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26. Juni 2013

Nachhaltige Mode: Der Preis des Billig-T-Shirts

 Von 
 Foto: picture-alliance / dpa

65 bis 70 Kleidungsstücke kauft der Durchschnittseuropäer pro Jahr - und freut sich, wenn''s schön billig ist. In den Herstellungsländern macht die Chemie Textilarbeiterinnen krank, der hohe Wasserverbrauch senkt die Pegel ganzer Seen und lässt Tierarten eingehen. Doch wer bietet tatsächlich nachhaltige Kleidung an - und wer tut nur so?

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Die billigen T-Shirts in den Filialen der Modeläden richten in den Herstellungsländern riesige Schäden an. Konsumenten, die dies nicht unterstützen wollen, haben es aber nicht leicht. Denn bei der Kennzeichnung von Öko- und Bio-Baumwolle herrscht ein unüberschaubares Durcheinander. Nach Ansicht des Beratungsbüros It Fits könnten die Missstände mit härteren Kennzeichnungspflichten zumindest verringert werden.

It Fits hat im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion umfassend die Produktionsbedingungen und Wertschöpfungsketten für Billig-Textilien analysiert. Die Bilanz fällt erschreckend aus. Der intensive Anbau von Baumwolle zerstöre massiv die Natur. Für ein einziges T-Shirt würden etwa 20.000 Liter Wasser verbraucht, heißt es in der Studie, die den Titel „Der Weg zu nachhaltiger Kleidung“ trägt und der Frankfurter Rundschau vorliegt. Das führte zum Beispiel dazu, dass der Pegel des Aralsees in Zentralasien vor allem durch den Baumwollanbau so weit gefallen ist, dass dort Fischerei nicht mehr möglich ist. Von einst 173 Tierarten sind dort noch 37 übrig.

Die Behandlung des Stoffs mit Chemikalien belastet Mensch und Umwelt. Erkrankungen bei Textilarbeiterinnen und Schadstoffe in Gewässern sind die Folge. Hinzu kommen schlimme Arbeitsbedingungen für die Näherinnen. Arbeitszeiten von 14 Stunden sind keine Seltenheit, und der Lohn reicht häufig nicht, um den Lebensunterhalt zu sichern.

Doch auch die Menschen in den reichen Ländern bekommen einiges von den fragwürdigen Produktionsmethoden in Schwellen- und Entwicklungsländern ab. Schwermetalle und Chemie werden mit den Produkten in die reichen Industrieländer transportiert. Unsere Waschmaschinen waschen sie aus den Stoffen heraus. So gelangt das Gift in die Flüsse und letztlich in die Nahrungskette. „Viele der eingesetzten Stoffe sind krebserregend, hormonell wirksam oder können Allergien bei den Trägerinnen führen“, heißt es in der Studie.

It Fits attackiert massiv die großen Textilkonzerne wie H&M oder Zara. Durch niedrige Preise und rasch wechselnde Kollektionen würden die Kunden zu einer Ex-und-Hopp-Mentalität erzogen. 2011 hätten die deutschen Verbraucher knapp sechs Milliarden Kleidungsstücke gekauft, der Durchschnittseuropäer erwarb 65 bis 70 Teile pro Jahr. Auf dem Müll lande zugleich jährlich eine Million Tonnen Textilien.
Daraus lässt sich relativ einfach eine Handlungsanweisung ableiten: Weniger Klamotten kaufen. Das fällt aber einerseits selbst vielen jungen Menschen mit Öko-Bewusstsein relativ schwer. Andererseits stellt sich die Frage, wo der sensible Verbraucher Bekleidung bekommt, die er guten Gewissens kaufen kann.

Öko-Kollektion gibt es viele. Doch wer bietet tatsächlich nachhaltige Kleidung an und wer tut nur so? Hier herrscht Wildwuchs. It Fits hat sage und schreibe 120 verschiedene Siegel gefunden, die weltweit um den umweltbewussten Käufer werben. Das Hauptproblem ist, dass es keine einheitliche Definition für „Öko“ und „Bio“ gibt.

Handelsketten gefordert

Viele Labels haben die Hersteller selbst erfunden, sie werden lediglich betriebsintern überprüft. Daneben gibt es unabhängige Standards, die von Zertifizierungsstellen überwacht werden. Doch auch hier bleibt einiges im Dunkeln. Etwa wenn es darum geht, wie konsequent die Standards in der Wertschöpfungskette durchgesetzt werden. Für It Fits ist dieses Chaos einer der Gründe dafür, dass Bio-Textilien bislang nur auf Marktanteile deutlich unter zehn Prozent kommen.

Aus Sicht der Experten ist deshalb klar, dass die großen Handelsketten offenlegen müssen, wo sie zu welchen Umwelt- und Sozialstandards produzieren. Wichtig sei auch, Weichmacher, Bleichmittel und Farbstoffe zu deklarieren. Nicole Maisch, verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, geht einen Schritt weiter. Sie fordert: „Deutsche und europäische Konzerne müssen für Menschenrechtsverletzungen ihrer Subunternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern haftbar gemacht werden können.“

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