seiner Zeit als Betriebsrat bevor. Denn es sollen mehr als 10.000 Stellen gestrichen werden, finanzielle Einbußen für die restlichen Beschäftigten sind programmiert. Die Existenz der Werke im britischen Luton, in Bochum und im belgischen Antwerpen ist keineswegs sicher. Für deren Erhalt wird Franz kämpfen. Schließlich mache es ja keinen Sinn, nun Ressourcen einzusparen, die später wieder gebraucht würden. Aber: Er strebt eine europäische und keine nationale Lösung an. Im übrigen sei es auch nicht so,dass die Bürgschaften in Höhe von 4,5 Milliarden Euro allein von Deutschland geschultert würden. Andere Länder mit Opel-Standorten würden sich entsprechend beteiligen.
Carl-Peter Forster wird die neue Opel-Gesellschaft führen, der bisherige Chef von GM Europe. Ein Opelaner findet das nicht richtig. "Forster hat doch in den vergangenen Jahren Entscheidungen von GM mitgetragen, die uns letztlich geschadet haben."
Mit einem könnte aber schon bald ein Zeichen für den Neuanfang und die Eigenständigkeit von Opel gesetzt, meint Franz. Die Europazentrale in Zürich zu schließen, die er eigentlich schon immer überflüssig fand. Den Opel-Einkäufer hat noch eines an Wolf beeindruckt. Er habe durchblicken lassen, dass es zu viele Häuptlinge bei Opel gebe und das geändert werde. "Recht hat er."
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