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Mobilfunkversteigerung: Kapazitäten verdoppelt

Die Frequenzblöcke, die die Bundesnetzagentur vergeben hat, machen mobiles Internet überall möglich. Schon bald wird es soweit sein. Von Frank-Thomas Wenzel

Alte und neue Türme: Mobilfunkantennen vor der Kölner Domspitze.
Alte und neue Türme: Mobilfunkantennen vor der Kölner Domspitze.
Foto: dpa

Die Geschehnisse in der ehemaligen Kaserne in Mainz-Gonsenheim lassen sich gar nicht hoch genug bewerten. Mit der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen können die vier Netzbetreiber (Telekom, Vodafone, O2, E-Plus) ihre Kapazitäten verdoppeln - das ist in etwa so, als gäbe es Baugenehmigungen, um auf einen Schlag das Autobahnnetz um 100 Prozent zu vergrößern.

Die 41 Frequenzblöcke, die die Bundesnetzagentur für insgesamt 4,4 Milliarden Euro vergeben hat, machen mobiles Internet überall möglich. Demnächst kann man ein Champions-League-Finale irgendwo im hintersten Winkel des Odenwalds oder des Spreewalds auf einem Handy zu gucken.

Wann es soweit sein wird? Friedrich Joussen, Chef von Vodafone, versprach immerhin: "Mitte 2011 werden wir ein Netz haben, das flächendeckend eine Übertragungsgeschwindigkeit von drei Megabit pro Sekunde schafft", sagte der Manager dieser Zeitung. Das ist etwas langsamer als die Datenrate eines Standard-DSL-Anschlusses. Auch die Telekom und O2 wollen mitziehen.

E-Plus ohne 800er-Frequenzen?

Die drei Firmen haben sich die sechs Frequenzblöcke im Bereich von 800 Megahertz untereinander aufgeteilt. Diese Lizenzen sind begehrt, weil hier mit wenig Masten große Reichweiten erreicht werden. Das ist wichtig, um auf dem Land die sogenannten weißen Flecken in der Breitbandversorgung verschwinden zu lassen.

Entsprechend hart wurde bei der Auktion um diese Frequenzblöcke gekämpft. Der günstigste 800er ging für 582 Millionen Euro weg, der teuerste aus den anderen, deutlich weniger attraktiven Spektren war für 103 Millionen zu haben. Und die Auktion lief so: E-Plus steigerte im 800er-Spektrum so lange mit, bis deren selbst gestecktes Limit erreicht war. Die drei anderen Mobilfunker legten noch was drauf, dann war die Versteigerung beendet. Die übrigen Frequenzen teilen sich die Vier mehr oder weniger schiedlich, friedlich untereinander auf.

E-Plus ohne 800er-Frequenzen? Thorsten Dirks, Chef der KPN-Tochter, versuchte gestern das Verlierer-Image weg zu argumentieren. "Wir wollten Spektrum im 800-Megahertz-Bereich ersteigern, aber nur wenn der Preis stimmt." Dafür habe man bei 1800 und 2000 Megahertz zugeschlagen. Dirks will jetzt mit diesen Kapazitäten schnell ausbauen. E-Plus kann damit vor allem Netze in städtischen Regionen kostengünstig aufrüsten und damit kurzfristig für metropolitane Nutzer von Smartphones attraktiver werden.

Doch viele Marktforscher sind sich einig: Langfristig sind die Anbieter erfolgreich, die flächendeckend große Bandbreiten bieten - mittels der 800er-Frequenzen. Das dürfte die beiden Branchenriesen Telekom und Vodafone begünstigen. Zwar müssen sich die die beiden Granden verpflichten, zuerst den aufwendigeren Ausbau in dünn besiedelten Gebieten anzugehen. Doch sie haben die finanzielle Potenz, das zügig umzusetzen. Und da sie auch in ländlichen Regionen über eine relativ große Kundenklientel verfügen, rentieren sich deren Investitionen schneller als bei O2.

Deshalb wird allenthalben schon gemutmaßt, dass die Telefònica-Tochter mit E-Plus kooperieren wird, um Lasten zu reduzieren. E-Plus käme so über die Hintertür doch noch im 800er-Spektrum zum Zuge. Aber Analysten befürchten, dass Anbieter, die sich Netze teilen müssen, am Markt deutlich weniger Schlagkraft als die großen Konkurrenten haben werden.

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  21 | 5 | 2010
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