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16. August 2012

Möbelmärkte Rhein-Main: Kampf der Möbel-Giganten

 Von Peter Dietz
Wie viel Kuschelbär darf ein Möbelhaus anbieten? Die Antwort ist bei der Standortfrage sehr entscheidend.  Foto: dpa

Die saarländische Unternehmensgruppe Möbel Martin eröffnet ein neues Haus in Mainz. Der Möbel-Gigant verschärft damit den Wettbewerb im Rhein-Main-Gebiet.

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Mainz –  

Und wieder ein Gigant mehr im Rhein-Main-Gebiet. Von Mainz aus wird nun auch Möbel Martin auf dem hartumkämpften Markt um Kunden buhlen – und damit Ikea, Segmüller, Mann Mobilia und Höffner Konkurrenz machen.

50 Millionen Euro hat die saarländische Gruppe in ihr achtes und größtes Haus investiert. Auf einer Verkaufsfläche von 45.000 Quadratmetern bietet Möbel Martin in Mainz nahezu alles rund ums Wohnen an. Etwa 350 Arbeitsplätze hat das Unternehmen in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt geschaffen.

Mit der Expansion in den Nordosten sind die Saarländer nun erstmals ins Rhein-Main-Gebiet vorgedrungen. Bisher hatte sich Möbel Martin auf die Region zwischen Saarbrücken und Kaiserslautern konzentriert. Nun also der Vorstoß in eine Region, in der die Verbraucher besonders kaufkräftig und die Arbeitnehmer besonders umzugsfreudig sind. Und weil die Klientel im Speckgürtel um Mainz, Wiesbaden und Frankfurt gut betucht ist, gibt es dort auch viele Möbelmärkte.

Einzelhändler fürchten Konkurrenz

Ikea etwa ist mit drei Häusern vor Ort; die Schweden sitzen in Frankfurt, in Hofheim und in Hanau. Auch Mann Mobilia hat drei Großmärkte im Rhein-Main-Gebiet – in Eschborn, Dreieich und Wiesbaden. Segmüller hat sich in Weiterstadt breitgemacht und will ein zweites großes Haus in Bad Vilbel eröffnen.

Angesichts der Dichte an Möbel-Märkten blicken die Einzelhändler kritisch in Richtung Mainz. Es gebe keinen Bedarf für ein weiteres Möbel-Haus dieser Größe, meint Michael Kullmann, Chef des Handelsverbands Mitte, der für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland zuständig ist. Der neue Anbieter werde die Konkurrenz unter den Großen nur zusätzlich anfachen; mittelfristig werde das zu einem Verdrängungswettbewerb führen, an dessen Ende nur zwei oder drei Anbieter übrig bleiben. Giganten wie Möbel Martin und Ikea zieht es auf die grüne Wiese. Denn dort sind die Immobilienpreise für Hallen- und Parkflächen viel, viel günstiger als in den engen Innenstädten. Und dort können die Kunden sperrige Güter wie Schränke und Sofas bequem ins Auto laden. Der großflächige Handel mit Möbeln ist nicht das Problem, meinen Regionalplaner. Gefährlich für das Leben benachbarter Innenstädte aber sei der Handel mit sogenannten Randsortimenten. Zwar lässt sich mit Küchen und Betten gut Geld verdienen. Richtig rentabel wird ein großes Möbelzentrum aber erst durch den Verkauf von Textilien und Geschirr, von Kerzen, Lampen und Geschenkartikeln.

Streit ums Sortiment

Solche Waren boten bisher vor allem kleine Fachhändler in den Innenstädten an. Die übermächtige Konkurrenz von Möbel Martin, Ikea, Mann Mobilia & Co indes bedrohe deren Existenz, fürchtet Verbandschef Kullmann. Denn die großen Möbel-Häuser zögen mit ihrem bunten Angebot viel Kaufkraft aus der City ab. Mit dem Sterben des Facheinzelhandels würden die Innenstädte veröden, mahnen Regionalplaner. Folge: Die Nahversorgung für ältere und kranke Menschen bräche weg.

Um das zu verhindern, gibt es in Hessen eine Beschränkung. Das Einzelhandelskonzept des Regionalverbands Frankfurt-Rhein-Main schreibt vor, dass Großmärkte auf höchstens 800 Quadratmetern ein Sortiment verkaufen dürfen, wie es auch in Innenstädten zu finden ist. An dieser Regel scheiterte zuletzt der Bau eines neuen Marktes von Segmüller. Denn der Möbelriese will in Bad Vilbel nur dann investieren, wenn er deutlich mehr als 800 Quadratmeter für sein Randsortiment genehmigt bekommt. Bisher blieben die Behörden aber stur.

Für Mainz gilt diese Vorschrift nicht. Und so hat Möbel Martin 4500 Quadratmeter – ein Zehntel der Gesamtfläche – für Waren wie Gläser, Geschirr und Leuchten reserviert. Sehr zum Ärger der hessischen Konkurrenz.

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