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Neue Zahlen: Nur noch 3,15 Millionen arbeitslos

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni wegen der kräftigen Frühjahrsbelebung auf 3,153 Millionen gesunken - und damit nun fast so niedrig wie vor der Wirtschaftskrise. Von Eva Roth

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni wegen der kräftigen Frühjahrsbelebung auf 3,153 Millionen gesunken - und damit nun fast so niedrig wie vor der Wirtschaftskrise.
Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni wegen der kräftigen Frühjahrsbelebung auf 3,153 Millionen gesunken - und damit nun fast so niedrig wie vor der Wirtschaftskrise.
Foto: ddp

Nürnberg. Der Mitarbeiter des Statistischen Bundesamts ist selbst über das Ergebnis seiner Recherche überrascht: "Tatsächlich", sagt er am Telefon, "es ist der höchste Wert seit der Wiedervereinigung": Im Mai dieses Jahres gab es in Deutschland mehr Erwerbstätige als je zuvor seit der deutschen Einheit: 40,28 Millionen. Zum ersten Mal seit Mitte 2009 ist die Beschäftigung im Jahresvergleich wieder gestiegen. Besonders stark hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs erhöht.

Fachleute kommen aus dem Staunen nicht heraus: Zuerst wunderten sie sich, dass der wirtschaftliche Einbruch die Arbeitslosigkeit nur leicht erhöht hat. Jetzt kommt die Erholung schneller und stärker als gedacht. So gab es im Juni - bereinigt um statistische Beschönigungen - 180.000 Jobsuchende weniger als ein Jahr zuvor. 3,15 Millionen Menschen waren noch offiziell arbeitslos. Das ist der niedrigste Stand in einem Juni seit 1992. Bereits im kommenden Monat könnte die Zahl sogar wieder unter die Drei-Millionen-Marke sinken, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise.

Prognose gehoben

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr angehoben. So werde für das Bruttoinlandsprodukt ein Anstieg von 1,9 Prozent erwartet, teilten die Forscher am Mittwoch in Berlin mit. Im April hatten sie noch einen Anstieg von 1,7 Prozent erwartet. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 4,9 Prozent eingebrochen. Für das kommende Jahr senkte das Institut seine Wachstumsprognose von zuletzt 1,8 auf 1,7 Prozent. (ddp)


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Bei der Bewältigung der Krise ist die Bundesrepublik damit klar Europameister. Seit Frühjahr 2008 hat sich die Wirtschaftskrise auf den Jobmärkten in Europa bemerkbar gemacht. Es gibt nur ein einziges Land, in dem die Arbeitslosenrate seither gesunken ist: Deutschland. Das belegen Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat, die die Quoten in allen Ländern nach einer einheitlichen Methode erhebt, damit sie vergleichbar sind. Deutschland hat damit auch die USA weit hinter sich gelassen. Dort hat sich die Arbeitslosenquote verdoppelt.

Wie ist das zu erklären?

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Und wie ist der Jobaufbau in Deutschland zu erklären? Ein wichtiger Grund ist die starke Zunahme der Teilzeit-Jobs, die den leichten Rückgang bei Vollzeit-Stellen mehr als ausgeglichen haben. Teilzeit ist besonders im Dienstleistungssektor verbreitet - und genau hier gab es einen Beschäftigungsaufbau. "Dahinter stecken politische Entscheidungen", sagt Stefan Mütze, Konjunkturexperte bei der Landesbank Helaba: Die Bundesregierung habe beschlossen, die Kinderbetreuung auszubauen und die Länder stellten wieder Lehrer ein. Und das Gesundheitswesen profitiert von der Alterung der Gesellschaft.

In der Industrie ist die Zahl der Stammbeschäftigten weiter gesunken. Allerdings heuern Firmen wie Autokonzerne jetzt wieder in großem Stil Leiharbeiter an. Zurzeit gibt es schon wieder rund 750.000 Zeitarbeiter - 19 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Industrie profitiere derzeit noch von den weltweiten Konjunkturprogrammen, erläutert der Volkswirt Alexander Herzog-Stein von der Hans-Böckler-Stiftung.

"Kurzfristig sind wir auch Gewinner der Euroabwertung." Denn die verbilligt Exporte in den Dollarraum und steigert so die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Firmen. Hinzu kommt: Weil Unternehmen ihre Kernbelegschaft in der Krise gehalten haben, können sie jetzt - wo die Wirtschaft wieder anzieht - Aufträge sofort abarbeiten, betont Herzog-Stein.

Die Entwicklung des Arbeitsmarkts hat nach seiner Ansicht auch Schattenseiten. Denn mehr Beschäftigte in Dienstleistungen bedeutet mehr Beschäftigte mit niedrigen Löhnen. Bei Leiharbeitern kommt hinzu, dass ihre Jobs in der Regel unsicher sind. Und wie geht es weiter? "Mittelfristig werden wir Probleme mit der Konsolidierung bekommen", sagt Mütze. Wegen der Sparpolitik der Bundesregierung werde sich der Zuwachs bei den Jobs im sozialen Bereich vermutlich nicht in dem Maße fortsetzen wie bisher. Für die Gesamtwirtschaft rechnet er mit einem moderaten Anstieg der Beschäftigung.

Anonymisierte Bewerbungen

Fünf große Unternehmen wollen in Deutschland indes künftig Bewerbungen ohne Alter, Namen und Foto annehmen. Durch diesen Pilotversuch mit anonymisierten Bewerbungen sollen beispielsweise türkischstämmige Bewerber bessere Chancen bekommen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete. Drei deutsche Dax-Unternehmen sowie zwei internationale Konzerne habe die Antidiskriminierungsstelle des Bundes für das Projekt gewinnen können, darunter Procter&Gamble sowie L'Oréal. Die weiteren Teilnehmer sollten im August präsentiert werden.

Eine Benachteiligung von ethnischen Minderheiten oder Älteren solle so verhindert werden, sagte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Christine Lüders, der Zeitung. Bewerber müssen dann weder Foto, Namen, Anschrift, Geburtsdatum, Geburtsort noch den Familienstand angeben. "Nur die Qualifikation zählt", betonte Lüders. Allerdings schütze das Verfahren nicht vor Vorurteilen im weiteren Einstellungsverfahren wie beispielsweise im Vorstellungsgespräch. In Frankreich oder den USA ist eine anonymisierte Bewerbung in vielen Unternehmen schon lange üblich. (rtr/dpa/ddp)

Autor:  Eva Roth
Datum:  30 | 6 | 2010
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