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19. Februar 2013

Online-Handel: Kein Einzelfall

 Von Stefan Sauer
Foto: dpa

Amazon ist nicht der einzige Internethändler, der mit unwürdigen Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung für Schlagzeilen gesorgt hat. Im vergangenen Jahr machte Online-Senkrechtstarter Zalando durch Niedriglöhne und katastrophale Arbeitsbedingungen auf sich aufmerksam.

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Ein Mitarbeiter des ZDF hatte bei dem Versandhandel angeheuert, um die Lage in den Lagern des Schuh- und Modehändlers zu recherchieren. Zuvor hatte Zalando das mehrfach vorgetragene Ansinnen auf eine Drehgenehmigung in den Lagerhallen im brandenburgischen Großbeeren abschlägig beschieden.

So entstand ein Fernsehbericht, der in vielem an die aktuelle Reportage über die Arbeitsbedingungen im Amazon-Imperium erinnert. Die Leiharbeiter bei Zalando verrichteten ihren 7,5-Stunden Tag beim Bepacken der Pakete durchweg im Stehen und erhielten einen Stundenlohn von sieben Euro. Anderen Mitarbeitern erging es noch schlechter. Sie wurden als „Schnupperpraktikanten“ mit der Aussicht auf einen festen Job gelockt, dann aber ohne jedes Entgelt abgespeist.

Nach Aussagen von Beschäftigten wurden von Zalando pro Woche bis zu zehn solcher Praktikanten rekrutiert. Im übrigen befanden sich die sanitären Einrichtungen in den Lagerhallen in einem erbärmlichem Zustand. „Schrei vor Glück“, wie es in dem Werbeslogan heißt? Wohl kaum.
Das Unternehmen gelobte rasch Besserung. Am vergangenen Montag, Amazon war in aller Munde, verbreitete Zalando eilends Beruhigendes: Man habe „Sozialstandards entwickelt, die für unsere eigenen Standorte gelten sowie für Dienstleister im Bereich Logistik.“ Die Einhaltung werde künftig durch externe Prüfer kontrolliert.

Eine wirksame Kontrolle könnte sich für die gesamte Branche als notwendig erweisen. Johannes Jakob, Arbeitsmarktexperte beim DGB, spricht von der „Spitze des Eisbergs“ im Online-Bereich. Der Gewerkschafter geht davon aus, dass Leiharbeit im gesamten Internet-Versandhandel weit verbreitet ist: „Allerdings sind die Unternehmen viel kleiner als Amazon. Da ist es vermutlich nicht ganz so schlimm, weil es sich um einheimische Leiharbeiter handelt, die wenigstens nicht in Fremdunterkünften eingepfercht sind.“ Im Übrigen sei Leiharbeit in der Hochsaison des Einzelhandels vor Weihnachten auch nicht grundsätzlich illegitim, „wenn sie anständig bezahlt wird“.

Zumindest im klassischen Einzelhandel ist gerade das nicht immer der Fall. Die Arbeit in großen und kleinen Warenlagern wird nicht selten von schlecht bezahlten Leiharbeiternehmern ausgeführt. Wobei weder die Kunden im hübsch dekorierten Lebensmittelmarkt noch jene an den Bildschirmen auch nur erahnen könnten, welche Arbeitsbedingungen hinter den Kulissen herrschen.

Immerhin: Leiharbeit hat inzwischen für Arbeitgeber, die allein das Ziel der Lohndrückerei verfolgen, an Attraktivität verloren. Anfang vergangenen Jahres traten Mindestlöhne für Leiharbeiter allgemein in Kraft, und im November folgten Vereinbarungen über kräftige Aufschläge für Leiharbeiter in den Branchen Metall und Chemie.

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