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Neue Superreiche: Pro Stunde 2,11 Millionen Dollar mehr

Ein Mexikaner ist der vermögendste Mann der Welt. Carlos Slim verdankt sein Riesenvermögen seinem Gespür für Geschäfte, guten Kontakten und schlecht regulierten Märkten. Von Klaus Ehringfeld

Carlos Slim zählt zu den reichsten Menschen der Erde.
Carlos Slim zählt zu den reichsten Menschen der Erde.
Foto: rtr

Mexiko-Stadt. Das gab es lange nicht mehr: Der reichste Mann der Welt kommt nicht aus den USA. Carlos Slim, 53,5 Milliarden Dollar schwer, ist Mexikaner. Seit 1994 teilten sich Bill Gates und Warren Buffet den Spitzenplatz auf der Liste des US-Wirtschaftsmagazins Forbes.

Dass der 70-jährige Slim den Spitzenplatz eroberte, hat vor allem mit América Móvil zu tun, seinem Unternehmen für Mobiltelefonie, mit dem er in Lateinamerika Marktführer ist. Der Wert der Aktien legte 2009 um 56 Prozent zu. Auch Slims Festnetzunternehmen Telmex ist ein Goldesel. Auf dem Heimatmarkt telefonieren acht von zehn Mexikanern über seine Leitungen. Mit den Gewinnen kaufte der Unternehmer Festnetzanbieter in der ganzen Region. "Das gute Management von América Móvil ist der Hauptgrund für seinen Reichtum", sagt José Miguel Garaicochea von der Santander-Bank. "Und wenn er außerhalb von Mexiko investiert, macht er das immer sehr gut."

Der Wechsel an der Spitze der Forbes-Liste 2010 zeigt, wie reich man als Unternehmer in einem Land mit 40 Millionen Armen werden kann, wenn staatliche Regulierungspolitik wirkungslos bleibt. Slim, Liebhaber dicker Zigarren und feiner Kunst, verdankt seinen geschäftlichen Erfolg zum großen Teil seinem guten Gespür für den Kauf maroder Firmen, die er anschließend zu rentablen Unternehmen machte. Aber er wusste auch immer mit besten Kontakten in die Politik die Öffnung von Monopolen und die Zulassung ausländischer Konkurrenz auf seinen Hauptmärkten zu verhindern. In Mexiko besteht ein enges und kompliziertes Netz von persönlichen Beziehungen zwischen Politikern und der Wirtschaftselite. Die Konsequenz: Die Regierenden nehmen oftmals nicht die öffentlichen Interessen und den Verbraucherschutz wahr, sondern sie verteidigen die Interessen von Freunden und Verbündeten und in einigen Fällen sogar die ihrer eigenen Unternehmen.

Carlos Slim, Sohn libanesischer Einwanderer, mischt über ein weit verzweigtes Firmenimperium in fast allen Branchen Mexikos mit. Neben Telefon und Internet verfügt er über Anteile an Banken, Versicherungen, Investmenthäusern, Restaurants, Kaufhäusern, Minengesellschaften, Baufirmen und Autozulieferern. Insgesamt gibt es in seinem Imperium 210000 Arbeitsplätze. Und da seine Unternehmen fast die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung der Börse repräsentieren, muss Slim nur zuschauen, wie er stündlich reicher wird - 2009 waren es 2,11 Millionen Dollar pro Stunde. Die größte Aufmerksamkeit in der jüngsten Zeit erlangte er, als er seine Beteiligung an der US-Tageszeitung New York Times kürzlich auf 16,3 Prozent erhöhte; er ist damit nach der Eigentümerfamilie Ochs-Sulzberger größter Anteilseigner.

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Keiner der Superreichen konnte in den vergangenen Jahren sein Vermögen so kräftig vermehren wie Slim. 2002 kalkulierte Forbes Slims persönliches Vermögen auf 11,5 Milliarden Dollar. Fünf Jahre später waren es 53,1 Milliarden, 2008 hatte er 60 Milliarden Dollar an Vermögen erreicht, bevor er während der Krise 25 Milliarden verlor. Seitdem kamen aber wieder 18,5 Milliarden dazu. Slims Unternehmerseele zeigte sich früh. Sein Vater, der mit Einzelhandel und Immobilien ein bescheidenes Vermögen erwirtschaftete, ließ seine Söhne schon als Kinder ein Sparbuch führen. Carlos war immer der Beste. Mit 15 besaß er ein Guthaben von 5523 Pesos und 44 Aktien der damals größten mexikanischen Bank Banamex. Mit 17 war er dank Spekulierens mit seinen Aktien bereits Dollar-Millionär.

Anders als die meisten Kinder der mexikanischen Oberschicht blieb Slim zum Studium im Land. Er ließ sich zum Bauingenieur ausbilden und arbeitete anschließend als Aktienhändler, bevor er anfing, Unternehmen aufzukaufen. Der größte Deal gelang Slim 1990, als die mexikanische Regierung zahlreiche Staatsbetriebe privatisierte, darunter die Telefongesellschaft Telmex. Unabhängige Buchprüfer schätzten das Unternehmen, das im Festnetz des größten spanischsprachigen Landes Lateinamerikas über ein Monopol verfügt, auf einen Wert von zehn bis zwölf Milliarden Dollar. Slim erhielt an der Spitze eines Konsortiums für 1,8 Milliarden Dollar den Zuschlag. Telmex ist noch heute ein Quasi-Monopolist in Mexiko mit entsprechenden Preisen. Nach Erhebungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zahlen die Mexikaner im Schnitt 50 Prozent mehr als die Telefonkunden in anderen OECD-Staaten.

Auf Kritik an den hohen Preisen und seinem persönlichen Reichtum in einem armen Land, reagiert Slim mit Missfallen. Wie er sich denn so fühle als Multimilliardär, während 50 Millionen Mexikaner nur zwei Dollar am Tag hätten, wollte vor einigen Jahren ein Journalist wissen. Unwirsche Reaktion: "Wenn ich sterbe, nehme ich nichts davon mit."

Autor:  Klaus Ehringfeld
Datum:  11 | 3 | 2010
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