Kindergärten dicht, Mülltonnen ungeleert, keine Busse und Straßenbahnen? Verdi will von morgen an im Öffentlichen Dienst streiken. Der Städtetag warnt davor - und deutet an, wie eine Einigung möglich werden könnte.
Im öffentlichen Dienst zeichnet sich bislang keine Tarifeinigung ab.
Foto: Foto: dpa
Im öffentlichen Dienst zeichnet sich bislang keine Tarifeinigung ab.
Foto: Foto: dpa
Berlin. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Stephan Articus, hat mit Blick auf die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst an die Gewerkschaften appelliert, auf Warnstreiks zu verzichten und eine Lösung am Verhandlungstisch zu suchen.
"Warnstreiks tragen nicht dazu bei, einem Ergebnis in der Tarifrunde näher zu kommen", sagte Articus dem Berliner Tagesspiegel. Unter solchen Aktionen hätten vor allem die Bürger zu leiden, die sich dann nicht auf die gewohnten Dienstleistungen verlassen könnten.
Debatte
Pendler-Blog
Ob mit Bahn oder Auto, Fahrrad oder zu Fuß - Pendler leiden morgen für morgen geduldig. Bisher. Nun reden sie. Im FR-Pendlerblog.
Aktueller Beitrag:
Articus mahnte eine "Lösung mit Augenmaß" an. Viele Städte litten unter sinkenden Einnahmen, wachsenden Schulden und ständig steigenden Sozialausgaben. In dieser Situation sei der Spielraum für Tariferhöhungen "minimal".
Der Hauptgeschäftsführer deutete aber auch an, wie eine Einigung möglich werden könnte: Die Kommunen sähen "fast nur Chancen für einen Ausbau der leistungsorientierten Bezahlung".
Rückblick - Tarifkampf der Erzieherinnen
Bildergalerie ( 15 Bilder )
Rückblick - Tarifkampf der Erzieherinnen
Monatelang kämpfen Zehntausende Erzieherinnen und Sozialarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen, mehr Anerkennung - und höhere Gehälter. Höhepunkt ist Mitte Juni eine zentrale Demonstration in Köln mit etwa 30.000 Teilnehmenden.
Foto: ddp
Die Protestierenden bekommen viel Unterstützung aus der Politik.
Foto: dpa
Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagt in Köln zu den Demonstrierenden: "Ihr Anliegen ist berechtigt." Seit 18 Jahren seien die Vergütungen für die Erzieher unverändert: "Das muss anders werden."
Foto: ddp
Erzieher und Kindertagesstätten hätten einen "unglaublich wichtigen Stellenwert" in der Gesellschaft, sagt die Ministerin.
Foto: Foto: dpa
Auch der SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering gibt sich lobend: Die Arbeit der Erzieher sei so wichtig wie die der Professoren an den Hochschulen, da die ersten sechs bis acht Lebensjahre maßgeblich für die Entwicklung eines Kindes seien.
Foto: dpa
Linke-Fraktionschef Gregor Gysi fordert in Köln ein bundesweites Netz von Kindertagesstätten für alle Altersgruppen.
Foto: dpa
Ob die Beteuerungen am Ende was nützen? Der Bundesvorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi), Frank Bsirske, sagt vorsichtshalber, es werde "so lange wie nötig" gestreikt.
Foto: dpa
Die Erzieherinnen verweisen auf Gesundheitsprobleme - etwa weil sie Kinder oft tragen oder weil in den Einrichtungen ein Lärmschutz fehlt.
Foto: dpa
Eine Forderung deshalb: ein Gesundheitstarifvertrag.
Foto: dpa
In den letzten Wochen des Protests streiken die Erzieherinnen länderweise im wöchentlichen Wechsel. Viele Kindergärten bleiben geschlossen; Eltern müssen andere Betreuungen organisieren.
Foto: Foto: dpa
Weitere Stationen des Protests: Angang Mai demonstrieren Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen auf dem Stachus in München für bessere Arbeitsbedingungen.
Foto: Foto: dpa
Auch Kindergärtnerinnen aus Rheinland-Pfalz gehen auf die Straße - hier in Mainz.
Foto: Foto: dpa
Der kleine Colin (3) beobachtet in Kassel seine Erzieher beim Demonstrieren.
Foto: Foto: dpa
Etwa 220.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter sind bei den Kommunen angestellt. - Weitere Eindrücke vom Protest in Hessen finden Sie hier.
Foto: Foto: dpa
Am 27. Juli 2009 rufen der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske (rechts) und der Geschäftsführer der kommunalen Arbeitgeberverbände Thomas Böhle, die Presse. Sie verkünden das Ende des Tarifstreits der Erzieherinnen und Sozialarbeiter.
Foto:
ddp
Fotostrecken Wirtschaft
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Schuldenkrise
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Die Gewerkschaft will mit ihren Warnstreiks im öffentlichen Dienst von Mittwoch an Bewegung in die festgefahrenen Tarifverhandlungen bringen. Auch in der zweiten Runde der Verhandlungen hatten die Arbeitgeber kein eigenes Angebot vorgelegt.
Verdi ruft zu Streiks in allen Gebieten des öffentlichen Dienstes auf. Chef Frank Bsirske sagte, Kindertagesstätten, Krankenhäuser, Abwasserentsorgung, Verwaltung, aber auch kommunale Verkehrsbetriebe sollten zeitweise lahmgelegt werden. Auch die Tarifunion des Beamtenbundes dbb kündigte Aktionen an.
Die Arbeitgeber lehnen die Forderung von fünf Prozent Zuschlag für die 1,3 Millionen Angestellten des Bundes und der Kommunen ab, machen aber auch kein eigenes Angebot. Deswegen wurden die Verhandlungen am Montag in Potsdam ergebnislos auf den 10. Februar vertagt.
Bsirske sagte, bei den Tarifverhandlungen des öffentlichen Dienstes habe es in allen wichtigen Punkten "keinerlei Annäherung" gegeben. Die Gewerkschaften fordern ein Plus im Gesamtvolumen von fünf Prozent.
Die Arbeitgeber weisen diese Vorstellung angesichts der leeren öffentlichen Kassen als zu hoch zurück. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hob hervor, die öffentlichen Arbeitgeber drängten angesichts der Rezession auf Einsparungen. Ein Arbeitgeberangebot zum jetzigen Zeitpunkt "hätte die Preise nur nach oben getrieben und wir wollen ja die Preise nach unten treiben". Angesichts der unversöhnlichen Positionen bereiten sich beide Seiten bereits auf ein Scheitern der Gespräche und die Schlichtung vor.
In Hessen kamen bereits am Montag viele tausend Pendler zu spät zur Arbeit. Dort waren etwa 950 Busfahrer und Lokführer privater Anbieter mit Beginn der Frühschicht überraschend in einen unangekündigten Warnstreik getreten. (ddp/dpa/FR)