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Metall-Abschluss: Alle zufrieden, keiner glücklich

Die Tarifparteien sprechen von einer moderaten Einigung in historisch schwierigen Zeiten.

Freude über erfolgreiche Verhandlungen sieht anders aus.
Freude über erfolgreiche Verhandlungen sieht anders aus.
Foto: ap

Die wichtigste Tarifrunde der Republik ist beendet. IG Metall und Arbeitgeberverband Südwestmetall einigten sich bei den Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg am Mittwoch in Sindelfingen auf eine Entgelterhöhung von 4,2 Prozent, Einmalzahlungen sowie die Möglichkeit für Sonderregelungen auf betrieblicher Ebene.

Demnach erhalten die rund 800 000 Metaller in Baden-Württemberg vom 1. Februar an 2,1 Prozent mehr Geld. Die volle Erhöhung der Entgelte von 4,2 Prozent soll von Mai an gelten. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 510 Euro für die Monate November 2008 bis Januar 2009 sowie weitere Einmalzahlungen für Mai bis Dezember 2009 in Höhe von 0,4 Prozent eines Monatsgehalts. Nach Berechnungen des Gesamtmetall-Volkswirts Michael Stahl steigt damit der Lohn im Schnitt um 4,1 Prozent. Die Vertrag läuft 18 Monate bis April 2010. Nach Angaben der Arbeitgeber wurde für die Monate Januar bis April 2010 ein Volumen von 1,6 Prozent vereinbart, das aber nur für die Finanzierung der Altersteilzeit verwendet werden soll.

Gehalt

Die Löhne in der Branche sind weit gestreut, von 2000 Euro Einstiegsgehalt für einen Facharbeiter bis 6000 Euro für einen Ingenieur. Im Schnitt liegt der Monatslohn bei 3400 Euro brutto.

Der vereinbarte Anstieg beträgt 147 Euro pro Monat, gemessen am Durchschnittslohn. Dabei ist berücksichtigt: Einmalzahlung von 510 Euro, 2,1 Prozent mehr Lohn ab Februar und weitere 2,1 Prozent mehr ab Mai sowie 0,4 Prozent extra von Mai bis Dezember.

Alles wurde über 18 Monate verteilt. Deutlich niedriger fällt der Anstieg aus, wenn ein Unternehmen die zweite Erhöhung von 2,1 Prozent um sieben Monate verschiebt. Dann gibt es pro Monat nur 118 Euro mehr.

Die Gewerkschaft hatte acht Prozent mehr Geld gefordert - so viel wie seit 16 Jahren nicht mehr. Die Arbeitgeber hatten 2,1 Prozent für das kommende Jahr sowie eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent angeboten.

Baden-Württembergs IG-Metall-Chef Jörg Hofmann war zufrieden. Für die Beschäftigten bringe der Abschluss "schöne aber auch kritische Seiten" mit sich. So soll etwa der Beginn der zweiten Erhöhungsstufe betriebsbedingt bis zu sieben Monate verschoben werden und die Einmalzahlungen für Mai bis Dezember 2009 komplett entfallen können. Damit kommt die Gewerkschaft den Arbeitgebern in der unsicheren konjunkturellen Lage entgegen.

Jan Stefan Roell, Südwestmetall-Chef, sprach von einem "guten Tag". Den Tarifparteien sei es gelungen, einen "schwierigen Konflikt" zu lösen. Den Abbau von Arbeitsplätzen wollte er aber nicht ausschließen.

IG-Metall-Chef Berthold Huber und Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sprachen von einem Kompromiss, der "keine Euphorie" auslöse, aber eine angemessene Beteiligung der Beschäftigten an der wirtschaftlichen Entwicklung ermögliche. Huber sagte, "wir haben ein ordentliches Ergebnis in einer historisch schwierigen Lage erzielt". Auch mit einem Arbeitskampf wäre kein "signifikant besseres Ergebnis" erzielt worden. Kannegiesser sagte, das Ergebnis zeige, dass die Tarifparteien "auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig sind". Beide Seiten empfahlen die Übernahme des Kompromisses in allen Bezirken. Bundesweit sind rund 3,6 Millionen Menschen in der Metallbranche beschäftigt.

Im IG Metall-Bezirk Frankfurt - zuständig für Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen - berieten die Tarifkommissionen bereits gestern über den Abschluss. Bezirksleiter Armin Schild sagte vor der Sitzung in Mörfelden-Walldorf bei Frankfurt, es sei "ein Ergebnis, das die IG Metall mit gutem Gewissen unterzeichnen kann". Der Abschluss enthalte eine Reallohnsicherung und habe "die Demütigung, die einige Arbeitgeber mit den Arbeitnehmern vorhatten, verhindert".

Peter Scherrer vom Europäischen Metallgewerkschaftsbund nannte den Kompromiss vernünftig, weil angesichts der Flaute in der Autoindustrie ein Streik schwierig geworden wäre. In Österreich haben die Tarifparteien kürzlich bis 3,9 Prozent mehr Geld fürs nächste Jahr vereinbart, plus eine erfolgsabhängige Einmalzahlung. Dort wird eine relativ hohe Inflation von 3,4 Prozent erwartet. In den Niederlanden gebe es in den nächsten beiden Jahren ein Plus von 3,5 Prozent pro anno, sagte der Vize-Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes, Rainer Hofmann.

Er sieht zurzeit keine Gefahr, dass in der EU ein Wettbewerb um die niedrigsten Einkommen beginnt. Die europäischen Gewerkschaften haben 1996 vereinbart, dass sich die Lohnzuschläge an der Inflation und dem Produktivitätszuwachs orientieren sollte.

Bereits vor der Metall-Einigung konstatierte der Sachverständigenrat in seinem Gutachten ein "Ende der Lohnzurückhaltung". In den jüngsten Tarifrunden sei eine Beschleunigung des Anstiegs der Tariflöhne zu beobachten. Nachdem die Tarifverdienste je Arbeitsstunde in den letzten vier Jahren zwischen jährlich 1,0 und 1,2 Prozent zugenommen hätten, "fiel der Zuwachs in dieser Tarifrunde mehr als doppelt so hoch aus und belief sich auf 2,5 Prozent".

Autor:  A.SCHÜDDEMAGE, E. ROTH UND R. BUNZENTHAL
Datum:  13 | 11 | 2008
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