Bei Ikea weiß man: Das eigene Heim ist der wichtigste Ort. Je kälter die Welt draußen wird, umso schöner soll es drinnen sein. Nun ist das Klima derzeit frostig. Die Euro-Krise verunsichert die Menschen. Und seit der Lehman-Pleite investieren die Leute ihr Geld lieber in die eigenen vier Wände. Davon profitieren Bauindustrie, Hausausstatter, Möbelhändler – und auch Ikea.
Im vergangenen Jahr hat das schwedische Möbelhaus den Konzern-Überschuss um zehn Prozent auf fast drei Milliarden Euro gesteigert, trotz oder wegen der Krise. Der Umsatz legte um sieben Prozent auf 24,7 Milliarden Euro zu. Deutschland bleibt mit 15 Prozent Anteil am Erlös wichtigster Einzelmarkt. Fast 3,7 Milliarden Euro brachten die 46 Möbelhäuser hierzulande ein; das ist ein Plus von fünf Prozent.
Höhere Rohstoffkosten
Vom Rückzug ins Eigenheim profitiert die gesamte Möbelbranche. 2011 habe jeder Deutsche im Schnitt 373 Euro für Einrichtungsgegenstände ausgegeben, sagt Elmar Duffner, Präsident des Verbands der Deutschen Möbelindustrie. So viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Damit seien die Bundesbürger nach wie vor „Europameister beim Möbelkauf“. Fürs laufende Jahr erwartet die Branche ein Wachstum von zwei Prozent. Getragen werde der Optimismus durch rege Bautätigkeit, steigenden privaten Konsum und mangelnde Anlagealternativen an den Finanzmärkten. Auch die Banken in Deutschland spüren den Trend, dass Konsumenten vermehrt Baukredite abrufen.
Zwar sind Schränke und Betten, Küchen und Tische gefragt. Zu schaffen aber machen der Möbelbranche jedoch steigende Kosten für Holz und Energie. Zudem tobt ein harter Preiskampf. Ikea ficht das nicht an, so scheint es.
Trotz höherer Kosten für Rohstoffe habe die Möbelkette im vergangenen Jahr die Preise im Schnitt um 2,6 Prozent gesenkt, sagte Firmenchef Mikael Ohlsson am Freitag. Damit stärke Ikea seine Position im Wettbewerb. Und die basiert auf folgendem Prinzip: Kunden müssen in den blau-gelben Häusern ihre Möbel selbst aus den Regalen wuchten und daheim montieren. Das spart Platz und Personal. Kostenvorteile haben die Schweden zudem durch steigende Stückzahlen beim Einkauf.
Im vergangen Jahr hat Ikea sieben neue Häuser eröffnet und rund 4000 neue Mitarbeiter eingestellt. Zurzeit sind in den weltweit 287 Märkten etwa 131.000 Männer und Frauen beschäftigt; rund 14.500 davon in Deutschland.
Im laufenden Geschäftsjahr will der Konzern elf weitere Möbelhäuser einrichten – zwei in China. Asien und Osteuropa sehen die Manager als Wachstumsmärkte. In China, Russland und Polen steige der Umsatz am stärksten. Rund drei Milliarden Euro will Ikea in diesem Jahr in Möbelhäuser, Fabriken und Handelszentren investieren, kündigte Vize-Präsident Soren Hansen an.
Das erste Möbelhaus wurde 1958 von Firmengründer Ingvar Kamprad im schwedischen Älmhult eröffnet. München war 1974 erster Standort in Deutschland. Seit 1998 bietet Ikea in China Möbel an und ist dort mit neun Möbelhäusern der Marktführer.
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