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07. Juli 2010

OECD-Studie: Wachstum ohne neue Jobs?

 Von Eva Roth
Laut der OECD bleiben Arbeitslose in Deutschland deutlich länger ohne Beschäftigung als in anderen Ländern.  Foto: Foto: dpa

Seit Monaten sorgt der Arbeitsmarkt für positive Überraschungen - jetzt warnt die OECD: Die deutsche Wirtschaft könne wachsen, ohne dass neue Jobs entstehen. Von Eva Roth

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Seit Monaten sorgt der Arbeitsmarkt für positive Überraschungen - jetzt warnt die Industrieländer-Organisation OECD vor Euphorie: In Deutschland könnte die Wirtschaft um mehr als sieben Prozent wachsen, ohne dass es zu einem Beschäftigungszuwachs kommt, schreibt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in ihrem jüngsten Beschäftigungsausblick.

Ein sogenanntes "jobless growth" sei möglich, wenn Produktivität und Arbeitszeit pro Kopf wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Bis das Bruttoinlandsprodukt in diesem Ausmaß gestiegen ist, würden mehrere Jahre vergehen. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass die Arbeitslosenrate in den kommenden Monaten weiter sinke.

Der Volkswirt Alkis Otto findet diese Einschätzung plausibel. In der Krise hätten viele Unternehmen ihre Stammkräfte nicht entlassen, also würden sie im Aufschwung auch keine neuen Leute einstellen, meint der Wissenschaftler am Hamburgischen Welt-Wirtschaftsinstituts (HWWI). Die Entwicklung am Arbeitsmarkt sei nicht besonders dynamisch. Immerhin erwartet sein Institut, dass die Arbeitslosenzahl im kommenden Jahr etwas sinkt.

Gerhard Bosch hält die OECD-Rechnung dagegen für nicht praxistauglich: "Das ist eine reine mathematische Schreibtischübung", sagt der Direktor des Instituts Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Er stellt die Annahmen in Frage: Die OECD unterstellt bei ihrer Warnung vor einem Wachstum ohne Jobaufbau, dass die Beschäftigten wieder so lange arbeiten wie vor der Krise. Damals erlebte Deutschland einen kräftigen Aufschwung. Die Beschäftigte machten sehr viele Überstunden, die Arbeitszeitkonten wurden immer voller. "Es gibt keinen Grund, dass wir zu diesen sehr langen Arbeitszeiten zurückkehren", sagt der Duisburger Professor. Konkret bedeutet dies: Wenn die Menschen im Schnitt kürzer im Betrieb sind, wird die Arbeit auf mehr Köpfe verteilt. Bei einem Wachstum entstehen mehr Jobs.

Die Forscherin Sabine Klinger erinnert zudem daran, dass die Zahl der Teilzeitjobs stetig wächst. Denn neue Stellen sind in jüngster Zeit vor allem im Dienstleistungssektor entstanden - und dort arbeiten viele Frauen in Teilzeit. Auch bei der Produktivität könne man nicht einfach annehmen, dass die alte Vorkrisen-Zeit zurückkehrt, betont die Leiterin des Forschungsbereichs Prognose am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). So kann im wachsenden Servicesektor nicht so leicht rationalisiert werden wie in der Industrie. Deswegen resümiert Klinger: "Man muss die Zukunft des Arbeitsmarkts nicht so pessimistisch sehen wie die OECD". Der bisherige Beschäftigungsaufbau sei nicht groß, von einem "jobless growth" könne man aber nicht reden.

Bosch stößt sich auch an der OECD-Aussage, der Arbeitsmarkt in Deutschland sei besonders rigide: Die Organisation habe eine veraltete Vorstellung von flexiblen Arbeitsmärkten. Sie berücksichtige zu wenig die betriebliche Flexibilität, die in der Krise durch Instrumente wie Arbeitszeitkonten Entlassungen verhindert hat.

Internet: OECD-Ausblick

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