Eine Studie bringt Erschreckendes zutage: In Deutschland erhalten viele Beschäftigte extrem niedrige Einkommen.
Die Kluft beim Durchschnittsslohn
Die Kluft beim Durchschnittsslohn
Bergmann heißt es, nicht Bergfrau. Bis heute sind nur wenig Frauen im Bergbau tätig. Dabei werden sie einigermaßen gleich gut bezahlt. Frauen verdienen hier nur drei Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.
Foto: dpa
Im verarbeitenden Gewerbe sieht es wesentlich schlechter aus für Frauen. Hier verdienen sie 29 Prozent weniger als Männer.
Foto: dpa
In der Energiewirtschaft bekommen Männer 21 Prozent mehr Lohn.
Foto: dpa
Auch bei den Stadtwerken, die für die Wasserversorgung und die Abfall- und Abwasserversorgung zuständig sind, arbeiten klassischerweise Männer - und verdienen 9 Prozent mehr als Frauen.
Foto: dpa
Im Baugewerbe sieht es ähnlich aus. Hier liegt die Kluft im Durchschnittslohn zwischen Männern und Frauen bei 14 Prozent.
Foto: dpa
Automechaniker oder Autohändler - auch klassische Männerberufe. Wenn sich Frauen dennoch in diese Branche wagen, verdienen sie sogar ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen.
Foto: dpa
Im Verkehr und der Lagerei sind es nur sieben Prozent.
Foto: dpa
In der Gastronomie hingegen sind vorwiegend Frauen beschäftigt. Trotzdem verdienen die wenigen Männer hier 13 Prozent mehr.
Foto: dpa
Im Bereich Information und Kommunikation klafft die Lücke zwischen dem Durchschnittsverdienst von Männer und Frauen extrem auseinander: Frauen verdienen hier 29 Prozent weniger als Männer.
Foto: dpa
Auch in der Finanz- und Versicherungsbranche ist die Kluft sehr groß. Hier sind Frauen in der Minderheit, nur wenige an der Spitze und durchschnittlich verdienen sie 29 Prozent weniger als die Männer.
Foto: dpa
Im Grundstrücks- und Wohnungswesen liegt der Unterschied bei 21 Prozent.
Foto: dpa
Der größte Unterschied in der Bezahlung zeigt sich aber hier: Die Erbringung von freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistung bringt Frauen 34 Prozent weniger Lohn.
Foto: dpa
Bei sonstigen wirtschaftlichen Diensleistungen liegt der Unterschied in der Bezahlung bei 16 Prozent.
Foto: dpa
Lehrerin und Erzieherin hingegen sind klassische Frauenberufe. Trotzdem werden Frauen in diesem Bereich 16 Prozent schlechter bezahlt als Männer.
Foto: dpa
Pflegen und helfen können Frauen besser, so lautet das Klischee. Trotzdem verdienen Frauen im Gesundheits- und Sozialwesen 24 knapp ein Viertel weniger als Männer.
Foto: dpa
In der Kunst- und Unterhaltungsbranche verdienen Frauen sogar 31 Prozent weniger.
Foto: dpa
Bei der Erbringung von sonstigen Diensteislungen verdienen Frauen 28 Prozent weniger.
Foto: dpa
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger als Männer. Die EU will Unternehmen nun zwingen, diese Ungerechtigkeit zu beenden. Wir zeigen wo die Kluft am größten ist.
Foto:
dpa
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Wirtschaft
In Deutschland erhalten viele Menschen extrem niedrige Einkommen, die in anderen europäischen Ländern nicht erlaubt wären. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Uni Duisburg-Essen, die dieser Zeitung vorliegt.
Demnach verdienen mehr als zwei Millionen Menschen weniger als sechs Euro pro Stunde – brutto. In Ostdeutschland sind solche Niedrigstlöhne besonders weit verbreitet: Fast 13 Prozent der Beschäftigten erhielten im Jahr 2008 weniger als sechs Euro. Im Westen waren es 5,4 Prozent.
„Das Lohnspektrum in Deutschland franst zunehmend nach unten aus“, betonen die IAQ-Forscher Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina. Sie nennen in ihrer Studie folgendes Beispiel: Rund 830000 Menschen erhielten 2008 weniger als ein Drittel des mittleren Einkommens. In Westdeutschland entsprach dies einem Stundenlohn von weniger als 4,75 Euro pro Stunde, im Osten von weniger als 3,42 Euro. Die Zahl der Beschäftigten mit solchen Mini-Einkommen hat sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt.
Derart niedrige Einkünfte sind in anderen europäischen Ländern nicht erlaubt, sagte Weinkopf der Frankfurter Rundschau. Dort würden gesetzliche Mindestlöhne oder eine hohe Tarifbindung die Beschäftigten schützen. Für die Volkswirtin sind die neuen Daten ein weiterer Beleg, dass auch in Deutschland eine Lohnuntergrenze dringend nötig sei.
Faktenblatt zu Hartz I bis IV
Bildergalerie ( 7 Bilder )
Faktenblatt zu Hartz I bis IV
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Wirtschaft
Die Forscher haben sich nicht nur angeschaut, wie weit die Einkünfte hierzulande nach unten gehen, sie haben vielmehr den gesamten Niedriglohnsektor in den Blick genommen. Demnach sind insgesamt 6,55 Millionen Menschen in Deutschland Geringverdiener. Im Westen bedeutet dies: Sie erhalten weniger als 9,50 Euro pro Stunde. Im Osten liegt die Schwelle bei 6,87 Euro. Knapp 21 Prozent aller Beschäftigten sind demnach Geringverdiener – ihr Anteil stagniert seit einigen Jahren auf diesem hohen Niveau.
Wer glaubt, dabei handle es sich meist um Unqualifizierte, irrt. Fast 80 Prozent der Niedriglöhner haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss.