Tokio/Frankfurt. Das Auto der Zukunft wird grün, soviel steht für die Autoindustrie fest. Die Kalkulation lautet: hohe Spritpreise plus CO2-Debatte gleich kaufunwillige Kunden, die nun - zum Wohle des Weltklimas und des eigenen Geldbeutels - spritsparende Autos wollen. Deshalb stellt die unter Absatzrückgängen leidende Branche auf dem Pariser Autosalon ein Ökoauto nach dem anderen vor.
Dabei in aller Munde und teils kurz vor der Marktreife: der Elektroantrieb. Wahlweise in Kombination mit einem Benzin- oder Dieselmotor als Hybrid wie etwa bei Mercedes-Benz, Audi oder Peugeot zu sehen. Oder als fast reines Elektroauto wie bei General Motors (GM), Mitsubishi, Smart oder Heuliez. Also Antrieb gut, alles gut? Nicht unbedingt.
"Das eigentliche Thema sind die Energiequellen", sagt Professor Willi Diez. "Viele Antriebe über die wir heute reden", so der Leiter des Nürtinger Instituts für Automobilwirtschaft, "sind doch nur mit entsprechenden Energieressourcen überhaupt denkbar." Ohne Strom fährt kein Elektroauto. Das wissen Autokonzerne wie der japanische Hersteller Honda auch: "Letztlich geht es beim Null-Emissionen-Auto um die Frage, woraus die dafür notwendige Energie erzeugt wurde?", wie Entwicklungschef Masaaki Kato der Frankfurter Rundschau sagt. "Das ist die zentrale Frage, die wir lösen müssen."
Ein Elektroauto stoße zwar während der Fahrt kein CO2 aus, stamme die Energie dafür aber aus alten Kohlekraftwerken, " ist die Bilanz eines Elektroautos bei weitem nicht so positiv wie gedacht". Und wenn der benötigte Strom mit klimafreundlicher Kernkraft produziert werde, "bleiben ganz andere Probleme übrig", so Kato. Stichwort: Atommüll.
Unter diesem Dilemma leiden auch mit Brennstoffzellen angetriebene Fahrzeuge. Bei diesen gilt: Die Fahrt per se ist umweltfreundlich, kommt aus dem Auspuff doch nur schnöder Wasserdampf heraus. Aber auch bei der Erzeugung des für die Brennstoffzelle nötigen Wasserstoffs kommt es auf die Energiequelle an.
Die Autobranche ist sich dessen bewusst, zieht aber unterschiedliche Schlüsse. Bob Lutz, Vorstandmitglied von GM, verfährt nach dem Prinzip "Atomkraft ist unerlässlich", Hersteller wie Honda suchen nach regenerativen Wegen. Sonnenenergie soll es richten. Das Konzept: Solarzellen auf dem Dach des eigenen Zuhauses sollen eine Wasserstoff-Zapfsäule befeuern, an der das Auto aufgeladen wird. An der Umsetzung arbeitet Honda bereits: Zapfsäule und Brennstoffzellenauto laufen seit Sommer im Großversuch und seit vergangenem Jahr produziert Honda selbst Solarzellen.
"Die Idee ist phantastisch, fraglich ist nur, ob sie sich verallgemeinern lässt", gibt Professor Diez zu bedenken. Was zum Beispiel tun bei Mehrfamilienhäusern? Und: "Ist das eine Lösung für 650 Millionen Autos oder nur für 60.000?" Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hält die Pläne für überambitioniert: "Da will ein Autohersteller neben dem Auto der Zukunft auch die Infrastruktur der Zukunft produzieren. Woher will Honda dafür das Kapital herbekommen?"
Für aussichtsreicher hält Dudenhöffer das Modell Daimler/RWE: Autohersteller kümmert sich ums Fahrzeug, Stromerzeuger um die Energie - wobei RWE zurzeit nur drei Prozent davon regenerativ erzeugt. Dabei kommt es für Autoexperte Diez genau darauf an: "Die Vision muss ganz klar sein, dass letztlich regenerative Energien eingesetzt werden."
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