Für Saatgut gilt ein Reinheitsgebot. Mit gutem Grund: Es soll verhindern, dass sich Gen-Pflanzen unkontrolliert ausbreiten. Doch nun zeigen Stichproben: In wenigstens sieben Bundesländern sind importierte Saaten gentechnisch verunreinigt. Von Christian Kirstges
Importierte Mais-Saaten sind zum Teil mit Gen-Mais verunreinigt.
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Importierte Mais-Saaten sind zum Teil mit Gen-Mais verunreinigt.
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Frankfurt a.M. In sieben Bundesländern sind importierte Mais-Saaten entdeckt worden, die zum Teil mit Gen-Mais verunreinigt sind. Die Umweltschützer von Greenpeace und der biologische Erzeugerverband Bioland veröffentlichten jetzt das Ergebnis entsprechender Untersuchungen der Länder, nachdem sie die Ergebnisse bei den Behörden abgefragt hatten. Von 305 Stichproben waren demnach 20 belastet.
Aufgefallen waren die Verunreinigungen in Bayern (fünf Fälle bei 41 Proben), Brandenburg (fünf von 33), Baden-Württemberg (vier von 107), Nordrhein-Westfalen (zwei von zwölf), Schleswig-Holstein (zwei von sechs), Thüringen (einer von 36) und Hessen (einer von 25). In Sachsen und dem Saarland wurde keine der 40 beziehungsweise fünf Proben beanstandet.
Mais-Saaten sind zum Teil mit Gen-Mais verunreinigt.
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Mais-Saaten sind zum Teil mit Gen-Mais verunreinigt.
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Es könnten jedoch noch weitere Funde zu der Liste hinzukommen, denn Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz haben den Organisationen ihre Ergebnisse noch nicht zur Verfügung gestellt und laut Bioland-Sprecher Gerald Wehde auch nicht auf eine entsprechende Anfrage reagiert. Zudem stehe eine ausführliche Auflistung aus Brandenburg aus.
Von den 16 Bundesländern testen laut Bioland 13 jedes Frühjahr Mais-Proben auf gentechnische Veränderungen. In diesem Jahr wurde Ware aus Kanada, Frankreich, Ungarn und Chile beanstandet. "Diese Länder waren schon bei früheren Tests aufgefallen", erläuterte Wehde der Frankfurter Rundschau. Das liege aber vor allem daran, dass dort Schwerpunkte der Maisherstellung liegen.
Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
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Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
Glaubt man dem Hersteller Nestlé, bieten Fitness Fruits eine "leichte" und "ausgewogene" Ernährung, die zur "Wunschfigur" verhilft. Tatsächlich bestehen die Frühstücksflocken zu einem Drittel aus Zucker und machen auf Dauer eher dick als fit.
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Die Firma "Deutsche Sisi-Werke" lässt nichts unversucht, um ihr zuckersüßes Getränk "Capri Sonne" an die jungen Konsumenten zu bringen. Sie ließ zum Beispiel Unterrichtsmaterialien über Ernährung und Bewegung an Schulen verteilen. Außerdem organisierte sie in den Jahren 2007 bis 2009 Feriencamps auf Lanzarote, wo die Kinder nach Recherchen von Foodwatch ständig von Werbung für "Capri Sonne" umgeben waren und sogar selbst als Werbeträger für das aromatisierte Kindergetränk missbraucht wurden.
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Laut Danone ist Actimel ein besonderer Joghurt-Drink, der das Immun-System "aktiviert" und "wetterfest" macht. Tatsächlich "aktiviert" Actimel das Immunsystem nicht mehr als herkömmliche Naturjoghurts, ist aber viermal so teuer und enthält doppelt so viel Zucker. Wissenschaftliche Belege für den Schutz vor Erkältungen gibt es nicht.
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Der Gelbe Zitrone Physalis von Pfanner präsentiert sich als perfekter Wellness-Drink: mit leuchtenden Physalis auf der Packung und dem hochwertigen gelben Tee im Namen. In Wirklichkeit enthält der Drink so wenig von der köstlichen Frucht, dass sie noch nicht einmal als Inhaltsstoff deklariert werden muss, und der gelbe Tee macht gerade mal 15 Prozent der Flüssigkeit aus. Der Rest sind viele Aromastoff und insgesamt 44 Stücke Würfelzucker auf zwei Liter.
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"Enthält Schokolade mit 75 Prozent Kakao" verspricht Dr. Oetker auf seinem Schoko-Pudding Pur Crema Choc. Das ist nicht gelogen. Nur leider enthält das Dessert insgesamt nur 2,5 Prozent Schokolade - was einem Kakaoanteil von ganzen 1,875 Prozent.
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Das Bertolli Pesto Verde von Unilever nach "original italienischer Rezeptur" enthält angeblich nur "beste Zutaten" wie "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkerne. Tatsächlich ist nur ein Fingerhut Olivenöl drin und kaukm Pinienkerne. Stattdessen werden vor allem Billigzutaten wie "pflanzliches Öl", Cashewnüsse und Aromastoffe eingesetzt.
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Lecker sieht er aus, der Philadelphia alla Pesto verde & Tomate, mit den frischen Zutaten auf der Verpackung und dem Versprechen von "sonnengereiften Tomaten". Die sind tatsächlich drin - genau 0,4 Prozent der Frischkäsezubereitung machen sie aus. Statt Pesto enthält das Produkt aus dem Hause Kraft eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung - und jede Menge Zusatzstoffe.
