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Mehr Sicherheit statt Gewinn: Munich Re übt Bescheidenheit

Versicherungsmanager Nikolaus von Bomhard zeigt Stehvermögen. Als Chef der Munich Re hat er dem Konzern eine Sicherheitsstrategie verordnet, die sich als krisenresistent erwies. Von Thomas Magenheim

Nikolaus von Bomhard, Chef von Munich Re: Wir sind der stabile Fels in der  Brandung.
Nikolaus von Bomhard, Chef von Munich Re: "Wir sind der stabile Fels in der Brandung."
Foto: ddp

München. Versicherungsmanager Nikolaus von Bomhard zeigt Stehvermögen. Als Chef der Munich Re (ehemals Münchener Rück) hat er dem Konzern eine Sicherheitsstrategie verordnet, die sich als krisenresistent erwies, aber mit der Konjunkturerholung Renditeschwächen zeigt. Was die Munich Re zu einem Strategiewechsel in Richtung riskantere und kurzfristig profitablere Geschäfte bewegen könnte, wird der Manager bei der Bilanzvorlage gefragt. Von Bomhards Antwort ist eine Kampfansage: "Man müsste mich absetzen."

Seine Vorstandskollegen stützen den Kurs, der das eine Ende des Strategiespektrums in der Finanzbranche markiert. Am anderen stehen Banker, die schon wieder Zielrenditen von 25 Prozent ins Auge fassen, entsprechendes Risiko inbegriffen. "Wir sind der stabile Fels in der Brandung", wirbt Munich-Re-Finanzchef Jörg Schneider für neue Bescheidenheit. Das Krisenjahr 2009 liefert dafür Argumente. Um fast zwei Drittel auf 2,6 Milliarden Euro stieg der Jahresüberschuss. Die Beiträge wuchsen um fast ein Zehntel auf 41,4 Milliarden Euro. Die Aktionäre können sich auf eine um 25 Cent auf 5,75 Euro je Aktie erhöhte Dividende freuen.

Die Kehrseite der Medaille ist der Ausblick auf 2010. Der Vorstand peilt weniger Gewinn an, wenn auch noch mehr als zwei Milliarden Euro. Dazu muss die Natur mitspielen. Das Erdbeben in Chile und der europäische Sturm Xynthia haben bereits nach zwei Monaten eine Schadenbelastung von einer halben Milliarde Euro gebracht - die Hälfte dessen, was die Münchner im ganzen Jahr für Naturkatastrophen ansetzen.

Um an der Gewinnschraube zu drehen, "müssten wir Risiko drauflegen, und das tun wir nicht", stellt von Bomhard klar. Er backt der Stabilität willen kleinere Brötchen und glaubt Investoren zu kennen, die das schätzen. Der US-Milliardär Warren Buffet, der kürzlich drei Prozent der Munich Re kaufte, sei so einer. Die Versicherungsindustrie müsse ihr Risikomanagement deutlich verbessern, sei eine Lehre aus der Krise.

Die Munich Re geht dabei voran. 86 Prozent der Anlagegelder hat sie in festverzinsliche Wertpapiere gesteckt und nur 2,8 Prozent in Aktien. "Wir haben viel Risiko aus der Kapitalanlage rausgenommen", betont von Bomhard. Unter dem Strich blieb 2009 in diesem Bereich eine Rendite von 4,3 Prozent. Die anhaltende Niedrigzinsphase werde sie 2010 unter vier Prozent drücken, räumt der Manager ein. Wenn andere demnächst besser abschneiden, werde er nicht nervös, weil ihm sichere Fundamente wichtiger seien.

Im Kerngeschäft mit Versicherungen ruhen seine Hoffnungen 2010 auf dem Teilkonzern Ergo. Die Marken Hamburg-Mannheimer und Victoria für Lebens- sowie Schaden- und Unfallpolicen sollen Mitte des Jahres durch die Dachmarke Ergo ersetzt werden. Eine Werbekampagne soll das in die Köpfe der Kunden bringen und für höhere Gewinne sorgen.

Autor:  Thomas Magenheim
Datum:  11 | 3 | 2010
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