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Metro: Weg vom integrierten Konzern

Metro-Chef Eckhard Cordes plant nicht weniger als eine Komplettoperation beim Handelsriesen. Und die soll weltweit 15.000 der rund 300.000 Arbeitsplätze kosten. Von Frank-Thomas Wenzel

Hier sollen demnächst weniger Beschäftigte durchgehen.
Hier sollen demnächst weniger Beschäftigte durchgehen.
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Frankfurt a.M. Metro-Chef Eckhard Cordes plant nicht weniger als eine Komplettoperation beim Handelsriesen. Und die soll weltweit 15.000 der rund 300.000 Arbeitsplätze kosten.

"Das Unternehmen wird in entscheidenden Teilen vom Kopf auf die Füße gestellt", sagt Cordes. Das Management beteuert, dass die Streichungen "soweit wie möglich durch natürliche Fluktuation" erreicht werden sollen.

Metro

Die Metro-Gruppe mit den Vertriebslinien Metro/Makro Cash & Carry, Real SB-Warenhäuser, Media Markt und Saturn sowie Galeria Kaufhof Warenhäuser erzielte mit rund 300.000 Beschäftigten in 32 Ländern im vergangenen Jahr einen Umsatz von 68 Milliarden Euro.

Das bereits angekündigte Kappen von 4000 Jobs bei der Supermarktkette Real und den Metro-Cash & Carry-Großhandelsmärkten ist in den 15 000 Stellen enthalten.

Wie viele Beschäftigte in Deutschland davon betroffen sind, war zunächst nicht klar. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) wurde vom Sparprogramm des Konzernchefs kalt erwischt: "Eigentlich kann man so etwas nicht am Aufsichtsrat vorbei verkünden", sagte eine Sprecherin. Der Vorstand habe die Arbeitnehmervertreter bislang nicht über einen Stellenabbau in dieser Größenordnung informiert.

Zudem würden damit falsche Prioritäten gesetzt. "Statt Stellenabbau sollten Qualität und Service an oberster Stelle stehen", forderte die Gewerkschaftssprecherin. Damit könnten Stellen gesichert werden.

Doch die Familie Haniel, die Metro kontrolliert, hat bei Cordes offensichtlich Druck gemacht, den Konzern auf Rendite zu trimmen - zur Gruppe gehören auch die Kaufhof-Warenhäuser sowie die Elektronikhändler Saturn und Media Markt. Das Unternehmen macht mehr als 60 Prozent des Umsatzes im Ausland.

Cordes' Umbauplan lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: weg vom integrierten Konzern hin zu einer Art Holdingstruktur. Bislang wurde zahlreiche zentrale Aufgaben, die wichtigsten sind der Einkauf und die Logistik, zentral für alle Sparten erledigt - das kann Effizienz bringen, doch dieses Konzept spielt in den aktuellen Plänen keine Rolle mehr. Denn künftig sollen die vier Vertriebslinien (Cash&Carry, Kaufhof, Real, Saturn/Media Markt) alles auf eigene Faust machen. Cordes verspricht sich davon "mehr Markt- und Kundennähe".

Gleichzeitig will er in der Zentrale das Controlling ausbauen und die Sparten über Renditevorgaben an der kurzen Leine halten. Alles, was den Anforderungen nicht genüge, "werde restrukturiert oder abgegeben". Der Umbau soll in drei Jahren abgeschlossen sein und die Kosten um 1,5 Milliarden Euro drücken. Konzerne wie Siemens oder Bertelsmann arbeiten mit ähnlichen Strukturen.

Metro leidet unter der schwindenden Konsumnachfrage - insbesondere das zuletzt stark ausgebaute Osteuropa-Geschäft bekommt dies zu spüren. Auch in Spanien und Italien gab es massive Einbußen. Dennoch kommt der Umbauplan für viele Branchenkenner überraschend, da Metro im Vergleich zu Konkurrenten noch relativ gut dasteht.

Im Geschäftsjahr 2008 stieg der Umsatz nach vorläufigen und nicht testierten Zahlen um 5,9 Prozent auf 68 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern ist nach Angaben des Unternehmens ebenfalls um rund sechs Prozent geklettert.

Für Cordes geht es mit seinem Sparprogramm auch darum, die Gruppe "wetterfest zu machen". Das bedeutet, er rechnet offenbar damit, dass sich die Konsumkrise in diesem Jahr verschärfen wird. Der Vorstand hatte schon vor Wochen Investitionen gekappt.

An der Börse gab es Applaus für den Plan von Cordes. Das Metro-Papier legte zeitweise mehr als acht Prozent zu und setzte sich damit an die Spitze der Dax-Werte - dabei muss man allerdings bedenken, dass sich der Wert der Aktie in den vergangenen zwölf Monaten mehr als halbiert hat.

Autor:  FRANK-THOMAS WENZEL
Datum:  20 | 1 | 2009
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