"Die eher konservative Konrad-Adenauer-Stiftung kommt zum Schluss: Deutschlands Mitte ist stabil. Das Gegenteil haben das als gewerkschaftsfreundlich geltende Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung(DIW) und der Bremer Soziologe Olaf Groh-Samberg ermittelt. Das Fazit ihrer für die Bertelsmann-Stiftung verfassten Studie: Die Mittelschicht schrumpfte in den vergangenen 15 Jahren von 63 auf 58 Prozent der Bevölkerung. Ein wesentlicher Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse liegt in der Definition der gesellschaftlichen Mitte. Die Bertelsmann-Studie fasst den Kreis eng: Wer über 70 bis 150Prozent des mittleren Einkommens verfügt, zählt dazu. Die Konrad-Adenauer-Stiftung nimmt 60 und 200 Prozent als Grenzen. Bei der weiten Definition gehören viele Menschen noch in die Mitte, die in der Bertelsmann-Stiftung bereits der Unterschicht zugerechnet werden. (...) Es hat nichts mit wissenschaftlicher Qualität, aber viel mit politischer Einstellung zu tun, welche Einkommensgrenzen man bei der Definition von Mittelschicht wählt", schreibt die Berliner Morgenpost.
Die Mittelschicht schrumpft, die Unterschicht wächst, die Oberschicht bleibt stabil. Zwischen 1997 und 2010 hat die Zahl mittlerer Einkommensbezieher um 5,5 Millionen abgenommen. Damit nahm der der Anteil jener, die zwischen 70 und 150 Prozent des mittleren verfügbaren Einkommens erhalten, von 65 auf 58 Prozent ab. Das haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Uni Bremen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zutage gefördert.
Die eigentlich dramatische Botschaft der Studie lautet aber anders: Die Chancen zum Aufstieg werden immer schlechter. Geringverdiener, die weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens beziehen, vermögen es nur selten, ihre Einkünfte zu steigern. 70 Prozent der unteren Einkommensbezieher – zu denen viele Junge zählen − finden sich auch drei Jahre später noch in der gleichen Einkommenskategorie wieder. Im Jahr 2000 hatte der Anteil noch 67 Prozent betragen.
Im gleichen Zeitraum hat sich das Risiko, die hohe Einkommensschicht wieder zu verlassen, gegenüber 2000 von 34 auf 26 Prozent verringert. Deutschland entwickelt sich also mit Blick auf die Einkommen zu einem Ständestaat, in dem die Gutverdiener bleiben, was sie sind, und ebenso die schlecht Verdienenden. Gleichzeitig gerät die breite Mittelschicht, laut Studie der wesentliche Träger wohlfahrtsstaatlichen Fortschritts, seit Ende des Weltkriegs zunehmend in einen Abstiegsstrudel.
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Eine solche Entwicklung bringt die Legitimation demokratisch verfasster Marktwirtschaften von zwei Seiten in Bedrängnis. Menschen, die ihren Lebensstandard trotz großer persönlicher Anstrengungen gefährdet sehen, können sich von etablierten Parteien und den wesentlichen Funktionsprinzipien moderner Demokratien abwenden. Welch unschöne Ausprägung solches erfährt, ist in Frankreich oder den Niederlanden zu beobachten, wo Politiker wie Jean-Marie Le Pen und Geert Wilders der Politik ihrer Länder einen Stempel aufzudrücken versuchen.
Auf der anderen Seite straft die offenbar geringe Chance zum Aufstieg der unteren und mittleren Schichten all jene Lügen, die von Leistung reden, die sie wieder lohnen müsse. Wer schafft und malocht, damit die Kinder es besser haben und studieren können, muss eine realistische Perspektive vorfinden, dass dies gelingen kann. Es handelt sich schließlich um das zentrale Versprechen der Republik, dass nicht Herkunft und Geld, sondern Talent und Leistung für den individuellen Erfolg maßgeblich sind.
Gesellschaftspolitische Reformen, die diese ehrgeizige Bezeichnung verdienen, dürfen sich mithin nicht in simpler Umverteilung ergehen. Viel wichtiger ist es, Aufstiegschancen systematisch zu erweitern: Es gilt, endlich in frühkindliche Förderung und Grundschulbildung viel mehr als bisher zu investieren, weil dort jeder Euro zu Chancengleichheit und Aufstiegsmöglichkeiten zehnfach mehr beiträgt als das Bafög es vermag. Auch die Wirtschaft muss dazu angehalten werden, soziale Mobilität nach oben zu ermöglichen. Quoten sind schließlich nicht nur für Frauen in Aufsichtsräten denkbar. Sondern auch für Aufsteiger.
Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.
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22% | Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen. |
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67% | Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht. |
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11% | Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend. |

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