Es sind teure Autos, die dort in Coatesville nördlich der neuseeländischen Großstadt Auckland auf Laster verladen wurden. Auf Fotos sind schwarze Jeeps und Sportlimousinen zu sehen, es waren auch ein Maserati, ein Lamborghini und ein Rolls-Royce Phantom dabei.
Die Marken erzählen viel über den Geschmack der Besitzer, aber noch bezeichnender sind die Nummernschilder. Sie bestehen offensichtlich jeweils nur aus einem Wort: „MAFIA“ lautet das Kennzeichen eines Mercedes-SUV, „HACKER“ ist auf einer S-Klasse zu lesen, „STONED“ auf einer anderen. Und der Rolls-Royce ist amtlich registriert unter „GOD“ – Gott.
Diese Großspurigkeit überrascht niemanden, der den Besitzer zumindest einiger der Fahrzeuge kennt. In dem Luxusanwesen namens „Chrisco Mansion“, vor dem die Autos konfisziert wurden, hatte sich Kim Schmitz alias Kim Dotcom eingerichtet – jener legendäre Internet-Unternehmer, der sich in den 90er Jahren und zu Hochzeiten der New Economy Dr. Kimble oder „Seine Königliche Hoheit König Kimble der Erste“ nannte.
Jener Mann, der behauptete, der bekannteste und fähigste Hacker Deutschlands zu sein („Ich bin klüger als Bill Gates“), der als Kimvestor den Konzern Kimpire gründete und im Handelsregister von Hongkong als Kim Tim Jim Vestor firmiert.
„It’s a hit“
Erst seit Kurzem stand der 37-Jährige wieder im Scheinwerferlicht. Superstars wie Kanye West und Alicia Keys warben in einem Youtube-Video für Schmitz Plattform Megaupload. In dem Spot ist auch Schmitz zu sehen, wie er in einem Studio den Text („Bit by bit, it’s a hit“) singt und zumindest kurz selbst wie ein Star wirkt.
Insofern würde er die Umstände wohl schlicht standesgemäß nennen, die Beamte der neuseeländischen Polizei vorfanden, als sie im Auftrag des FBI am Donnerstagmorgen um 6.45 Uhr Ortszeit Schmitz und zwei seiner Mitarbeiter festnahmen. In dem Anwesen, das fast 19 Millionen Euro gekostet haben soll, und bei zahlreichen weiteren Hausdurchsuchungen wurden zwei Dutzend Fahrzeuge, Jetskis, Gemälde und neuseeländische Staatsanleihen konfisziert. Die Polizei hat bereits Gegenstände im Wert von sechs Millionen Euro abtransportiert.
Das sind die finanziellen Dimensionen, in denen Kim Schmitz operiert, seit er seine IT-Firma Data Protect zu 80 Prozent an den TÜV Rheinland verkaufte. Damit hatte der Zwei-Meter- und Drei-Zentner-Mann Schmitz endlich ausreichend Kapital zur Verfügung, um sich seinen Vorstellungen entsprechend in Szene setzen zu können.
Legenden genährt
Schmitz ließ sich mit attraktiven Frauen und schnellen Autos fotografieren, nahm an illegalen Autorennen teil und feierte berüchtigte Partys. Megaupload, Megavideo, Megarotic, Megaporn und 15 andere Ableger – bei Schmitz ist schon immer alles mega gewesen.
Realität und Inszenierung waren bei Schmitz stets schwer auseinanderzuhalten. Wiederholt geriet er mit dem Gesetz in Konflikt. Einige seiner Hacker-Husarenstücke, etwa Einbrüche in die Computer von Nasa und Pentagon und das Konto von Helmut Kohl, stellten sich später freilich als Legenden heraus. Seine Festnahme ist nun jedoch ganz real.
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