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08. Januar 2016

Nevsky: Hedgefonds versteht den Markt nicht mehr

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Die Börse in Shanghai spielt verrückt und ein erster Hedgefons zieht daraus die Konsequenz, sein Handeln einzustellen.  Foto: REUTERS

Der Chef eines britischen Hedgefonds gibt sein Geschäft auf - mit der Begründung, in dem "fehlerhaften Marktumfeld" seien Kursentwicklungen kaum mehr vorhersehbar.

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In China tanzen die Börsenkurse auf und ab – auch Profianleger zweifeln daran, dass dies noch irgendetwas mit der realen Wirtschaft zu tun hat. Die Finanzmärkte, getrieben von Angst und Gier, haben ein Eigenleben. Und dieses wird offenbar immer eigener. Der britische Hedgefonds Nevsky hat nun sein Geschäft aufgegeben und das Geld an die Anleger zurücküberwiesen. Die heutigen Zustände an den Märkten machten das Anlegen „nicht länger erfreulich“, so Nevsky-Chef Martin Taylor.

Taylor ist ein Name in der Szene. Der 46-jährige Brite hat einen Master in Geschichte vom King’s College in Cambridge, seit 2006 führt er den Spekulationsfonds Nevsky Capital. Im März 2015 geriet er mit seiner 600 000-Pfund-Spende für die Labour-Partei in die Schlagzeilen. Ein Spekulant, der Labour unterstützt, „das mag manchem merkwürdig vorkommen“, sagte Taylor damals. Im Allgemeinen werde davon ausgegangen, dass Fondsmanager die Konservativen unterstützten, da sie für niedrige Steuern seien. Doch „ich glaube, dass jeder zur Gesellschaft beitragen muss, und jene, die glücklich genug sind, viel zu verdienen, sollten mehr beitragen als andere“, erklärte Taylor seine Spende.

Mit Nevsky Capital war Taylor außerordentlich erfolgreich. Der Hedgefonds verwaltete zuletzt 1,5 Milliarden Dollar und schaffte in den vergangenen Jahren überdurchschnittliche Erträge von gemittelt fast 20 Prozent pro Jahr. Doch nun haben die Nevsky-Chefs Taylor und Nick Barnes offensichtlich keine Lust mehr. Und die Gründe, die sie in einem Brief an die Anleger nennen, werfen ein helles Licht auf das aktuelle Börsengeschehen.

Vorhersagen werden schwieriger

„Bestimmte Merkmale des aktuellen Marktumfelds“, schreiben die beiden Spekulanten, machten es nicht länger möglich, das Ziel des Fonds zu erreichen. Eines dieser Merkmale sei der Aufstieg von China und Indien. Beide Länder werden für die Weltwirtschaft immer wichtiger – China überholt früher oder später die USA, Indien steigt bald zur drittstärksten Ökonomie der Welt auf. Gleichzeitig aber sei in diesen Ländern „eine ständig steigende Anzahl von sehr wichtigen Daten schlicht nicht glaubwürdig“, so die Nevsky-Chefs. Die Wirtschaftswachstumszahlen beider Länder halten sie für „substanziell übertrieben“. Dies mache es zunehmend schwer, makroökomische Entwicklungen vorherzusagen. Anleger tappen im Dunkeln.

Daneben beklagen die Profi-investoren die Verbreitung von automatisierten Wertpapier-Handelssystemen – nicht länger Menschen handeln mit Menschen, sondern Computerprogramme mit Computerprogrammen. Folge: Die Schwankungsanfälligkeit von Aktien habe stark zugenommen, die Kursverläufe seien daher kaum noch zu prognostizieren. Schon eine einzige irrtümlich ausgeführte Wertpapierorder könne einen allgemeinen Aktienkurstrend auslösen, wenn Tausende von sich gleichenden Handels-Algorithmen darauf reagieren, also automatische Aktienkauf- oder -verkaufsorders ausspucken.

Da mittlerweile auch kein Verlass auf den globalen Konjunkturzyklus mehr sei, werfen Taylor und Barnes das Handtuch. Nie sei es so schwierig gewesen, makroökonomische oder betriebliche Variable akkurat vorherzusagen. Dies drücke die Kapitalkosten nach oben. Zudem drohe die Gefahr deutlicher Kapitalverluste, „einfach weil wir uns in einem fehlerhaften Marktumfeld bewegen, das wesentlich länger bestehen bleibt, als wir den Schmerz ertragen können“. Es sei daher an der Zeit zu akzeptieren: „Was 20 Jahre wunderbar funktioniert hat, funktioniert nicht mehr.“

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