Auf die Flaute in der weltweiten Schifffahrt und den Häfen reagiert die Bundesregierung mit einer doppelten Offensive. Gleich mit zwei Programmen will sie auf der Nationalen Maritimen Konferenz mit markanten Seezeichen den Kurs vorgeben. Mehr als tausend Entscheider aus der Wirtschaft werden von Sonntag an in Rostock erwartet.
Dagmar Wöhrl (CSU), die Maritime Koordinatorin der Bundesregierung aus Bayern, hofft sogar auf rasches Wachstum. "Wir sind auf einem guten Weg, die maritime Position international zu festigen und wir wollen sie ausbauen." Dabei setzt die Bundesregierung vor allem auf die junge Meerestechnik. Sie habe "das höchste Wachstumspotential, das man sich vorstellen kann". Mit deutscher Technik sollen Industrierohstoffe aus Manganknollen im Pazifik gewonnen werden, die blaue Biotechnologie verheißt Arzneien aus Tiefseealgen, und Windmühlen auf hoher See sollen bald einen merklichen Anteil zum Energiemix beisteuern. Gerade wurde in Cuxhaven der landeseigene Offshore-Hafen eröffnet, von dem aus der erste Windpark angelegt werden soll. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung wird das Bundeswirtschaftsministerium den "Nationalen Masterplan Maritime Technologien" in Rostock noch nicht vollständig vorlegen können.
Weiter ist Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD), der mit dem ersten, 94-seitigen "Nationalen Hafenkonzept" in der alten Hansestadt eine "neue Strategie" vorstellen will. Trotz Weltwirtschaftskrise glaubt Tiefensee, dass "sich der Trend zu zunehmender Globalisierung nicht umkehren wird". Das Hafenkonzept soll sofort Arbeit für die Bauwirtschaft schaffen und dem Bund als strategischer Leitfaden in den kommenden zehn Jahren dienen. Die Anbindung der Häfen an Schiene, Straße und Binnenwassernetz soll verbessert und Kapazitätsengpässe in den Häfen beseitigt werden. 2009 und 2010 sollen jeweils rund zwölf Milliarden Euro in die Verkehrsinfrastruktur investiert werden.
Rüdiger Kamrau, Chef vom Gesamthafenbetrieb in Rostock, erwartet von der Konferenz keineswegs, dass "der Stein der Weisen gefunden wird", er baut aber auf Erfahrungsaustausch. Mit konkreten Forderungen wird sich der Werftenverband VSM einmischen. hp
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