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23. Dezember 2015

Nachhaltigkeit: Umweltbewusste Anleger machen Kasse

 Von Antje Mathez
Der Walldorfer Softwarehersteller SAP trug besonders stark zur guten Entwicklung des GCX bei.  Foto: REUTERS

Der Nachhaltigkeitsindex GCX schlägt den Dax. Dollar-Stärke und Klima-Beschlüsse von Paris wirken positiv.

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Nachhaltige Geldanlage lohnt sich – und zwar nicht nur aus Gewissensgründen. Der Beweis: Der global Challenges Index der Börse Hannover (GCX), der täglich auf der Börsenseite der Frankfurter Rundschau zu finden ist, hat Anlegern trotz unruhiger Börsenzeiten in diesem Jahr viel Freude gemacht. Auf Jahressicht legte das Nachhaltigkeitsbarometer, das 50 internationale Aktien von besonders nachhaltig orientierten Unternehmen umfasst, 19,6 Prozent zu. Der Deutsche Aktienindex Dax schaffte im Vergleich dazu ein Plus von 16,6 Prozent. „Auch in diesem Jahr konnte der

Global Challenges Index viele Indizes hinter sich lassen“, sagt Sandra Reich, Geschäftsführerin der Börse Hannover. „Es zeigt sich einmal mehr, dass Nachhaltigkeit und Rendite einander nicht ausschließen.“

Windradhersteller top

Dabei hatte das Jahr durchaus Höhen und Tiefen. Steil bergauf ging es für den GCX zunächst im ersten Quartal. Die Geldschleusen der Zentralbanken waren weit geöffnet, die EZB begann mit ihrem Anleihekaufprogramm in Höhe von 60 Milliarden Euro monatlich. Unkalkulierbare Unsicherheiten, die Investoren stören konnten – Fehlanzeige. Nicht einmal die Griechenland-Krise trübte die Hochstimmung an den Märkten. Davon profitierte auch der GCX, der in diesem Zeitraum fast 15 Prozent zulegen konnte.

Zwischen Mai und Juli ließ die Stimmung an den Börsen etwas nach. Das prozentuale Wachstum in China verlangsamte sich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte – so schien es zunächst – nach den rasanten Zuwachsraten der vergangenen Jahre eine Verschnaufpause ein. Der Hunger auf Waren aus aller Welt ließ nach – und mit ihm die Nachfrage nach deutschen Automobilen. Die Kurseinbrüche am chinesischen Aktienmarkt und bei Automobilaktien schlugen sich auch in der Performance des GCX nieder. Ähnlich wie beim Dax ging es wochenlang ordentlich auf und ab.

Dann, im August, wurde klar: Die Bemühungen Pekings, die Kurseinbrüche abzufedern, misslangen. Die chinesische Zentralbank wertete die Landeswährung Renminbi innerhalb weniger Tage drei Mal ab, dem chinesischen Aktienmarkt ging die Puste aus. Verstärkt wurde das Ganze durch Konjunktursorgen in den USA. Nachdem die Federal Reserve bekanntgegeben hatte, die Leitzinsen noch nicht zu erhöhen, übernahmen die Pessimisten unter den Anlegern das Ruder. Rund 20 Prozent rauschten die Aktienmärkte in den Keller.

Was folgte, war ein nicht nur aus meteorologischer Sicht goldener Oktober: Nach der massiven Kurskorrektur stieg der Gesamtmarkt und mit ihm der GCX wieder stark an. Für den Höhenflug des Nachhaltigkeitsindex gibt es aber noch andere Gründe. Laut Thomas Hellener, Geschäftsführer von Prima-Fonds, einer Fondsgesellschaft, die mit dem „Prima-Global Challenges“ einen Fonds für Privatanleger anbietet, der den GCX fast eins zu eins abbildet und kürzlich vom Forum für Nachhaltige Geldanlagen (FNG) ausgezeichnet wurde, ist einer davon die Währungsentwicklung. Da rund 30 Prozent der Unternehmen im GCX aus den USA kommen, wirke sich die Dollar-Stärke auch auf den GCX aus. „Aus Sicht eines Euro-Anlegers hat das das positive Ergebnis verstärkt“, erklärt Hellener. Im kommenden Jahr dürfte der Dollar weiter an Stärke gewinnen.

Positive Entwicklung fortsetzen

Gepusht wurde der Index auch durch die gute Geschäftsentwicklung in der Software und IT-Branche. So hat der Walldorfer Softwarehersteller SAP seine Aktie jüngst auf ein Allzeithoch getrieben. Für den Nachhaltigkeitsindex von Bedeutung ist das laut Hellener, weil SAP und Intel zu den Firmen mit der höchsten Gewichtung im GCX zählen. „Die guten Ergebnisse in der Branche haben zur guten Performance des GCX beigetragen“, so Hellener.

Die diesjährigen Top-Performer sind aber die Windkraftanlagenbauer. „Sie konnten ihre Kurse teilweise mehr als verdoppeln“, sagt Börsen-Chefin Reich. So legte Gamesa rund 118 Prozent zu, Nordex 112 und Vestas kam auf ein Plus von fast 101 Prozent. Aufgrund ihrer geringen Gewichtung im GCX war das zwar wenig ausschlaggebend für die Gesamtentwicklung des Index, aus ideeller Sicht ist die Bedeutung der Windkraft-Firmen aber enorm. Das habe den GCX durch das Jahr „getragen“, erklärt Reich.

Alles spricht dafür, dass sich die positive Entwicklung – sowohl des Windkraftgeschäfts als auch des GCX insgesamt – 2016 fortsetzen wird. Große Investoren wie die Versicherer Allianz und Axa, der Norwegische Staatsfonds und gar der Rockefeller-Fonds wollen nicht mehr in Kohle investieren. Nach angaben der Organisation 350.org wollen Fonds mit einem Anlagevermögen von 3,4 Billionen Dollar ihr Geld aus fossilen Brennstoffen abziehen. Damit konnte die Divestmentbewegung das Volumen innerhalb von 14 Monaten versiebzigfachen.
Gleichzeitig wächst der Weltmarkt für Windenergie wie nie zuvor. Der weltweite Windenergieverband (WWEA) erwartet für das Jahr 2015 einen Rekordausbau. Davon profitieren international agierende Unternehmen wie Nordex, Gamesa und Vestas.

Nun haben 196 Länder bei der Pariser Weltklimakonferenz beschlossen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Nach Ansicht von Klimaforschern bedeuten die Reduktionsziele, so sie denn strikt umgesetzt werden, den Abschied aus der fossilen Energiewirtschaft. Das ist gut für das Klima – und für den GCX.

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