Erfundene Firma, tausende angebliche Stellen: Die Bundesagentur kämpft nach Informationen von FR-online mit einem weiteren Datensammler in ihrer Online-Jobbörse. Von Matthias Thieme
Zur Online-Bewerbung freigeschaltet waren Angebote von vermeintlichen Facharztstellen über pädagogische Berufe bis hin zu Ingenieuren und Managerposten - alle falsch.
Foto: Screenshot
Zur Online-Bewerbung freigeschaltet waren Angebote von vermeintlichen Facharztstellen über pädagogische Berufe bis hin zu Ingenieuren und Managerposten - alle falsch.
Foto: Screenshot
Frankfurt a.M. Die Bundesagentur kämpft nach Informationen von FR-online am Dienstag mit einem weiteren gravierenden Fall von Datenmissbrauch in ihrer Online-Jobbörse. Zwei weitere Firmen hatten dort am Dienstag 3304 falsche offene Stellen angeboten - vom Chemielaborant über Drucker bis zum Chefpilot.
Die Ansprechpartner der Firmen jobsearch24 sowie interpres stimmen mit der Firma Econsulting24 überein, die am Montag bereits 2500 falsche Stellen in der Online-Jobbörse angeboten hatte. Die Arbeitsagentur bestätigte den neuen Vorfall auf Anfrage der FR-online.de.
"Alles spricht dafür, dass dies keine realen Stellen waren, sondern der Versuch, Bewerberprofile einzusammeln", sagte Anja Huth, Sprecherin der Bundesagentur. "Die Firmen werden offenbar von den selben Personen betrieben." Man habe "nach Querverweisen gesucht und die Accounts deaktiviert", so die Sprecherin.
Der zweite Vorfall in zwei Tagen zeige, "dass wir unseriöse Angebote bemerken", so Huth. "Wir können nicht 100 Prozent der Angebote kontrollieren, aber wir filtern die schwarzen Schafe raus."
Sexspionage, Geheimmikros - überwachte Beschäftigte
Bildergalerie ( 15 Bilder )
Sexspionage, Geheimmikros - überwachte Beschäftigte
Deutsche Bank: Der Finanzkonzern ist geständig. Er ließ einen Gewerkschafter und einen Journalisten, einen kritischen Aktionär, eine Privatperson und sogar ein Vorstandsmitglied bespitzeln. Mit Methoden fast wie bei James Bond - Mikrofon im Blumenstrauß.
Die Bank wollte Informanten von Medien ausfindig machen und erkunden, welches Spiel Leo Kirch spielt.
Lidl: Der Discounter hielt die Krankheiten von Beschäftigten in firmeninternen Unterlagen fest, schickte Detektive in die Filialen und setzte Kameras gegen die eigenen Leute ein.
Foto: dpa
Deutsche Telekom: Sie "steht im Ruf, eine sehr erfahrene und erfindungsreiche Sexpartnerin zu sein" - solche Berichte soll die Deutsche Telekom aus dem privaten Umfeld von Bewerbern beauftragt haben. Ein Ex-Sicherheitsberater des Konzerns sagte, die Telekom habe in Ländern wie Kroatien, Mazedonien, Slowenien und Ungarn Dutzende Abfragen zur Ausleuchtung des Intimlebens durchführen lassen.
Das Unternehmen ließ Aufsichtsräte und Journalisten überwachen - unter freundlicher Zuhilfenahme der Einzelverbindungsnachweise der Telefonanschlüsse. Außerdem ließ das Bundeskriminalamt im Jahr 2001 ohne Rechtsgrundlage fast alle männlichen Mitarbeiter der Telekom rastern.
Foto: dpa
In der Telekom-Bespitzelungsaffäre belastete ein Zeuge Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke schwer. Beide sollen von den illegalen Vorgängen gewusst haben. Ohne jedes Unrechtsbewusstsein.
Foto: dpa
Die Deutsche Post speicherte Krankendaten von Beschäftigten, um sie in den Vorruhestand zu drängen.
Deutsche Bahn: Das staatliche Tranportunternehmen stellte seine Beschäftigten unter den Generalverdacht der Korruption.
Foto: ddp
In der Zeit von Bahnchef Mehdorn hat das Unternehmen sensible Daten von 173.000 Beschäftigten mit denen von Lieferanten verglichen.
Foto: dpa
Am Ende mussten neben Mehdorn auch Bahnvorstand Margret Suckale gehen, die als Personalchefin der Verkehrstochter DB ML für rund 170.000 Beschäftigte zuständig war.
Foto: ddp
Damit nicht genug: Die Bahn-Gewerkschaft Transnet nutzte das Computersystem des Konzerns, um die Beitragstreue ihrer Arbeitnehmer zu überprüfen.
Die Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt gegen den Textildiscounter Kik, weil die Firma Informationen über die Finanzverhältnisse von Mitarbeitern eingeholt haben soll.
Foto: dpa
Airbus: Der Flugzeugbauer hat Kontonummern von 20.000 Beschäftigten und Lieferanten abgeglichen.
Foto: dpa
Zuletzt tauchten Hunderte Bewerbungsunterlagen bei Ebay oder im Müllcontainer auf - ebenfalls eklatante Verstöße gegen den Datenschutz von Arbeitnehmern.
Foto: Kraus
Die schicken Detektive los, die sich bei kritischen Aktionären als Untermieter ausgeben, sie werten Telefon- und Kontendaten ihrer Beschäftigten aus, lassen das Sexleben von Bewerberinnen erforschen: Deutsche Firmen sind kreativer als man zu denken wagt. Eine Übersicht.
Foto:
ddp
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
Wirtschaft
Wirtschaft
Fotostrecken Wirtschaft
In die Internet-Jobbörse werden nach Angaben der BA täglich 20.000 neue oder geänderte Angebote von Arbeitgebern eingestellt. Hierbei seien noch nicht jene Angebote eingerechnet, welche die Agentur im Auftrag von Unternehmen platziert. Firmen können über die Webseite der BA Stellenangebote ins Internet stellen, selbst verwalten und bei Bedarf bearbeiten oder löschen.
Die BA kontrolliert die Angebote mit Hilfe von Computern automatisch auf problematische Inhalte wie etwa sexistische oder rechtsradikale Begriffe. In Stichproben prüfen BA-Beschäftigte einzelne auffällige Angebote persönlich.
Datenschützer hatten zuletzt bemängelt, der Online-Stellenmarkt der BA lade zum Missbrauch der Daten Arbeitssuchender geradezu ein. Entsprechende Kontrollmechanismen seien ungenügend. Auch hätten BA-Mitarbeiter Zugriff auf sensible Informationen wie Suchtkrankheiten oder Schulden von Arbeitslosen.
Die BA hatte bereits im Winter vergangenen Jahres mit einem ähnlichen Datenmissbrauch zu kämpfen. Ein privater Jobvermittler stellte immer wieder fingierte Stellenangebote ein. Wenn sich Arbeitnehmer bei dem Vermittler meldeten, erhielten sie stets die Auskunft, dass die Stelle vergeben war.
Das Unternehmen bot den Bewerbern jedoch an, gegen Entgelt Bewerbungen für sie zu verfassen. Problematisch an dem Fall war, dass sich der Job-Vermittler trotz Löschung seines Kontos in der Internet-Jobbörse der BA immer wieder neu anmeldete.