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02. April 2012

Neumann in Uganda: Wie ein deutscher Kaffee-Konzern Landraub ignoriert

 Von Tobias Schwab
Bitterer Beigeschmack: Kaffee von Neumann (Symbolbild).  Foto: Michael Schick

Ein Kaffeehändler wirbt mit Nachhaltigkeit, aber für eine Plantage in Uganda wurden hunderte von Kleinbauern brutal vertrieben. Jahre später könnten die Bauern doch noch zu ihrem Recht kommen, aber der Widerstand wird gefährlich.

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Die Widersacher

Die Neumann Kaffee Gruppe (NKG) mit Sitz in Hamburg ist einer der führenden Rohkaffee-Konzerne mit insgesamt 47 Unternehmen in 28 Ländern. Ihr Marktanteil an der globalen Kaffee-Nachfrage liegt nach eigenen Angaben bei zehn Prozent.

Die Kaweri Coffee Plantation im ugandischen Distrikt Mubende ist Teil der Neumann-Tochter NKG Tropical Farm Management. Für die Kaweri-Plantage ließ Ugandas Regierung 2001 rund 400 Kleinbauern-Familien vertreiben.

Fian (Food First Informations- und Aktions-Netzwerk) setzt sich dafür ein, dass alle Menschen frei von Hunger leben und sich ernähren können. Die Nicht-Regierungs-Organisation unterstützt die Kleinbauern von Mubende in ihrem Kampf um Entschädigung und finanziert auch die in dieser Woche geplante Landvermessung.

Kaffee von der ugandischen Kaweri-Plantage wird bei Dallmayr im Premiumsortiment „Grand Cru“ vermarktet. „Das Aroma-Bouquet erinnert an würzigen Zimt und dunkle Schokolade“, so bewirbt der Münchner Delikatessen-Händler die Espresso-Bohne Turaco. Mit ihr komme „die dunkle Seele Afrikas in die Espresso-Tasse“.

Für viele Kleinbauern der Region Mubende in Zentral-Uganda hat das einen ganz bitteren Beigeschmack. Die Geschichte der 2001 gegründeten Kaweri-Plantage – ein Tochterunternehmen des Hamburger Kaffee-Konzerns Neumann – ist ein dunkles Kapitel ihres kargen Lebens.

Um Platz für die 2500 Hektar große Kaweri-Farm zu schaffen, ließ Ugandas Präsident Yoweri Museveni vor elf Jahren rund 400 Kleinbauern samt Familien vom Militär vertreiben. Die Soldaten knüppelten, zerstörten Hütten wie Felder, damit Konzern-Chef Michael R. Neumann wenige Tage später mit Museveni den Grundstein der Plantage legen konnte.

Brutaler Fall von Landgrabbing

Für die Menschenrechtsorganisation Fian, welche die Bauern im Kampf um ihr Recht unterstützt, handelt es sich um einen brutalen Fall von Landgrabbing. Fian beklagt: Bis heute bekamen die etwa 2000 Vertriebenen weder für den Verlust ihres Besitzes noch für die extreme Not, in der sich viele seither befinden, eine Entschädigung.

Seit 2002 prozessieren die Kleinbauern gegen den ugandischen Staat und das Neumann-Tochterunternehmen Kaweri. Das Verfahren zieht sich hin. Mehrfach wechselten die Richter. Neumann ließ wiederholt Verhandlungstermine platzen.

Ein neuer Anlauf scheiterte in Kampala erst vergangenen Mittwoch. Die Kaweri-Anwälte lehnten den vom Obersten Gerichtshof Ugandas neu eingesetzten Richter Anup Singh Choudry mit Hinweis auf seine Vergangenheit ab.

Der Jurist hatte im Jahr 2000 in London wegen Betrugs in Asylverfahren die Zulassung als Anwalt verloren. Choudrys Vorgängerin im Kaweri-Prozess hatte den Fall Ende 2011 mit der Begründung abgegeben, sie fühle sich als Richterin dem Druck nicht gewachsen, den Fian mit der Kampagne für die Kleinbauern erzeuge.

Neumann spricht von "rechtmäßigem Eigentum"

Im Streit um die Entschädigung geht es vor allem auch um die Frage von Landrechten. Kleinbauern können zwar oft keine Landtitel vorweisen, besitzen aber, weil sie meist seit vielen Jahren auf ihren Parzellen ackern, ein Gewohnheitsrecht, das nach ugandischem Gesetz sogar vererbbar ist.

Doch Neumann interessiert offenbar nicht, unter welchen Umständen das Land der Farmer für die Großplantage frei wurde. Das Areal, auf dem Kaweri tätig sei, „ist rechtmäßiges Eigentum der Uganda Investment Authority (UAI) und von dieser für 99 Jahre an Kaweri verpachtet“, teilte der Kaffee-Konzern auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit.

Die klagenden Kleinbauern aber wollen jetzt beweisen, dass Kaweri sich über diese gepachtete Fläche hinaus in der Nachbarschaft rund 500 Hektar widerrechtlich angeeignet hat. Für einen Teil dieses Landes besitzt die bald 80-jährige Bäuerin Anna Nandyose Katende sogar einen registrierten Landtitel, der der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Weiter: Geländevermessung und Drohungen gegen Bauern

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