Am Stand von Fujitsu versenken Mitarbeiter Smartphones in einem Aquarium. Nicht weit davon wird ein Gerät schrecklich malträtiert. Eine Eisenkugel knallt aus etwa 30 Zentimeter Höhe auf das Display. Das wiederholt sich alle 20 Sekunden. Die Tortur läuft ununterbrochen den ganzen Tag, ohne dass dem Gerät etwas anzumerken ist.
Fujitsu hat auf dem World Mobile Congress (WMC), der wichtigsten Mobilfunkmesse, eine Folterkammer eingerichtet, die dem Besucher eins vermitteln soll: „Die Geräte helfen bei einem sorgenfreieren Leben“, sagt ein Fujitsu-Mitarbeiter. Und dann beschwört er den Alptraum jedes Smartphone-Nutzers: Das Gerät fällt ins Klo. Man könne das Ultra Hi-Spec aber in aller Seelenruhe herausholen und weitertelefonieren. Staubdicht sei es übrigens auch.
Spielekonsolen verdrängt
Fujitsus Gerät ist typisch für den aktuellen Zustand der Mobilfunkbranche. Die Unternehmen suchen nach der Marktlücke, nach der Nische, die Umsätze bringt. Das wird immer schwerer. Beim WMC wird deutlich: Die Konkurrenz wächst. Der japanische Elektronikkonzern Panasonic versucht wieder im Mobilfunkmarkt Fuß zu fassen – mit dem Eluga, das ebenfalls wasser- und staubdicht ist. Oder schon mal was von Huawei gehört? Gut möglich, dass demnächst deutsche Nutzer mit dem Smartphone namens Ascend beglückt werden. Es ist nur acht 8,9 Millimeter dick, ein Handschmeichler, und in dem Gerät arbeiten Hochleistungskomponenten.
Es verfügt über vier Prozessorkerne (Quad Core). Das macht es möglich Online-Spiele mit anderen irgendwo in der Welt zu spielen. Am Huawei-Stand präsentiert eine Mitarbeiterin ein Samurai-Kampfspiel mit Schwertern, die messerscharf auf dem Display zu erkennen sind. Hochauflösende Qualität bei der Darstellung auf dem Bildschirm setzt sich bei den Smartphones der Spitzenklasse durch, ebenso wie der Dolby-Plus-Standard beim Sound.
Klar ist, was Huawei mit dem Ascend erreichen will: Die traditionellen Spielekonsolen werden zunehmend durch Gaming auf dem Smartphone verdrängt. In diesem Jahr werden sich viele ein neues Gerät zulegen. Das Smartphone setzt sich als Standard durch.
Die chinesische Huawei war bislang vor allem als Ausrüster für die Telekominfrastruktur aktiv. Doch der Konzern legt weltweit nun auch im Smartphone-Geschäft von Quartal zu Quartal kräftig zu. Wichtigster Faktor sei, so das Marktforschungsunternehmen Gartner, dass Huawei schaffe es, das Erlebnis beim Nutzen der Geräte zu steigern.
Nokia will wieder aufholen
Doch die Platzhirsche wollen ihre Positionen nicht kampflos preisgeben. Der finnische Nokia-Konzern, er verlor zuletzt massiv Marktanteile, will mit dem Lumia 610, wieder Boden gutmachen. Das Gerät kommt im zweiten Quartal und gehört mit einem Preis von etwa 225 Euro zu den preisgünstigen Smartphones. In dieser Preiskategorie sehen Marktforscher große Potenziale.
Und dann geistert in Barcelona natürlich eine ganz entscheidende Frage durch die Messehallen: Was macht Apple? Die Amerikaner glänzen bei der Messe in Katalonien wie immer durch Abwesenheit. Das iPhone legte im vierten Quartal noch einmal kräftig zu. Das Gerät setzt noch immer den Maßstab. Branchenkenner erwarten, dass im Juni ein neues iPhone mit verbesserter Kamera und mehr Prozessorleistung kommen könnte.
Ob es schon ein Quad-Core-Gerät wird? Vermutlich nicht. Doch in Barcelona ist Huawei mit den vier Kernen nicht allein. Sie kommen von LG oder auch von Fujitsu: Das Ultra Hi-Spec verfügt ebenfalls über Quad-Core-Technologie. Deshalb gibt es in der Folterkammer von Fujitsu auch eine Spielecke, wo Nutzer Rennspiele in HD ausprobieren können. Fujitsu gehört ebenfalls zu den Newcomern in Europa. Man wolle auf dem alten Kontinent Fuß fassen.
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