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Fonds: Nachhaltig muss nicht öko sein

Ethische Kriterien werden bei der Geldanlage immer wichtiger. Noch führen Nachhaltigkeitsfonds allerdings ein Nischendasein. Es gibt aber gute Gründe dafür, warum sich das mittelfristig ändern sollte.


Foto: sascha jaeck

„Mit grünen Anlagen in die roten Zahlen.“ Schlagzeilen wie diese sind nicht gerade ermutigend für Anleger, die sich dafür interessieren, ihr Geld nachhaltig anzulegen. Und in der Tat konnte man beispielsweise mit erneuerbaren Energien im Aktienjahr 2010 nicht gerade punkten. Wer nun aber die gesamte Nachhaltigkeitsdiskussion verdammt, sitzt vor allen Dingen einem Definitionsfehler auf. Denn „Nachhaltigkeit“ ist mit „Öko“ nicht gleichzusetzen.

Wettbewerb der Konzepte

Der Katalog

Im April 2006 stellte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan die sechs „Principles of Responsible Investment“ vor. Seitdem haben mehr als 700 Institutionelle Anleger, also Banken, Fondsgesellschaften, Versicherer und Vermögensverwalter, diese Prinzipien unterschrieben.
Eine strenge Richtlinie für nachhaltiges Investieren ist damit allerdings nicht verbunden. Die Unterzeichner verpflichten sich lediglich, die aufgestellten Kriterien in ihre Entscheidungen einfließen zu lassen.
Sehr viel härter sind da die Kriterien der einzelnen Ratingagenturen und Index- anbieter, die sich dem Thema verschrieben haben. Einen einheitlichen Kriterienkatalog gibt es allerdings auch hier nicht. swo

Genau genommen gibt es keine allgemein-gültige Definition, was auch zu Kritik führt. „Es handelt sich hier um einen Wettbewerb von Konzepten“, sagt Paschen von Flotow vom in Oestrich-Winkel ansässigen Sustainable Business Institute. Viele Anbieter verfolgen das sogenannte „Best-in-Class“-Prinzip.

Die Fondsanbieter picken sich dabei Unternehmen heraus, die im Vergleich zur Konkurrenz besser dastehen. Dabei fließen Umwelt-, Sozial- und Unternehmensorganisationsfaktoren in die Kapitalmarktanalyse und letztendlich auch in die Anlageentscheidung mit ein. Als Grundlage gelten die sechs Prinzipien, die die Vereinten Nationen für verantwortliches Investieren aufgestellt haben.

Und die betreffen eben nicht nur Branchen, die dem Öko-Sektor zugerechnet werden. So hat die Agentur Oekom Research analysiert, „dass sich die Internet- und Software-Branche der Verantwortung für ihre Umwelt- und Sozialauswirkungen zunehmend bewusstzuwerden scheint“. Die ersten Plätze bei der aktuellen Studie belegen IBM, der indische Wipro-Konzern und SAP. Bei diesen Einschätzungen kommt es aber nicht nur auf Energieeffizienz an. „Die Unternehmen werden in Zukunft klarere Antworten auf die Frage nach dem Schutz der Privatsphäre im Internet finden müssen, um der steigenden Sensibilität der Kunden bei diesem Thema gerecht zu werden“, sagt Philipp Rühle von Oekom Research. Ein Grund, warum Unternehmen wie Google, Microsoft oder Yahoo eher die hinteren Plätze belegen. Auch in Sachen Energieeffizienz hält man sich lieber bedeckt. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass eine Google-Abfrage genauso viel Strom wie eine 40-Watt-Glühbirne in einer Viertelstunde verbraucht. Bestätigt ist das nicht.

Der weit gefasste Begriff hat den Vorteil, dass Anleger nachhaltige Investments tätigen können, ohne ihre wirtschaftlichen Interessen aus dem Auge zu verlieren. „Das Angebot nähert sich der Breite einer konventionellen Palette“, sagt von Flotow. Reine Aktienfonds, Mischfonds, auf einzelne Branchen oder Länder fokussierte Fonds und auch auf verschiedene Währungen laufende Produkte bilden ein wachsendes Angebot. Den Informationen des Sustainable Business Institute zufolge waren zum Ende des dritten Quartals 351 nachhaltige Publikumsfonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz zugelassen und damit 38 mehr als ein Jahr zuvor. Einen Überblick über das Angebot liefert unter anderem die Internetseite www.nachhaltiges-investment.org. Dort kann auch anhand der Statistiken überprüft werden, ob nachhaltiges Investieren ein Renditekiller ist.

Autor:  Stefan Wolff
Datum:  26 | 12 | 2010
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