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Negativrekord: Tariflöhne dürftig

So wenig haben die Arbeitnehmer seit der deutschen Vereinigung nie erhalten: Gerade mal auf 1,2 Prozent im Schnitt laufen die Tarifeinigungen hinaus. Allerdings könnte trotzdem mehr beim Verbraucher übrig bleiben.

Die Gewerkschaften erzielen die niedrigsten Tariflöhne seit der deutschen Vereinigung.
Die Gewerkschaften erzielen die niedrigsten Tariflöhne seit der deutschen Vereinigung.
Foto: dpa

Sind die Tarifabschlüsse des laufenden Jahres die niedrigsten seit der deutschen Vereinigung? Reinhard Bispinck, Experte der Hans-Böckler-Stiftung, zögert etwas mit der Antwort. Ein klares Ja zu diesem Negativrekord, wenn man nur die Tarifabschlüsse zwischen Januar und Juni 2010 auf das Kalenderjahr hochrechnet. Bispinck kommt dabei auf einen Durchschnittswert von gerade mal 1,2 Prozent. So wenig hatten die Arbeitnehmer, wie gesagt, noch nie mehr bekommen. In der aktuellen Periode wirken sich allerdings die schon früher vereinbarten und von größerer Konzessionsbereitschaft der Arbeitgeber gekennzeichneten Abschlüsse aus.

2008 und 2009 gelangen den Gewerkschaften noch Ergebnisse mit einer Zwei oder sogar Drei vor dem Komma. Dafür wurden aber längere Laufzeiten zur Bedingung gemacht. Rechnet man nun die ins Jahr 2010 hineinreichenden Lohnsteigerungen mit, hellt sich das kalendermäßige Ergebnis für rund 14 Millionen abhängig Beschäftigte auf - es errechnet sich eine durchschnittliche Zuwachsrate von 1,7 Prozent. Ähnlich schwach waren die Tarifsteigerungen in den Jahren 2005 und 2006 mit jeweils einem Plus von rund 1,5 Prozent.

Allerdings könnte preisbereinigt diesmal etwas mehr beim Verbraucher übrig bleiben. Der Grund ist die deutlich niedrigere Teuerung. Waren Mitte des Jahrzehnts noch Preissteigerungen von zwei bis drei Prozent an der Tagesordnung, sind es im ersten Halbjahr 2010 nur noch rund ein Prozent. Die Frage bleibt, wie viel effektiv mehr in der virtuellen Lohntüte übrig bleibt. 2009 zum Beispiel rutschte das relativ hohe Tarifergebnis in die Miesen, weil verstärkte Kurzarbeit und stärkerer Abbau von betrieblichen Sozialleistungen unter dem Strich Kaufkraft kosteten. Letzten Endes spielt aber auch der Staat eine wichtige Rolle bei der Frage, was vom Brutto am Ende netto bleibt. Das mussten die ärmeren Bürger gerade wieder leidvoll erfahren.

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  9 | 7 | 2010
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