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23. August 2012

Möbelhersteller: Ikeas Köttbullar-Viertel

 Von Hannes Gamillscheg
Das Londoner Projekt Three Mills Wall River ist Ikeas erstes Stadtviertel. Es soll erst der Anfang sein. Foto: dpa

Ikea will künftig ganze Stadtteile bauen. In Deutschland ist der Konzern noch zögerlich. Die Ikea-City in Hamburg soll es vorerst nicht geben. So konkret sind die Pläne dann doch noch nicht.

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Kopenhagen –  

Seine ersten Kronen hat Ingvar Kamprad mit dem Verkauf von Streichhölzern verdient, da ging er noch nicht mal zur Schule. Mit 17 gründete er Ikea als Gemischtwarenvertrieb, aus dem ein weltumspannender Einrichtungskonzern wurde. Jetzt dreht das Unternehmen, in dem der inzwischen 86-jährige Kamprad immer noch die Fäden zieht, die Entwicklung nochmals weiter. Künftig will Ikea ganze Stadtteile bauen.

Wird es also Wohnviertel mit Billy-Regalen an den Wänden, Klippan-Sofas vor der Fernsehwand und Köttbullar in den Pfannen geben? Das ist nicht das Bild, das die Verantwortlichen der LandProp Holding zeichnen, wie sich die Immobilientochter der Ikea-Schwestergesellschaft Inter-Ikea nennt. Sie schwärmen von lebhaften Stadtteilen mit Wohnungen zu Preisen, die sich typische Ikea-Kunden leisten können. „Wir möchten die Neubauten ins Stadtleben integrieren und keinen Elitewohnraum schaffen. Wir produzieren nicht für Superreiche, sondern für die Mittelklasse“, so LandProp-Manager Harald Müller im Hamburger Abendblatt.

„Keine konkreten Pläne“

In Deutschland gebe es für derartige Träume noch „keine konkreten Pläne“, dementierte nun Inter-Ikeas Finanzsprecher Kristian Sjöholm eilig den Pressebericht, dass in Hamburg die erste deutsche Ikea-City entstehen solle. Dort war von der Suche nach einem zumindest fünf Hektar großen Grundstück die Rede gewesen. Doch so weit ist es nicht. Inter-Ikea habe „vielerlei Immobilienprojekte“, sagt Sjöholm, aber keine konkreten für die Hansestadt. Anders sieht dies in London aus. Dort wächst bereits „Strand East“, der Prototyp der Ikea-Stadt.

Die roten Doppeldecker fahren dort schon mit Reklameschildern für das Wohnbauprojekt durch die Metropole. In einem herabgekommenen Quartier in East London bei Stratford, nicht weit vom Olympiapark, hat Ikeas Immo-Division eine 10,5 Hektar große Baufläche erworben, auf der bis 2018 etwa 1.200 Wohnungen entstehen sollen, viele mit wenigstens drei Zimmern.

Um den Bedarf nach erschwinglichem Wohnraum in einer Stadt, in der die Immobilienpreise explodierten, zu decken, hat die britische Regierung die Regeln für die Stadtplanung vereinfacht. Dies nutzt Ikea, um in die Marktnische vorzudringen. 50.000 Quadratmeter Gewerbefläche sollen zur Finanzierung des Wohnbaus beitragen. Läden aller Art, Supermärkte, Restaurants, Galerien und ein Hotel sind geplant. Geparkt werden soll ausschließlich unterirdisch, die Ikea-Stadt ist „weitgehend autofrei“ angelegt, lokale Busse sollen umgeleitet werden, selbst an Wasser-Taxis ist gedacht.

Fertighäuser ein Flop

So ausgetüftelt sind die Pläne für Hamburg noch lange nicht. Dort gibt es keine Grundstücksuche, geschweige denn einen Bauantrag. Vielleicht ist man in der Konzernzentrale vorsichtig geworden, nachdem man für seine Fertigteilhäuser in Deutschland kaum Abnehmer fand. Es blieb bei sieben verkauften Häusern. Zu den Vorhaben von LandProp gehört auch der Bau von Hotels und Studentenwohnheimen, die Ikeas Schritt vom Möbelhaus zum Stadtplaner untermauern. Ab 2013 will man in ganz Europa zumindest 100 „Budget-Design-Hotels“ und Studentenheime bauen. Hierzulande sollen im übernächsten Jahr die ersten zwei Hotels eröffnet werden.

Einen Zwang, das neue Daheim mit Ikea-Stücken zu möblieren und schwedische Cuisine auf den Speiseplan zu setzen, wird es weder in den Studentenbuden noch in den Familienwohnungen der Ikea-Citys geben. „In Strand East ist nicht mal ein Ikea-Laden geplant“, betont Harald Müller. Wer sein Inventar in Kamprads Imperium erwerben möchte, muss weiterhin nach Wembley oder Tottenham fahren, wo die lokalen Möbelhäuser stehen. Dass die neuen Wohnungen allerdings mit Einbauküchen Marke Ikea ausgestattet sein werden, steht auf einem anderen Blatt, dem der Geschäftstüchtigkeit des Ikea-Gründers. Er ist schließlich nicht ohne Grund vom Streichholzverkäufer zum reichsten Europäer aufgestiegen. Kamprads Vermögen wird heute auf etwa 30 Milliarden Euro geschätzten.

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