Was hat der Tod einer Näherin in Bangladesch mit der Versalzung deutscher Flüsse, was haben die Baupläne für ein Atomkraftwerk in Bulgarien mit den Folgen der Apartheid in Südafrika oder den Steueroasen in der Karibik gemeinsam? Antwort: Dies alles sind Themen auf Hauptversammlungen (HV) großer deutscher Konzerne, bei denen es um die ökologische oder soziale Verantwortung der Manager geht.
Markus Dufner muss sich in der Hauptversammlung der Commerzbank wohl in eine lange Schlange von Kleinaktionären einreihen, die Kritik an der Geschäftspolitik des Vorstandes und insbesondere an der teuren Übernahme der Dresdner Bank üben wollen.
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Und dennoch nimmt er für sich in Anspruch, im Namen der "Kritischen Aktionäre" zu sprechen. Dufner ist Geschäftsführer ihres Dachverbandes in Köln. Getragen wird dieser von insgesamt 29 Entwicklungs-, Umwelt- und Sozialorganisationen, die sich alle des Mittels der Statements bedienen, um ethisches Verhalten von den Vorständen anzumahnen.
Rund 5000 Anleger haben mittlerweile ihre Stimmrechte auf den Dachverband übertragen. Inzwischen überlegen die Kirchen, ob ihr in Aktien angelegtes Pensionsfonds-Geld nicht auch auf diese Weise Nutzen stiften sollte.
Zwar sprechen Dufner und seine Mitstreiter auch bilanzielle oder geschäftspolitische Dinge an, jedoch stets in Verbindung mit ökologischen, gewerkschaftlichen oder anderen gesellschaftlich relevanten Fragen. Bei der Commerzbank und elf Tage später in der Hauptversammlung der Deutschen Bank wollen die Kritiker etwa das Problem der Flucht vor dem Fiskus in Steueroasen thematisieren.
Die Kritischen Aktionäre haben eben ihre aktivste Woche in dieser HV-Saison hinter sich. Gesprochen haben die verschiedenen Experten und Aktivisten nicht nur bei der Commerzbank, sondern auch beim Handelskonzern Metro, beim Düngerproduzenten Kali & Salz, beim Autobauer BMW, beim Chemieriesen Bayer und beim Rüstungsunternehmen Rheinmetall. Unterstützt wurden sie dabei von Vereinen und Verbänden wie der "Bürgerinitiative Rettet die Werra" oder der Umweltorganisation BUND.
Waren früher die klassischen Kleinaktionäre die ersten, die die Kritiker kritisierten, erinnert sich Dufner, würden sie heute häufig Verständnis oder sogar Unterstützung bei ihnen finden. Gemeinsam fordern sie mehr Transparenz im Geschäftsgebaren. Empfindlich reagiere der "normale" Anleger aber, wenn es um die Ausschüttung gehe. "Wir wären auch mit etwas weniger Dividende zufrieden, wenn dafür mehr Rücklagen für langfristige Konzern-Aufgaben gebildet würden", so Dufner.
Die Informationen über Missstände im Betrieb erhält der Dachverband zunehmend von internen Angestellten, denen das Gewissen schlägt. Erfolg haben die erfahrenen Redner zwar nicht bei den Abstimmungen über ihre Gegenanträge, in denen am Ende meist dem Vorstand die Entlastung verweigert wird.
Dafür sorge aber die Öffentlichkeitswirkung der Reden für Druck. Dass die beiden führenden Banken sich aus der Finanzierung des umstrittenen Atomkraftwerkes Belene in Bulgarien zurückgezogen haben, führt Dufner nicht zuletzt auf das Drängen der unbequemen Eigner zurück.
Dufners Vorgänger, Henry Mathews, meinte einst: "Selbstverständlich haben wir nicht die Illusion, Abstimmungsmehrheiten erzielen zu können, aber wir stellen Öffentlichkeit für rücksichtslose Geschäftspraktiken her und setzen die Manager unter Druck."
Lesen Sie auf den nächsten Seiten, wie die Kritische Aktionäre BMW, Kali & Salz, Siemens, Thyssen-Krupp und die Commerzbank unter Druck setzen.