Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat auch eine. Faironika, die schwarz-rot-goldene Kuh, das Symbol für einen gerechten Milchpreis, steht auf dem Sideboard im Berliner Ministerbüro, gleich links neben den "kleinen gelben Pferden" von Franz Marc. Wo sie denn die Kuh herhabe, fragt der Reporter. Ob sie Faironika vom Chef des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, persönlich überreicht bekommen habe? Oh, das wisse sie nicht mehr so genau, schließlich habe sie, obwohl erst seit Oktober im Amt, bereits "einige" Faironikas von den Milchbauern bekommen.
Gleichwie: Im Ministerbüro jedenfalls ist Faironika schon wegen der drallen Deutschland-Farben nicht zu übersehen, und sie ist bei allen (milch-)politischen Entscheidungen der Ministerin präsent.
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Faironika ist keine deutsche Erfindung
Faironika ist überall mit dabei: In diesen Tagen natürlich auch auf der Milch-Demo und Hungeraktion der 300 Milchbäuerinnen vor dem Kanzleramt in Berlin. "Die faire Milch" steht in dicken Lettern auf dem lebensgroßen Plastikkörper, und an das linke Horn hat eine Bäuerin das Schild gehängt: "Milchbäuerin sucht Melker für Gotteslohn." Ob sie den bekommen wird?
Faironika ist keine deutsche, sondern eine österreichische Erfindung. Dort hatte die IG Milch, der Alpenableger des BDM, Faironika ins Lebens geholt, um ein vorzeigbares und zugleich mobiles Zeichen für den Kampf um bessere Milchpreise zu haben.
In Frankreich heißt die Symbolkuh "Justine"
Inzwischen hat die Botschafterin Faironika Europa erobert. Wo immer Bauern mehr Milchgeld brauchen, begleitet die Kuh die Demos und Kundgebungen der im European Milk Board organisierten Landwirte, meistens unter ihrem deutschen Namen, oft aber auch unter einem anderen, der aber immer die Forderung symbolisch wiedergibt. So nennt der italienische Agricoltore seine Faironika dann Onestina, etwa: die Ehrliche, die Rechtschaffende, und in Frankreich, selbstredend in die Farben der Trikolore getaucht, sagt der Paysan zur ihr Justine, also: die Gerechte.
Auftritt auf You Tube
Längst ist Faironika vom bloßen politischen Symbol zum Marketingartikel mutiert. Im Webshop des BDM kann man sie in allerlei Größen und Formen erwerben. Faironika gibt es als Schlüsselanhänger für 15 Euro oder als waschbares Plüschtier für 38 Euro. Die kleine Plastikfigur, wie sie bei Aigner im Büro steht ("Kuh klein, 0,7 m x 0,45 m") und wie sie bereits 2460 Male verkauft oder verschenkt wurde, kostet 60 bis 108 Euro, je nachdem, ob ein Mitglied oder "nur" ein Sympathisant Faironika ersteht. Die lebensgroße Figur ist übrigens ab 500 Euro zu haben. 682 Faironikas dieses Typs von Weideformat stehen irgendwo in Deutschland. Eine davon bei den Berchtesgadener Milchwerken: Die Molkerei hatte sich Faironika buchstäblich verdient, als sie gleich nach dem Streik vor einem Jahr den Milchpreis von 40 auf 43 Cent anhob. Lang ist es her. Der Preis hat sich bundesweit inzwischen mehr als halbiert.
Dennoch geben die Milchbauern nicht auf. Bei You Tube, wo eine lebende, schwarz-rot-goldene Faironika auf einer Allgäuer Wiese grast, wird in das Video eine Rede von Schaber eingeblendet: "Wir haben die Milch in der Hand", spricht der Chef der Bäuerinnen und Bauern etwas düster ins Mikrophon, "die alle jeden Tag brauchen und jeden Tag wollen".
Faironika bei Youtube:
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