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Metall- und Elektroindustrie: Die Lösung: zweimal 2,1 Prozent

Die Beschäftigten in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie erhalten 2,1 Prozent mehr Lohn - und später nochmals 2,1 Prozent mehr. Zudem gibt's eine Einmalzahlung.

Die IG Metall hatte acht Prozent mehr Gehalt gefordet.
Die IG Metall hatte acht Prozent mehr Gehalt gefordet.
Foto: Foto: dpa

Sindelfingen. Arbeitgeber und IG Metall haben sich auf einen neuen Tarifvertrag in der Metall- und Elektroindustrie geeinigt und damit in letzter Minute Streiks in der wichtigsten deutschen Branche abgewendet. Nach einem fast 23-stündigen Verhandlungsmarathon vereinbarten beide Seiten in Sindelfingen eine zweistufige Entgelterhöhung von insgesamt 4,2 Prozent, Einmalzahlungen sowie die Möglichkeit für Sonderregelungen in den Betrieben. Unmittelbar nach der Einigung im Tarif-Pilotbezirk Baden- Württemberg schloss Südwestmetall-Chef und Verhandlungsführer Stefan Roell einen Arbeitsplatzabbau in der Branche nicht aus.

In der vergangenen Woche hatten sich 550000 Beschäftigte an bundesweiten Warnstreiks beteiligt und den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Die IG Metall hatte ursprünglich 8 Prozent mehr Geld gefordert, die Gegenseite bot 2,1 Prozent plus Einmalzahlungen. Mit der Einigung konnte der erste Streik in der deutschen Schlüsselindustrie seit sechs Jahren im letzten Moment noch abgewendet werden.

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser empfahl den Arbeitgebern die Übernahme des Kompromisses. "Die Tarifparteien haben bewiesen, dass sie auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig sind. Wir werden empfehlen, die Einigung in allen Bezirken zu übernehmen", sagte Kannegiesser nach der hart umkämpften Einigung. Der IG Metall- Vorsitzende Berthold Huber betonte ebenfalls: "Natürlich werden auch wir empfehlen, die Einigung in allen Bezirken zu übernehmen."

Seit der Wiedervereinigung sind sieben der zwölf Abschlüsse für die Branche im Südwesten verabredet worden. Die Metall- und Elektroindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben des Verbands Gesamtmetall erwirtschafteten die knapp 23000 Betriebe 2007 einen Umsatz von zusammen fast 950 Milliarden Euro.

Die Beschäftigten im Südwesten erhalten nun vom 1. Februar 2009 an 2,1 Prozent mehr Geld. Die volle Erhöhung der Entgelte von 4,2 Prozent soll von Mai an gelten. Allerdings kann dieser Schritt auf betrieblicher Ebene - je nach der wirtschaftlichen Situation in den Betrieben - um bis zu sieben Monate bis Dezember aufgeschoben werden. Für November 2008 bis Januar 2009 wird zudem eine Einmalzahlung von insgesamt 510 Euro gezahlt. Im September 2009 soll es nach Angaben der Arbeitgeber eine weitere Zahlung von 122 Euro geben - aus betriebswirtschaftlichen Gründen kann diese aber auch gestrichen werden.

Die Laufzeit des Tarifvertrages beträgt 18 Monate bis zum April 2010. Zudem wurde für die Monate von Januar bis April 2010 ein Volumen von 1,6 Prozent vereinbart, das allein für die Finanzierung der Altersteilzeit verwendet werden soll. Für das Kernjahr 2009 bedeutet der Abschluss laut Gesamtmetall-Chef Kannegiesser 2,9 Prozent Mehrkosten, für Betriebe, die die zeitliche Verschiebung der zweiten Erhöhungsstufe wahrnehmen, nur 1,4 Prozent. Südwestmetall- Chef Roell sagte, dass die Verhandlungen sehr schwierig gewesen seien. Da ein Prozent Erhöhung allein für Baden-Württemberg 200 Millionen Euro mehr an Lohnkosten bedeutet, habe man sorgfältig verhandeln müssen. "Da kann man nicht huddeln."

"Dieser Tag ist ein guter Tag für die Metall- und Elektroindustrie", zeigte sich Roell aber froh, dass inmitten einer drohenden Rezession der erste Arbeitskampf seit 2002 vermieden werden konnte. IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann betonte: "Das Ergebnis ist geprägt von dem Wollen beider Seiten, einen Arbeitskampf abzuwehren."

Die Arbeitgeber argumentierten im Vorfeld des "Showdown von Sindelfingen", dass die derzeitige Krise besonders in der Automobilbranche einen hohen Abschluss verbiete und letztlich Arbeitsplätze stark gefährden würde. Die IG Metall verweist darauf, dass besonders die Maschinenbauer noch volle Auftragsbücher haben.

Die am Dienstagnachmittag gestartete Tarifverhandlungen gestalteten sich áufgrund der sehr weit auseinanderliegenden Positionen als langandauernde Zitterpartie. Die Gewerkschaft war mit einer Forderung nach acht Prozent in die Tarifverhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche ursprünglich 2,1 Prozent mehr Einkommen für 2009 und Einmalzahlungen für 2008 angeboten. (dpa)

Datum:  12 | 11 | 2008
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