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Nahverkehr in Rhein-Main: Theaterkarte inklusive Fahrschein

Teure Tickets bemängelt der ADAC im Rhein-Main-Gebiet. Der Verkehrsverbund hält die hohe Kostendeckung und diverse Sondertarife dagegen. Welche Vorteile Pendler in Frankfurt noch haben, lesen Sie hier. Von Jürgen Schultheis

Pendler in Rhein-Main zahlen viel für eine Fahrt.
Pendler in Rhein-Main zahlen viel für eine Fahrt.
Foto: dpa

Schnelle Flughafenanbindung, große Auswahl bei den Tickets, kurze Umsteigewege und eine komfortable Fahrplanauskunft im Internet - Deutschlands Pendlerhauptstadt Frankfurt und der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) schneiden beim ÖPNV-Test des ADAC gut ab. Der Club bemängelt lediglich teure Tickets für gelegentliche Fahrten sowie die Rentabilität des Monatstickets, das sich erst nach mehr als 30 Fahrten lohne.

Vergleichstests bergen im Regelfall viele Fallstricke, "insbesondere wegen der unterschiedlichen Tarifsysteme", sagt Peter Vollmer, Sprecher des RMV. "Vom Ansatz her ist der ADAC-Test aber ganz angemessen, auch weil er auf ein Ranking verzichtet hat."

Gestolpert sind die Tester trotzdem: Wer sich in Frankfurt beispielsweise für eine 9-Uhr-Monatskarte entscheidet, zahlt dafür knapp 60 Euro und spart im Vergleich zur 24-Stunden-Monatskarte rund 15 Euro - womit die Rentabilität schon bei deutlich weniger Fahrten eintritt. Wer sozial bedürftig ist, erhält das Monatsticket etwa in Frankfurt schon für 49,70 Euro. Eintrittskarten für Konzerte oder fürs Theater sind mit einem Fahrschein gekoppelt, weshalb Konzert- und Theaterbesucher im RMV kostenlos fahren.

Studis bekommen Dauerticket

Studierende bekommen für die Semestergebühren zugleich ein Dauerticket für den zweitgrößten Verkehrsverbund der Republik, das ein halbes Jahr lang gilt. Familienfahrscheine sind ebenfalls weitaus günstiger als Einzeltickets. "Wenn man das berücksichtigt, sieht die Welt schon ganz anders aus", sagt Vollmer. Zumal Zeitkartenbesitzer nach 19 Uhr eine weitere Person mitnehmen können. Und Radler, die im RMV-Gebiet unterwegs sind, müssen für ihre Fahrräder ohnehin nichts zahlen.

Der Preisvergleich, auch bezogen auf die jeweilige Strecke innerhalb eines Verbundes, taugt ohnehin nur bedingt als Parameter für die Leistungsfähigkeit. Solche Vergleiche, auch der aktuelle des ADAC, sparen generell aus, mit welchem Kostendeckungsgrad die Verkehrsverbünde arbeiten.

Der RMV etwa erwirtschaftet 58 Prozent der Betriebskosten von rund 1,2 Milliarden Euro mit dem Verkauf von Fahrscheinen, 60 Prozent Anteil will er in den nächsten Jahren erzielen. Die übrigen 42 Prozent müssen die 27 Gesellschafter des Verbundes - Land Hessen, Städte und Kreise - aus ihren Haushalten finanzieren. Zum Vergleich: Der Kostendeckungsgrad im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr liegt bei 48 Prozent.

An den Bushaltestellen fehlen dynamische Anzeigen

Wer im RMV die Ticketpreise um zehn Prozent senken wollte, müsste die Zuschüsse von Kommunen und Land um 60 Millionen Euro erhöhen - was angesichts der desolaten Lage der öffentlichen Kassen kaum realistisch wäre. "Aber das würde keinen Schub bei den Fahrgästen auslösen", sagt RMV-Sprecher Vollmer.

Kritisch würdigt der ADAC die überwiegend fehlenden dynamischen Anzeigen an den Bushaltestellen. Die montiert die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) als größter Verkehrsdienstleister im RMV primär an den Haltestellen der U- und Straßenbahnen. "Die Schiene hat für uns Vorrang", sagt VGF-Geschäftsführer Michael Budig. An Haltestellen, wo Bahnen und Busse stoppen, sagt Budig, würden aber auch die Ankunftszeiten der Busse angezeigt.

Ohnehin lassen sich RMV und der vom ADAC herausgehobene Münchner Verkehrsverbund (MVV) kaum vergleichen: Mit dem 14500 Quadratkilometer großen Verbundgebiet und den fünf Millionen Einwohnern spielt der RMV im Vergleich zum MVV in einer anderen Liga: Das Verbundgebiet des MVV mit seinen 2,7 Millionen Einwohnern misst knapp 5500 Quadratkilometer.

Datum:  19 | 2 | 2010
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