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07. Juni 2012

Ökomode: Streit bei Hessnatur eskaliert

 Von Bernd Salzmann
Im Filialgeschäft sieht Hessnatur die Zukunft.  Foto: Hessnatur

Zwischen den Mitarbeitern des Ökomode-Versandhauses Hessnatur und der Beteilungsgesellschaft Capvis weitet sich der Streit aus. Die Beschäftigten wollen, dass die Gesellschaft vom Kauf zurücktritt. Eine Mitarbeiterversammlung mit Capvis-Managern wurde abgesagt.

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Der Streit bei Hessnatur über die Zukunft des Unternehmens eskaliert. In einem Brief an die Beteiligungsgesellschaft Capvis fordern die Beschäftigten des Versandhauses für Ökotextilien die Schweizer auf, „vom Kauf von Hessnatur zurückzutreten“. Capvis wiederum „bedauert, dass von außen versucht wird, die Mitarbeiter zu verunsichern und die Stimmung anzuheizen“. Eine Mitarbeiterversammlung, auf der sich einige Capvis-Manager vorstellen wollten, wurde von der Beteiligungsgesellschaft kurzerhand abgesagt und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Rummel, den der Verkauf ausgelöst habe, sei derzeit einfach zu groß.

Die Beschäftigten von Hessnatur machen in ihrem Brief an Capvis deutlich, dass das Privat-Equity-Unternehmen „nicht der passende Gesellschafter für Hessnatur ist“. Zweifel an dem Unternehmen, wie sie bereits durch die Eigentümerschaft eines allein renditeorientierten Finanzinvestors entstünden, „würden zu Kundenverlusten, massiven Umsatzeinbrüchen und damit mittelfristig nicht nur zu einer Gefährdung unseres Unternehmens, sondern auch Ihrer Gewinnerwirtschaftungsmöglichkeiten führen“, warnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Capvis.

Kunden wenden sich ab

Tatsächlich wenden sich in Internetforen bereits Kunden von dem Unternehmen ab. Auf der Webseite www.wir-sind-die-konsumenten.de schreibt beispielsweise Moritz Steininger, er wolle zwar fair und ökologisch gehandelte Kleidung kaufen, „aber nicht mit meinem Geld die Spekulation finanzieren“.

Vera Hoffmann kündigt an, „sollte hnGeno nicht Eigentümer von Hessnatur werden, werde ich dort nicht mehr einkaufen“. hnGeno ist eine Genossenschaft, in der sich Mitarbeiter und Kunden verbündet haben, um Hessnatur gemeinsam mit der Deutschen Industrie-Holding zu erwerben. Erst vor wenigen Tagen kündigten sie ein Kaufofferte an, der aktuelle Eigentümer Primondo schloss zuvor jedoch bereits mit Capvis ab.

Wie Steininger und Hoffmann will auch Alexis Schwartz nur Kunde bei Hessnatur bleiben, wenn die Genossenschaft bei einem Eigentümerwechsel zum Zug kommt. „An diesem Kauf sollen Sie keine Freude haben!“, formuliert Schwartz an die Adresse von Capvis. „Der neue Eigentümer wird nicht unterstützt, der aktuelle Katalog wandert gleich ins Altpapier!“, notiert Kundin Cordula Grabowski.

Capris entsetzt

Capvis reagierte am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung entsetzt. „Boykottaufrufe schaden letztlich der Marke, dem Unternehmen und den Mitarbeitern“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Rentschler. Capvis bedauere, „dass die Mitarbeiter instrumentalisiert werden“, fügte er hinzu, sagte allerdings nicht von wem.

Vier Manager von Capvis warben zugleich in einem Brief um das Vertrauen der Beschäftigten. Mit „viel Herzblut und Unternehmergeist“ sei Capvis an führenden mittelständischen Unternehmen beteiligt. Das Engagement der Gesellschaft habe bei den Firmen „Sicherheit und Arbeitsplätze geschaffen“.

Weder Arbeitsplatzabbau, noch Standortverlagerung geplant

Weiterhin bekennen sich die Autoren in dem Brief an die Belegschaft „ganz klar“ zum Geschäftsmodell, der Strategie und der internen Organisation von Hessnatur. „Wir wollen mit Ihnen allen zusammen nachhaltig wachsen“, heißt es weiter in dem Schreiben. Capvis habe weder einen Arbeitsplatzabbau noch eine Verlagerung von Standorten im Sinn.

Der Betriebsrat betonte am Mittwoch, Hessnatur werde bei Capvis wie in der Private-Equity-Branche üblich „durchgereicht“, sobald es mit dem erhofften Gewinn zu verkaufen sei. Anders als bei hnGeno als Eigentümer werde damit nicht dauerhaft Sicherheit, Stabilität und Kontinuität für Hessnatur garantiert.

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