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04. März 2013

Managergehälter : Jungpolitiker knöpfen sich Manager vor

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Man kann's ja mal versuchen: Schweizer Jusos präsentieren ihre Initiative. Foto: imago stock&people

Die Abzocker-Initiative war nur der Anfang: Schweizer Jungsozialisten gehen das Thema Gehalt grundsätzlich an. Top-Manager sollen maximal zwölf Mal so viel verdienen wie der am schlechtesten bezahlte Beschäftigte im selben Betrieb.

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Während Schweizer Großunternehmen und vor allem der mächtige Wirtschaftsverband Economiesuisse nach der Abzocker-Volksabstimmung die Wunden lecken, reiben sich andere die Hände: Die Schweizer Jungsozialisten wollen mit einer weiteren Abstimmung die Machtverhältnisse zwischen Arbeitnehmern und Managern deutlich verändern. Die krassen Gehaltsunterschiede sind ihnen ein Dorn im Auge: Dass heutzutage ein Top-Manager in der Schweiz im Schnitt 73 mal so viel verdient wie ein Beschäftigter mit dem niedrigsten Gehalt im selben Unternehmen und selben Land, soll nach dem Willen der Schweizer Jusos bald der Vergangenheit angehören. „Niemand soll in einem Jahr weniger verdienen als der Top-Manager im gleichen Unternehmen in einem Monat!“, fordern die Jusos. Ihre Initiative lautet folglich: „1:12 – gemeinsam für gerechte Löhne“.

„Die Abzocker-Initiative wird einzelne Praktiken wie goldene Fallschirme verhindern und Aktionärsrechte stärken. Es ist aber klar, dass die Lohnexzesse von der Initiative nicht gestoppt werden“, schreibt Kristina Schüpbach für die Schweizer Jusos. Das 1:12-Projekt sehen die Jungpolitiker nun als die eigentliche Lösung des Ungerechtigkeitsproblems in der Entlohnung von Beschäftigten.

Deutsche Jusos schauen hin

Der enorme Unterschied zwischen den Bezügen eines Top-Managers und eines einfachen Beschäftigen ist freilich kein schweizerisches Problem. Die 1:12-Kampagne beobachten auch die deutschen Jungsozialisten ganz genau:  „Die Kampagne der Jusos Schweiz könnte als Vorbild für ähnliche Aktionen bei uns fungieren“, sagt Sascha Vogt, Bundesvorsitzender des Jusos Deutschland im Gespräch mit der FR. Eigene Pläne für ähnliche Projekte gebe es zwar nicht, räumt Vogt ein, aber „wir sind uns sicher, dass wir das Thema im Wahlkampf aufgreifen werden“.

In Deutschland erhielten Anfang der 1980er Jahre Vorstände börsennotierter Unternehmen im Schnitt etwa 14 Mal so viel wie ein Mitarbeiter mit einem Durchschnittseinkommen.  Mit der Ausweitung und Verlagerung von Produktionsstandorten ins Ausland aber vor allem mit der globalen Expansion der Finanzwirtschaft wurde der Kampf um Spitzenmanager immer härter, deren Bezüge stiegen stärker. Doch die steigende Nachfrage für das entsprechende Know-how war nur ein Aspekt.

70 Mal mehr

Dass deutsche Spitzenmanager heutzutage nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bis zu 70 Mal mehr verdienen als die Beschäftigten im selben Betrieb ist auch Politik. Denn die gibt die Rechtsrahmen für Strukturen der Unternehmen vor. Wenn Vorstände und Aufsichtsräte eine zu enge Verzahnung haben, stehen sie im Interessenskonflikt, wenn beispielsweise Vorstände in den Aufsichtsrat wechseln.  Denn der Aufsichtsrat legt in Deutschland das Gehalt des Vorstandes fest.

Profitiert haben die Top-Verdiener auch von der viele Jahre geführten Debatte um Job-Angst: Jahrelang predigten auch SPD-Politiker Lohnzurückhaltung, Arbeitgeber-Lobbyisten wie die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft propagierten ihrerseits eine neoliberale Politik, die Arbeitnehmer unter Druck setzt.

Dass hohe Millionen-Gagen nicht mehr dem Geist der Zeit entsprächen, dämmert auch manch einem Konzern hierzulande. VW-Chef Martin Winterkorn kündigte bereits an, sein Gehalt deckeln zu lassen. Hatte er für 2011 noch 17,5 Millionen erhalten, soll er für 2012 nun insgesamt 14,5 Millionen Euro bekommen. Ohne der Deckelung stünden ihm nach bisheriger Hauspolitik - und dank guter Geschäftsergebnisse - rund 20 Millionen zu.  

Der Juso-Vorsitzende Sascha Vogt fordert von der SPD, dass sie deutliche Signale gegen die Auswüchse setzt: „Die SPD muss sich hierzulande an die Spitze der Bewegung stellen und im Wahlprogramm klarstellen, dass alle freiwilligen Vereinbarungen gescheitert sind und wir gesetzliche Initiativen brauchen. Es kann nicht sein und hat mit Leistung nichts zu tun, wenn Manager zum Teil das Hundertfache und mehr verdienen als normale Angestellte.“

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