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12. November 2012

Meldepflicht bei Hacker-Attacken: Stumpfe Waffen im Cyber War

 Von Frank-Thomas Wenzel
Auch mit Meldepflicht werden wohl nicht alle Hacker-Attacken publik. Foto: Imago

Der Strom gekappt, die Mobilfunknetze geknackt, die Ampeln manipuliert: Die Angst vor dem, was Hacker anrichten könnten, ist groß. Der Innenminister will der Gefahr mit einer Meldepflicht bei Hacker-Angriffen begegnen - doch Experten halten das für kontraproduktiv.

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Äußerste Sensibilität ist geboten, wenn es um die Sicherheit von Unternehmen gegen Hacker-Attacken geht. Die Gefahren sind immens. Es kursieren Horrorszenarien, dass böse Menschen alle Ampeln in der Republik auf Rot schalten, die Stromversorgung zum Erliegen bringen oder die Netze der Mobilfunker knacken könnten. Was tun? Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will eine Meldepflicht für Hacker-Angriffe einführen, die Telekom eine Art Task Force einrichten. Doch was sich auf den ersten Blick plausibel anhört, kann ganz schnell kontraproduktiv werden.

Mit der Meldepflicht ist das so eine Sache. Unternehmen lassen sich nicht gerne in die Karten schauen. Würden erfolgreichen Hacker-Attacken publik, wäre die Reputation eines Unternehmen ganz schnell dahin. Deshalb zweifeln Insider, ob bei einer Meldepflicht tatsächlich alle Fälle auch aktenkundig werden – schließlich ist es für die Behörden enorm schwer, die Vollständigkeit von Angaben zu überprüfen. Beim IT-Gipfel an diesem Dienstag in Essen wird das Thema kontrovers diskutiert werden.

Hackerangriffe auf Unternehmen
Hackerangriffe auf Unternehmen

Der Hightech-Verband Bitkom macht sich jedenfalls dafür stark, es zunächst einmal mit freiwilligen Lösungen zu versuchen. Eine Institution dafür ist schon geschaffen worden. Gerade erst Ende voriger Woche hat die Allianz für Cyber-Sicherheit ihre Arbeit aufgenommen, sie wird vom Bitkom und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik getragen.

Anonyme Meldungen möglich

Dort können Unternehmen Vorfälle auch anonym melden. Zudem soll die Meldestelle Warnungen über aktuelle Bedrohungen und Empfehlungen zum sicheren Einsatz von IT herausgeben. Hinzu komme, so ein Bitkom-Sprecher, dass insbesondere Telekommunikationsunternehmen – über deren Netze fließen letztlich alle sensiblen Daten – schon jetzt spezielle Sicherheitskonzepte vorlegen müssten, die von der Bundesnetzagentur genehmigt werden müssen.

Doch dem mit Abstand größten Unternehmen der Branche, der Deutschen Telekom, reicht all dies nicht. Reinhard Clemens, Chef der IT-Dienstleistungssparte T-Systems, hat die Ausgründung einer Sicherheitsabteilung aus der Telekom ins Gespräch gebracht, an der sich andere Firmen über alle Branchen hinweg beteiligten könnten. Die Konkurrenz hält aber nicht allzu viel davon. „Hohe Schlagkraft ist nötig, aber auch hier braucht es Vielfalt und Wettbewerb“, sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Branchenverbandes VATM, dieser Zeitung. Seine Furcht: Ein neues riesiges Sicherheitsunternehmen unter Führung der Telekom, das eine monopolartige Funktion ausüben könnte. Cyber-Sicherheit ist eben auch ein rasch wachsendes, lukratives Geschäft. Ein zentralistisches Konzept birgt für Grützner zudem neue Gefahrenpotenziale. Ein Mega-Sicherheitsunternehmen selbst mache sich zu einem attraktiven Ziel für Angriffe. Denn wer es schafft, dessen Netze und Computer zu knacken, verfügt über ungeheuer wertvolle Daten.

Aus der Telekommunikationsbranche kommt denn auch die Empfehlung an T-Systems, sich einfach verstärkt bei der Allianz für Cyber-Sicherheit zu engagieren.

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