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"Schmeckt leicht, belastet nicht" bewirbt Ferroro seine Milchschnitte - und drückt die "ideale" Zwischenmahlzeit gerne werbewirksam prominenten Sportlern in die Hand. In Wahrheit besteht das Schnittchen zu 60 Prozent aus Fett und Zucker - und haut damit mehr rein als manche Schoko-Sahnetorte.
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Rama Cremefine will mit 11 Prozent weniger Fett als herkömmliche Schlagsahne ein Produkt für die "leichte Küche" sein. Dabei enthält das künstliche Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren - "schlechtes Fett" wie Rama selbst es nennt. Und kostet dabei noch doppelt so viel wie normale Schlagsahne.
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Wasabi Erdnüsse von The Lorenz Bahlsen Snack-World. Was fehlt: Wasabi (japanischer Meerrettich). Als Ersatz werden minderwertige Zutaten für den Geschmack verwendet - etwa Spirulina-Konzentrat (Algenkonzentrat), Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.
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Bei den Mini Keks Bolden "Schoko" (Hersteller: Biscuits Delacre) vermissen wir die Schokoladenfüllung im Keks. Stattdessen müssen wir billigen Ersatz essen - Kakaocremefüllung mit Schokoladenimitat, unter anderem aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt (Verpackung von 2009).
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Beim Combi Weiß in Salzlake, 50 Prozent Fett, (Hersteller: Efe Firat Feinkost) fehlt echter Schafskäse aus Schafsmilch. Stattdessen findet sich in der Dose billiger Ersatz durch Analogkäse, der wie Schafskäse aussieht. Er enthält billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. Restaurants und Imbissbuden verwenden dieses Käseimitat gerne - und verkaufen es als Schafskäse.
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Bei der Surimi-Garnele (loser Verkauf) handelt es sich um gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform. Es gibt täuschend echte Garnelenimitate, in denen Fischeiweiß steckt, das nicht anders verwertbar ist. Zudem Geschmacksverstärker, Aromen, Farbstoffe und Hühnereiweiß. Guten Appetit!
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Hier zum Vergleich eine echte Garnele. Das Imitat wird immer wieder in Imbissen als "Surimi Garnele, gefangen" bezeichnet, was den Eindruck erwecken soll, es handele sich um echte Garnelen.
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Der Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Einkauf bei Kaufhof). Für 40 Euro das Kilo erwarten wir 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen oder Tintenfische. Stattdessen wird das Produkt mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt.
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Beim Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Hersteller: Unilever Deutschland) bekommen wir nicht etwa 100 Prozent Putenfleisch. Stattdessen serviert uns der Hersteller zusammengefügte Fleischreste. Zum gewachsenem Putenfleisch kommen Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.
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Im Fol Epi Nuss von Fromageries Rambol gibt es statt 100 Prozent Käse billigen Schmelzkäse. Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt - was bei Käse nicht erlaubt ist. Die Scheiben aus Schmelzkäse sind leicht mit echtem Schnittkäse verwechselbar.
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Im Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) muss der Verbraucher echte Vanille und 100 Prozent Milchfett vermissen. Stattdessen billiger Ersatz durch überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat.
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Die Hähnchenschnitten Wiener Art von Vossko-Tiefkühlkost enthalten keine Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen wird billiger Ersatz durch Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch verkauft.
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Wer bei den Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Hersteller: Proback, Aldi Nord) denkt, hier handelt es sich um Vollkorntoast-Brötchen aus Vollkornmehl, irrt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck verlangt sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten. Gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
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Was liegt auf Ihrem Teller - Original oder Fälschung? Das ist, wie hier bei Garnelen, nicht immer leicht zu erkennen. Lebensmittelkonzerne nutzen das aus. Sehen Sie die größten Mogel-Lebensmittel - zusammengestellt von der Verbraucherzentrale Hamburg und von Foodwatch.
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Kraus
Fotostrecken Wirtschaft
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Als Konsequenz der Funde - und weil sie immer häufiger gemacht werden - fordern Greenpeace und Bioland umfassendere Kontrollen und rechtzeitige Veröffentlichungen der Ergebnisse vor der Mais-Aussaat. "Verunreinigtes Saatgut kann dazu führen, dass sich Gen-Pflanzen unkontrolliert ausbreiten und in die Nahrungskette gelangen", sagte Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter von Greenpeace.
Selbst wenn positiv getestete Partien aus dem Handel genommen werden, bleibe Importware riskant. "Es wird nur stichprobenartig getestet, in Bayern beispielsweise nur sechs Prozent des gesamten Saatgutes", betonte Hofstetter.
Kritik kommt auch von Bioland-Präsident Thomas Dosch: "Die schleichende Verunreinigung von Saatgut mit gentechnisch veränderten Organismen ist inakzeptabel und widerspricht dem Prinzip der Wahlfreiheit (von Saatmitteln für die Landwirte)." Sanktionen haben die Hersteller zwar nicht zu fürchten, so Bioland-Sprecher Wehde. Doch der Imageverlust und das Zurückziehen der Ware zeige Wirkung.
Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sagte der FR, der Bericht der Organisationen zeige, dass die Saatgutüberwachung funktioniere. Saatgut, das mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen kontaminiert ist, müsse vom Markt. Dabei gelte die "Nulltoleranz". (mit dpa)