Die Verbraucherschützer von Foodwatch haben den Lebensmittelkonzern Unilever verklagt. Sie fordern einen Verkaufsstopp der cholesterinsenkenden Margarine "Becel Pro activ". Die Unterlassungsklage richtet sich konkret gegen die Behauptung des Konzerns, bei der Margarine gebe es "aus wissenschaftlicher Sicht keinen Hinweis" auf Nebenwirkungen.
Nach Ansicht von Foodwatch will das Unternehmen "bedenkliche Risiken und Nebenwirkungen" der Margarine verschleiern. Dies wolle man verhindern, erklärte die Organisation am Dienstag. Umstritten sind die der Margarine zugesetzten Pflanzensterine, die für die cholesterinsenkende Wirkung verantwortlich sind. Foodwatch zufolge stehen sie im Verdacht, Ablagerungen in den Gefäßen und ein erhöhtes Risiko für Herzkrankheiten zu verursachen.
Die Verbraucherschützer beziehen sich auf Experten vom Bundesinstitut für Risikobewertung und die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit. "Unilever ignoriert bewusst den aktuellen Stand der Wissenschaft", kritisiert Oliver Huizinga von Foodwatch.
Unilever weist die Vorwürfe zurück. Man tausche sich ständig mit Wissenschaftlern aus, gesundheitliche Risiken durch die Margarine, die seit August 2000 auf dem Markt sei, seien nicht bekannt. "Wir sind absolut überzeugt von dem Produkt", so ein Sprecher des Konzerns am Dienstag. Daher sehe man der Klage gelassen entgegen.
Nun soll das Landgericht Hamburg klären, wer Recht hat im Margarine-Streit. Foodwatch immerhin hat Erfahrung in der Auseinandersetzung mit der Lebensmittelindustrie. Auf ihrem Internetportal abgespeist.de gehen die Verbraucherschützer seit längerem gegen Mogelpackungen und Werbetricks der Nahrungsmultis vor - teilweise mit Erfolg.
So änderte die Firma Bauer nach massiven Protesten 2009 Verpackung und Rezeptur ihres Kinderjoghurt-Drinks "Biene Maja". Foodwatch hatte zuvor angeprangert, dass ein Drink 44 Stück Würfelzucker enthielt, der Zuckergehalt aber nicht auf der Packung verzeichnet war. Auch die Getränkehersteller Granini und Carlsberg sowie der Konzernriese Nestlé änderten nach Foodwatch-Kampagnen ihre Produkte.
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