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Nachhaltigkeit: Kinderarbeit für Hightech-Produkte

Die Elektronik unterm Weihnachtsbaum hat einen unsichtbaren zusätzlichen Preis: 54 Prozent der IT-Unternehmen nehmen Verletzungen der Arbeitsrechte wie Kinderarbeit in Kauf. So die Untersuchungsergebnisse der Ratingagentur Oekom.

        

Abraumhalde in der chinesischen Provinz Jiangxi – Ergebnis der Förderung von sogenannten Seltenen Erden. Diese werden in der IT-Branche benötigt.
Abraumhalde in der chinesischen Provinz Jiangxi – Ergebnis der Förderung von sogenannten Seltenen Erden. Diese werden in der IT-Branche benötigt.
Foto: imago
MÜNCHEN –  

Computer, Notebooks und Handys liegen häufig unter dem Weihnachtsbaum. Ökologisch oder sozial korrekt hergestellt sind diese Geschenk allerdings eher nicht. Das macht eine Studie der auf Nachhaltigkeit spezialisierten Ratingagentur Oekom Research in München deutlich. 205 IT-Konzerne aus aller Welt wurden unter die Lupe genommen. Gerade ein Viertel konnte sich für ein umfassendes Rating qualifizieren. Ganze 33 Firmen hat Oekom als vorbildlich eingestuft. Das Sündenregister der über Lieferketten vor allem in Asien produzierenden Branche ist lang. Vor allem die Verletzung von Arbeitsrechten ist gang und gäbe.

Rund 43 Prozent aller IT-Unternehmen weisen entlang ihrer Lieferkette einen Verstoß dagegen auf, hat Oekom-Analyst Philipp Rühle ermittelt. Damit liege der Anteil sogar über der für ihre schlechten Arbeitsrechtsbedingungen traditionell stark kritisierten Textilindustrie, die hier auf eine Quote von 30 Prozent kommt. Schwerwiegende Verletzungen der Arbeitsrechte wie Kinderarbeit oder Diskriminierung kämen immerhin bei jedem fünften der 54 im Detail untersuchten IT-Unternehmen vor. Der enorme Preisdruck fordere seinen Tribut, betont Rühle. Teils katastrophale Arbeitsbedingungen wie mangelhafte Gesundheitsvorkehrungen, viele Zwangsüberstunden oder Bezahlung unterhalb der Mindestlöhne sowie unzureichende Umweltstandards in den Zulieferbetrieben Chinas, Südostasiens oder Mexikos seien die Folge. Das trübe das vermeintlich saubere Image dieser Hightech-Branche.

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Es gebe aber auch positive Beispiele wie den japanischen Bürogerätehersteller und Ratingsieger Ricoh oder die dahinter folgenden US-Konzerne Intel und Motorola, stellt Oekom klar. Auf einer Skala von A+ bis D- haben Ricoh und Intel mit je B+ die beste Note erreicht. Motorola schaffte ein B, während der bei Verbrauchern heiß begehrte US-Konzern Apple sich mit C+ zufriedengeben musste. Beim Ratingaspekt Recycling lag Apple mit null von hundert möglichen Punkten sogar ganz am Ende.

Nicht unter die ökologisch gesehen vorbildhaften IT-Unternehmen schafften es die beiden deutschen Konzerne Infineon und Wincor Nixdorf. Der Chiphersteller wurde mit C- benotet, der Hersteller von Geldautomaten und Computerkassen mit D+. Letzteres ist auch die Durchschnittsnote aller analysierten IT-Unternehmen.

Lenovo als positive Ausnahme

Sieger Ricoh punktet mit dem niedrigen Energieverbrauch seiner Drucker und Kopierer sowie der weltweiten Rücknahme von Altgeräten. Zudem verwendet Ricoh oft recycelte Materialien, was in der oft von Wegwerfmentalität geprägten Branche eine Seltenheit ist. Der weltgrößte Chiphersteller Intel hat laut Oekom ein besonderes Augenmerk auf Zulieferer und auch der Handy-Hersteller Motorola prüfe vorbildhaft die Arbeitsstandards vor Ort.

Auch im viel gescholtenen Standort China ist nicht alles düster. So bescheinigt Oekom dem Computerhersteller Lenovo deutliche Fortschritte bei Nachhaltigkeit. Das Lenovo-Rating machte gegenüber der Erhebung zuvor einen Sprung von C auf B. Damit sei Lenovo eine positive Ausnahme in China, betont Oekom-Sprecher Rolf Häßler. Insgesamt kümmere sich die Branche mittlerweile um relevante Nachhaltigkeitsthemen. Die größten Fortschritte gebe es bei der Energieeffizienz der Produkte.

„Die Schwierigkeiten der großen Markenhersteller, ihre sozialen Mindeststandards in den Zulieferketten einzuhalten, können kaum von heute auf morgen gelöst werden“, fürchtet Rühle. Bis Verbraucher ein wirklich nachhaltiges IT-Produkt kaufen können, werde noch einige Zeit vergehen. Oft fehle aber auch die Nachfrage nach fairen oder grünen IT-Produkten, stellt Oekom klar.

Autor:  Thomas Magenheim
Datum:  23 | 12 | 2011
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