Das Siegel „Ohne Gentechnik“ für Lebensmittel ist ein Jahr nach Vorstellung durch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kaum verbreitet. Nur 33 Unternehmen kennzeichneten ihre Produkte mit dem Label, wie ein Sprecher des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) zu afp sagte.
Grund für die schleppende Einführung seien formale Fragen bei den Regeln zur Vergabe des Siegels, die zwischen dem VLOG und dem Verbraucherschutzministerium geklärt werden müssten. Der VLOG wird von Teilen der Lebensmittelbranche getragen und ist für die Vergabe des Siegels zuständig.
Im Dezember hatte das Bundesverbraucherschutzministerium wenige Monate nach Einführung des Logos auf Anfrage mitgeteilt, dass damals schon mehr als 30 Unternehmen das Siegel beantragt und meist auch genehmigt bekommen hatten.
Verbraucherschutzministerin Aigner hatte das Ohne-Gentechnik-Siegel am 10. August 2009 vorgestellt. Die grüne Raute mit der weißen Aufschrift „Ohne Gentechnik“ ist für Produkte vorgesehen, die ohne von Gentechnik hergestellt wurden. Das Siegel soll eine Lücke in den bisherigen Kennzeichnungspflichten schließendiese Lücke mit dem „Ohne-Gentechnik“-Siegel, zu schließen. Bislang müssen Nahrungsmittelhersteller nur angeben, wenn gentechnisch veränderte Zutaten in Lebensmitteln enthalten sind, etwa Cornflakes aus Genmais in Schokoriegeln. Tierische Produkte wie Milch von Kühen oder Eier von Hühnern, die Genfutter erhalten, fallen jedoch nicht unter diese Regelung. Diese Lücke soll das Siegel, das auf die Verwendung von Gentechnik-freiem Futter abstellt, schließen.
Siegel ist kaum praktikabel
Lebensmittelhersteller hatten zuvor kritisiert, dass das Label, anders als bei Tierfutter, bei aus verschiedenen Zutaten hergestellten Lebensmitteln zu restriktiv in der Anwendung und deshalb nicht praktikabel sei. So hatte ein Manager des Unternehmens Hipp im Frühjahr eine Änderung der Kriterien für das Zeichen verlangt, da es in seiner jetzigen Form die Nachfrage nach gentechnikfrei erzeugten Nahrungsmitteln behindere.
„Die Vergabe des Siegels verläuft leider noch nicht so schnell wie gewünscht und wie es notwendig wäre“, sagte Alexander Hissting, Sprecher des VLOG. Bis heute geschehe die Vergabe des Siegel „noch nicht in den endgültigen Bahnen“. Nach wie vor fehle seitens des Bundesverbraucherschutzministeriums die endgültige Bestätigung für die vom VLOG vorgeschlagenen Regularien zur Vergabe des Siegels. Er sei jedoch „zuversichtlich, dass wir in ein paar Tagen soweit sind, dass endlich Interessenten an dem Siegel schnell und zuverlässig versorgt werden können“, sagte Hissting. Zwischen 20 und 30 zusätzliche Unternehmen hätten Interesse an der Kennzeichnung bekundet.
Hinter dem VLOG stehen zwei Dutzend Unternehmen. Dazu gehören etwa die Supermarktkette Tegut, der Molkereikonzern Campina mit der Marke Landliebe, der Nudelhersteller Alb-Gold sowie der Geflügelfleischproduzent Stolle. ( afp/-ke)
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.