Ein mutiges Volk, diese Isländer! Zum zweiten Mal schon haben sie nun allen Sturmwarnungen getrotzt und ein Abkommen zur Schuldentilgung verworfen, das sie für ungerecht halten – ungeachtet der Unkenrufe, dass sie dies eine lange Periode der Ungewissheit, möglicherweise viel Geld und letztlich die EU-Mitgliedschaft kosten werde. Das ist demokratisch erfrischend.
Dass nicht die Steuerzahler für das Versagen der Banken und die Gier der von hohen Zinsen gelockten Kunden aufkommen sollen, sehen sicher viele Menschen in anderen Ländern ebenso. Doch sie werden nicht gefragt. Es ist das Verdienst des isländischen Präsidenten Grimsson, das Referendum erzwungen zu haben.
Aber: Leichter macht dieses mutige Votum das Leben der Isländer nicht. Gerade sah es so aus, als ginge es nach dem Finanzdebakel wieder aufwärts, mit rosigen Wachstumsprognosen. Doch diese sind von Neuinvestitionen abhängig. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es Geldgeber für ein Land gibt, das sich weigert, seine Schulden zu begleichen, und dessen EU-Ambitionen bestenfalls auf die lange Bank geschoben sind.
Im Vergleich zu dieser Unsicherheit wären die Kosten eines Ja zur Entschädigung der Icesave-Kunden niedrig gewesen: Der Besitzstand der Pleitebank reicht vermutlich aus, um die Schulden fast gänzlich abzudecken. Doch solch taktischen Erwägungen entzogen sich die Isländer. Wie es der Schriftsteller Einar Mar Gudmundsson formulierte: Ein Ja hätte bedeutet, ein Verbrechen zu gestehen, das man nicht begangen hat, um billiger davonzukommen.
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