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Negative Energiepreise: Mitgift für den Strom

Negative Energiepreise an der Börse könnten zu Tariferhöhungen bei Verbrauchern führen. Von Oliver Ristau

Bläst der Wind ordentlich, kann es schnell zu einem Überangebot an Strom kommen.
Bläst der Wind ordentlich, kann es schnell zu einem Überangebot an Strom kommen.
Foto: rtr

Das wünschen sich alle Verbraucher: Der Strom ist nicht nur umsonst, es gibt sogar noch Geld dazu. Was fantastisch klingt, kommt unter dem Begriff "negativer Strompreis" tatsächlich vor. Von dem Phänomen, das an einem zeitlich begrenzten Überangebot in der Stromerzeugung liegt, profitieren allerdings nur große Stromhändler. Privatkunden könnten dagegen sogar Preiserhöhungen drohen.

"Jede Schwäche des Systems landet beim Verbraucher", sagt Gerd Rosenkranz, Sprecher der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Es stehe zu befürchten, "dass die Windkraft für die negativen Strompreise verantwortlich gemacht und dies als Argument für höhere Endkundenpreise missbraucht wird".

In der Tat steht das neue Phänomen im Zusammenhang mit dem rasanten Zubau von Windkraftanlagen in den vergangenen Jahren. Mitte September überschritt die installierte Windkraftleistung in Deutschland laut Bundesumweltministerium die 25000-Megawatt-Marke. Im Durchschnitt sorgt dieser Windpark für sieben bis acht Prozent des heimischen Stromverbrauchs. Zu bestimmten Zeiten, wenn der Wind kräftig über das Land bläst und der Verbrauch zugleich niedrig ist, liegt der Anteil des Windstroms deutlich höher - so wie beispielsweise in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober.

Da regenerativer Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz Vorrang vor konventionell erzeugter Elektrizität genießt, stieg sein Anteil im Netz so stark an, dass konventionelle Kraftwerke auf Basis von Kohle, Gas und Atomenergie massiv zurückgefahren werden mussten. Das Stromnetz stellt immer genau so viel Energie zur Verfügung wie im Moment benötigt wird. Abweichungen sind nur im Zehntelprozentbereich erlaubt, sonst droht ein Zusammenbruch.

In besagter Nacht reichte das Herabregeln nicht mehr aus, der Strom musste ins Ausland abtransportiert werden, um eine Überlastung zu vermeiden, wie der Bundesverband der Energiewirtschaft (BDEW) erklärt. Da aber auch die Anrainerstaaten keinen Bedarf hatten, konnte der Strom nur abgesetzt werden, "weil noch Geld draufgelegt wurde". In der Spitze betrug diese Mitgift laut Strombörse EEX 1,50 Euro je Kilowattstunde (kWh). Üblicherweise kostet der Strom zwischen fünf und acht Cent.

Für die Kohle- und Kernkraftbetreiber war es günstiger, für die Abnahme des eigenen Stroms noch Geld zu zahlen, als die Kraftwerke abzuschalten. Die Nacht vom 3. auf den 4. Oktober war kein Einzelfall. Laut EEX gab es 2009 bislang an 18 Tagen solche Phänomene.

Deshalb fordert die DUH, keine neuen Grundlastkraftwerke mehr zu bauen, da diese das Problem verschärften. Denn bis 2020 dürfte sich das Volumen des Windstroms mehr als verdoppeln.

Nach einer Studie des Instituts für solare Energieversorgungstechnik aus Kassel wäre dann nur noch die Hälfte der heute arbeitenden Grundlastkraftwerke notwendig. Geschieht dies nicht, ist mit einem weiteren Anstieg negativer Strompreise zu rechnen.

Neben dem Ausbau der Stromverbindungen ins Ausland könnten nach Ansicht des Kölner Energiewirtschaftlichen Instituts Investitionen in Stromspeichertechnologien sowie eine intelligentere Steuerung der Nachfrage der Bildung negativer Preise entgegen wirken.

Autor:  Oliver Ristau
Datum:  7 | 12 | 2009
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